VonLeonie Zimmermannschließen
Viele Deutsche sind aktuell auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. Sie wollen trotz Inflation eine Wohnung mieten. Tipps für eine erfolgreiche Wohnungssuche.
Berlin – Die Inflation hat Deutschland fest im Griff. Im Mai lag die Teuerungsquote bei 7,9 Prozent – Tendenz steigend. Damit steigen nicht nur die Preise im Supermarkt und an der Zapfsäule weiter, auch einige Vermieter ziehen die Mietpreise an. Zuletzt hatte Deutschlands größter Wohnungsbaukonzern Vonovia Mietpreiserhöhung angekündigt. Aber bezahlbares Wohnen ist nicht nur bei Vonovia schwierig.
Eine Wohnung mieten ist mittlerweile deutschlandweit für viele zur Zerreißprobe geworden. Denn die Inflation trifft auch jene, die gerade eine neue Wohnung suchen. Entweder gibt es kaum freien Wohnraum – oder aber er ist nahezu unbezahlbar. Vor allem Studenten und Geringverdiener verzweifeln regelmäßig an der Herausforderung „Wohnung mieten“. Dabei kann seine Chancen auf dem Wohnungsmarkt bedeutend steigern, wenn man ein paar Dinge beachtet. Ein Überblick.
Wohnung mieten trotz Inflation: Wann solle ich mit der Suche beginnen?
Wer eine neue Wohnung mieten möchte, sollte möglichst früh mit der Suche beginnen. Experten raten dazu, rund drei bis vier Monate vorher damit anzufangen – unabhängig von der Inflation in Deutschland. Dadurch spart man sich den Zeitdruck, der entsteht, wenn man seine Wohnung kündigt, ohne eine neue in Aussicht zu haben. Bei der in Deutschland üblichen Kündigungsfrist von drei Monaten für Wohnraum kündigen Mieter entweder zum 1. oder 15. eines Monats – und sollten entsprechend in drei Monaten die nächste Wohnung beziehen.
Oftmals sind die Mietzeiträume abweichend, sodass es zu Überschneidungen kommen kann. In diesem Fall können Mieter ihrem Vermieter entweder anbieten, selbst einen Nachmieter zu suchen, der dann im Zweifel früher einzieht – oder sie verhandeln mit dem neuen Vermieter einen späteren Einzugstermin aus. Ob dieser sich darauf einlässt, kommt unter anderem auf die Nachfrage nach der Wohnung an.
Wohnungssuche in Deutschland: möglichst Wohnung im Winter mieten
Wer möglichst wenig Konkurrenz für den bezahlbaren Wohnraum haben möchte, der sollte eher im Winter umziehen. Im Sommer ziehen gerne Familien mit schulpflichtigen Kindern um, da der Umzug in den Sommerferien am stressfreier ist. Im Frühjahr und Herbst gibt es vor allem in Universitätsstädten einen Ansturm von Studenten auf Wohnraum im bezahlbaren Segment. Vorteile hat hier, wer etwas mehr für die Wohnung ausgeben kann. Während in Großstädten vor allem Wohnungen mit einer Kaltmiete zwischen 500 und 1000 Euro gefragt sind, werden die Bewerber für Wohnraum im höherpreisigen Segment schon rarer.
Wohnung mieten: Wie viel Geld sollte ich für Wohnraum ausgeben?
Dass in Städten überwiegend Wohnungen mit einer Kaltmiete zwischen 500 und 1000 Euro gefragt sind, liegt vor allem daran, dass sich viele Arbeitnehmer höhere Mietpreise schlichtweg nicht leisten können. Das führt mitunter zu schwierigen Situationen in den Städten. Vor allem, wenn man von bezahlbarem Wohnraum sprechen möchte. Dieser ist nämlich dann bezahlbar, wenn er höchstens 30 Prozent des Netto-Haushaltseinkommens in Anspruch nimmt.
Dazu ein Beispiel: Laut dem Entgeltaltas der Bundesagentur für Arbeit verdienen die Berliner durchschnittlich 3.484 Euro brutto monatlich. Für einen Alleinstehenden ohne Kinder sind das etwas mehr als 2.200 Euro netto im Monat. Damit würde er knapp die Hälfte seines verfügbaren Einkommens für eine Wohnung mit einer Kaltmiete in Höhe von 1000 Euro ausgeben. Bei einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 14,91 Euro, wie er in der Hauptstadt üblich ist, bekommt er dafür im besten Fall 60 Quadratmeter Wohnfläche. Die teuerste Stadt in Deutschland für Mietinteressenten ist allerdings München mit durchschnittlichen 19,58 Euro pro Quadratmeter.
Bezahlbarer Wohnraum in Deutschland: Wohnung mieten wird in Städten immer teurer
Bezahlbaren Wohnraum gibt es in Deutschlands Städten immer weniger. Zumindest übersteigt die Nachfrage oftmals das Angebot deutlich. Wer eine Wohnung mieten möchte, aber dafür nicht allzu tief in die Tasche greifen kann, sollte sich deshalb auch im Umland umschauen. Es gibt viele Vororte und Gemeinden in der Umgebung von Großstädten, in denen günstiger zur Miete gewohnt werden kann. Ein Blick auf den aktuellen Mietspiegel in Deutschland zeigt, dass die günstigsten Wohnungen derzeit in Plauen, Chemnitz und Gera angeboten werden. Dort liegt der Mietpreis pro Quadratmeter im Durchschnitt zwischen 4,95 Euro und 5,60 Euro.
Inflation und bezahlbarer Wohnraum: Wohnung mieten mit Kompromiss – Mieter müssen flexibel sein
Generell gilt bei der Wohnungssuche: Kompromisse eingehen ist kompromisslos notwendig. Wer bei der Lage keine Abstriche machen möchte, der sollte seine Ansprüche an den Wohnraum selbst an die Möglichkeiten anpassen. Viele Wohnungen haben zum Beispiel keine Einbauküche, sind dafür aber etwas günstiger als die Äquivalente mit Küche. Da gilt es dann, genau nachzurechnen, ob es sich nicht auch finanziell lohnt, selbst eine Küche einzubauen und dafür monatlich Kosten einzusparen. Je flexibler und offener man an die Wohnungssuche herangeht, desto schneller wird man in der Regel fündig.
Natürlich sollte man sich nicht nur auf eine Wohnung bewerben, sondern am besten erstmal jede Wohnung, die in den groben Suchrahmen passt, anfragen. Vor allem in Metropolen bewerben sich oftmals mehrere hundert Menschen auf eine Wohnung – es ist also nicht garantiert, dass man auch zur Besichtigung eingeladen wird. Viele Wohnungsangebote auf dem Markt werden zudem mit Fotos inseriert, die nicht wirklich aussagekräftig sind. Es gilt also: So viele Wohnungen anschauen, wie es geht – um wirklich die Wohnung mieten zu können, die am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt.
Wohnung mieten trotz Inflation: Wie Sie beim Besichtigungstermin punkten können
Die Einladung zum Besichtigungstermin ist da – und jetzt? Gute Vorbereitung ist hier das A und O. Vor allem bei Massenbesichtigungen kann es helfen, bereits eine ausgefüllte Mieterselbstauskunft oder sogar eine Bewerbermappe mit Schufa-Auskunft und Gehaltsnachweisen mitzubringen und dem Vermieter vor Ort mit ein paar netten Worten zu geben.
Dadurch hebt man sich im besten Fall von anderen Mietinteressenten ab und bleibt in Erinnerung. Natürlich sollte man hier auch Wert auf ein gepflegtes Auftreten und Pünktlichkeit legen. Wie in einem Vorstellungsgespräch für einen Job ist es auch immer gut, wenn man (durchdachte) Fragen zur Wohnung oder der Umgebung stellt, um Interesse zu signalisieren.
Wohnung mieten: Genossenschaften bieten bezahlbaren Wohnraum
Wenn es auf dem freien Wohnungsmarkt trotzdem nicht so recht klappen will, kann man sich alternativ noch bei einer Genossenschaft anmelden oder sich persönlich bei Hausverwaltungen und Wohnungsbaugesellschaften vorstellen. Auch hier ist eine gute Vorbereitung essenziell für den Erfolg. Besonders in Ballungszentren hat sich in den vergangenen Jahren außerdem ein neuer Trend etabliert: Wohnungstausch. Dabei bieten Mieter ihre aktuelle Wohnung zum Tausch gegen die neue Traumwohnung an. In Hamburg zum Beispiel gibt es mittlerweile überwiegend Tauschangebote auf beliebten Wohnungsbörsen.
Übrigens: Ein Hauskauf gilt nach wie vor als günstige Alternative zur Mietwohnung. Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zahlten Käufer im Jahr 2021 durchschnittlich 4,21 Euro pro Quadratmeter, während Mieter durchschnittlich 10,30 Euro zahlten. Durch die zunehmende Inflation und die steigenden Kreditzinsen schmälert sich dieser Preisvorteil aber zunehmend.
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