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Der AfD-Chef in Thüringen sorgt nicht nur beim Thema Bildungspolitik mit Aussagen für Entsetzen. Wer genau hinhört, kann nur zu einem Schluss kommen.
Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke hat im MDR-Sommerinterview unter anderem mit Ansichten zur Inklusion für Entsetzen gesorgt. Inklusion ist der Unterricht für Kindern mit Behinderungen an Regelschulen. Für Höcke ist Inklusion nur eines von mehreren „Ideologieprojekten“. Wörtlich sagte er in dem halbstündigen Gespräch: „Unter anderem müssen wir das Bildungssystem auch befreien von Ideologieprojekten, beispielsweise der Inklusion, beispielsweise auch dem Gender-Mainstream-Ansatz.“ Behindertenvereine reagierten empört auf die entsprechenden Aussagen.
Für den Hintergrund: Inklusion gilt mittlerweile als Menschenrecht. Die entsprechende UNO-Konvention hat Deutschland 2009 ratifiziert. Alle 16 Gesetze der Bundesländer für Schulen nehmen darauf Bezug.
Alle Zuschauer:innen, die genau hingehört haben, konnten den Dauer-Tabubrecher und Rechtsaußen der AfD, der laut einer gerichtlichen Entscheidung als „Faschist“ bezeichnet werden darf, anhand seiner Sprache schnell als das entlarven, was er ganz offensichtlich ist.
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Höcke-Vokabular erinnert an dunkelste Zeit Deutschlands
Höcke betont zu Beginn des Interviews mit Moderator Lars Sänger, es gehe ihm nicht um seine Person und die Sicherung persönlicher Macht. „Ich finde es ja auch immer bemerkenswert, wie viele Gedanken sich die Funktionäre der Altparteien wie und mit wem regiert werden könnte.“
Das Wort Altparteien gilt unter anderem als ein historischer Kampfbegriff in der Politik. Wichtig: Auch Reichspropagandaminister Joseph Goebbels hantierte in frühen Jahren gern mit dem Wort, bevor er und die NSDAP in Deutschland an die Macht kamen.
Höcke beklagt „Kastrierung“ und „Gleichschaltung“
Doch zurück zu Höcke: Der behauptet beim MDR, Kultuspolitik sei keine reine Ländersache mehr, was de facto im föderalen Staat Deutschland falsch ist. Höcke beruft sich in seiner Begründung auf die Institution der Kulturministerkonferenz, die „versucht, die Länder-Bildungspolitiken in gewisser Weise gleichzuschalten.“ Darüber hinaus seien die Länder in dem Politikfeld „kastriert“.
Kastrieren ist ein Fachbegriff aus der (Tier)Medizin für das Entfernen von Hoden oder Eierstöcken. Der Moderator greift bei der entsprechenden Vokabel allerdings nicht ein. Der Begriff der Gleichschaltung ist präsent durch die Zeit der Nationalsozialisten in Deutschland zwischen 1933 und 1945. Damit gemeint ist, dass Organisationen wie Parteien, Verbände, Vereine und Medien auf die politischen Ziele der Nationalsozialisten hin ausgerichtet beziehungsweise aufgelöst und ersetzt wurden; auch die Ausrichtung auf die Weltanschauung des Nationalsozialismus wird durch den Begriff „Gleichschaltung“ getragen.
Höcke ist das, was er ist und der, als der er tituliert werden darf
Beim Stimmenfang von Wähler:innen in Thüringen spricht Höcke gegen Ende der Sendung dann von der Botschaft, die man „an die Front, an den Mann“ zu bringen versuche und lächelt danach. Der Faschist Höcke scheint hier wieder eher bewusst als versteckt die Kriegsrhetorik zu bemühen.
Björn Höcke darf als Faschist bezeichnet werden - aus guten Gründen. Der AfD-Chef Thüringens trägt besorgniserregende Ansichten unter anderem zu Kindern mit Behinderungen zur Schau. Doch auch die Sprache macht Höcke zu dem, was er ist.
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