E-Mail-Domain gab den Hinweis

Putins Vermögen aufgedeckt? Rechercheure haben angeblich Netzwerk entlarvt - und nennen eine Zahl

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Der russische Präsident Wladimir Putin im Kreml. Der Kreml-Chef soll zu den reichsten Menschen der Welt gehören, nachweisen ließ sich das aber nicht direkt - bis jetzt.
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Wie reich ist Wladimir Putin wirklich? Ein Recherchenetzwerk folgte einem Hinweis – und kann offenbar mehrere Milliarden Euro mit dem Kremlchef in Verbindung bringen.

Maryland, USA - Der russische Präsident Wladimir Putin pflegt öffentlich das Image des „bescheidenen Patrioten“ - sein Gehaltsnachweis fällt jährlich erstaunlich niedrig aus. Doch hinter den Kulissen soll er einer der reichsten Menschen der Welt sein. Dafür gab es bislang Indizien, doch keine Beweise. Nun ist das Recherchenetzwerk Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) einen großen Schritt weitergekommen. Die Journalisten wollen ein Unternehmensgeflecht entdeckt haben, das einerseits mit der Bank Rossiya und andererseits mit Putin in Verbindung steht. Das offenkundige Verbindungsglied sei eine E-Mail-Domain.

Wladimir Putin leugnet Reichtum: Vermögen gehört angeblich den Freunden des Kremlchefs

Der Kremlkritiker Alexei Nawalny hatte 2021 in einem Video erklärt, dass Putin ein Luxus-Palast an der Küste des Schwarzen Meeres gehöre. Kolportierter Kostenpunkt des Anwesens: Über eine Milliarde Euro. Der Kreml dementierte dies. Prompt gab Arkadi Rotenberg, ein ehemaliger Judo-Sparringpartner Putins, bekannt, dass ihm der Palast gehöre. So geschah es in der Vergangenheit auch immer wieder mit anderen Vermögenswerten, die dem russischen Präsidenten zugerechnet wurden.

Die Weinberge in der Umgebung des Schwarzmeerpalastes etwa teilen sich anscheinend zwei weitere Kollegen des Kremlchefs: der Sohn eines seiner Jugendfreunde und ein bekannter Oligarch, Gennadi Timtschenko. Eine Villa nördlich von St. Petersburg beanspruchte Sergej Rudnow für sich, Sohn eines anderen alten Putin Freundes, der 2015 starb. Die Panama Papers zeigten, dass eine Offshore-Firma des Musikers und Putinvertrauten Sergej Roldugin zwei Milliarden Euro schwer ist. Die Vermutung liegt nahe, dass sich durch Cellospielen nicht so viel Geld verdienen lässt und Roldugin Schwarzgeld für den russischen Präsidenten verwaltet. Putins Name war in den Dokumenten jedoch nicht zu finden.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

Den mutmaßlichen unglaublichen Reichtum soll der russische Präsident durch Korruption angehäuft haben. Der Antikorruptions-Aktivist Nawalny nannte dazu einmal ein plakatives Beispiel. Eine Straße, die für die olympischen Spiele in Russland gebaut worden sei, habe so viel gekostet, „als hätte man sie mit französischer Gänsestopfleber gepflastert“.

Das Recherchenetzwerk OCCRP konnte die verstreuten Vermögenswerte, die sich scheinbar im Besitz verschiedener Personen befinden, nach eigenen Angaben nun miteinander in Verbindung bringen: Sie gehören dutzenden Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen, die über eine technische Infrastruktur miteinander verbunden sind. Diese Verbindung ist über eine öffentlich nicht sichtbare Domain erkennbar: LLCInvest.ru.

Domain erstmals 2017 entdeckt: Reporter folgten der Spur und entlarvten Firmennetzwerk von Putins Freunden

Die Unternehmen haben den Daten zufolge eine Vielzahl von Eigentümern, darunter reiche Banker und Oligarchen aus Russland, aber auch die Kinder von Freunden Putins und sogar seine angebliche Geliebte. „Die Gruppe sieht am ehesten wie eine Genossenschaft oder ein Verein aus, in dem die Mitglieder Vorteile und Eigentum austauschen können“, sagte ein Experte für Korruption in Russland, wie OCCRP berichtet.

Eine wichtige Rolle spiele die russische Bank Rossiya, die nach Putins Wahl zum Präsidenten im Jahr 2000 begann, ein Geschäftsimperium aufzubauen, heißt es. Seit 2014 ist „Putins Bank“ von den USA mit Sanktionen belegt, nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs zog auch die EU nach.

Erstmals stießen Reporter im Jahr 2017 auf die Domain LLCInvest.ru, als eine Recherche der Wochenzeitung Sobesednik zeigte, dass ein Netzwerk von Organisationen von Freunden Putins LLCInvest.ru-Adressen nutzten. Die Journalisten folgten dieser Spur und entdeckten zahlreiche weitere Firmen, die E-Mail-Adressen unter dieser Domain verwendeten. Die Adresse selbst gehört einem IT-Unternehmen namens Moskomsvyaz, das wiederum eng mit der Bank Rossiya verbunden ist.

Eine interne Quelle spielte OCCRP-Journalisten offenbar E-Mail-Metadaten zu, die offiziell inexistente Verbindungen zwischen den Unternehmen zeigten. Die Mitarbeiter der insgesamt 86 Unternehmen kommunizierten so, wie es nur innerhalb derselben Firma üblich ist, so die OCCRP-Recherche. Vieles liegt noch im Dunkeln. Doch klar ist angeblich, dass fast jede Immobilie, die jemals in Verbindung mit Putin gebracht wurde, zu einem der LLCInvest-Unternehmen gehört. Darunter dem Bericht zufolge der Schwarzmeerpalast, das Skigebiet Igora, mehrere Ferienhäuser und eine Immobilie in der Nähe von Moskau.

Ist Wladimir Putin eigentlich der reichste Mensch der Welt?

Bei den LLCInvest.ru-Organisationen geht es demnach um mindestens 4,5 Milliarden US-Dollar (etwa 4,4 Milliarden Euro). Das ist nur ein Bruchteil des angeblichen Putin-Vermögens. Kremlgegner und Investor Bill Browder schätzte den „Wert“ des russischen Präsidenten vor dem Justizausschuss im US-Senat im Jahr 2017 auf 200 Milliarden US-Dollar (etwa 194 Milliarden Euro).

Damit wäre der Kremlchef vor fünf Jahren der reichste Mensch der Welt gewesen. Damals lagen Bill Gates und Jeff Bezos mit Vermögen von je etwa 90 Milliarden US-Dollar fast gleichauf auf Platz 1 und 2. Heute ist Elon Musk offiziell der reichste Mensch der Welt, im Mai 2022 belief sich sein Vermögen laut Bloomberg auf etwa 201 Milliarden - doch auch Putins geheimer Wohlstand könnte in der Zwischenzeit angewachsen sein. (bm)

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