- VonBettina Menzelschließen
Im Ukraine-Krieg sind auch Kampfroboter im Einsatz. Im Waffenmix der ukrainischen Truppen befindet sich nun offenbar ein Kamikaze-Roboter, der leicht gepanzerte Fahrzeuge bekämpfen kann.
Kiew – Bereits seit vergangenem Jahr sind im Ukraine-Krieg Kampfroboter im Einsatz – auf beiden Seiten der Front. Nun kommen offenbar auch Kamikaze-Roboter hinzu. Ein Video der dritten Armeebrigade „Asow“ der Ukraine weist darauf hin, dass ukrainische Soldaten die neue „Wunderwaffe“ bereits erfolgreich einsetzen.
Ukraine verfügt offenbar über neuen Kamikaze-Roboter mit MON 200-Minenausstattung
Erfahrene Militärs weisen immer wieder darauf hin, dass ein Waffensystem alleine nicht den entscheidenden Unterschied in einem Krieg macht. Viel wichtiger ist das sogenannte Gefecht der verbundenen Waffen. Dabei werden verschiedene Waffengattungen sowie Truppen an Land und in der Luft zusammen eingesetzt und können so ihr ganzes Potenzial entfalten. Die ukrainischen Streitkräfte haben ihrem Waffenmix nun offenbar einen improvisierten Kamikaze-Roboter hinzugefügt, wie aus nicht verifizierten Bildern aus offenen Quellen hervorgeht. Einem Bericht der Medienplattform Defense Express vom Mittwoch zufolge soll die Waffe mit MON-200 Minen ausgestattet sein und damit Infanterie, aber auch leicht gepanzerte Fahrzeuge angreifen können.
Als Kamikaze wird dieses Modell bezeichnet, da es bei dem Angriff in der Regel selbst zerstört wird. Eine vergleichbare Taktik kommt auch bei sogenannten Kamikaze-Drohnen zum Einsatz. Weitere Daten, etwa über die Reichweite des neuen Roboters, lagen indes noch nicht vor. Defense Express weist aber darauf hin, dass „Asow“, die dritte Angriffsbrigade der ukrainischen Armee, den Roboter bereits im März 2023 bei den Kämpfen um Bachmut einsetzte. Die angebrachte Antipersonenmine war fähig, leicht gepanzerte Fahrzeuge zu zerstören, hieß es. Die Steuerung des Roboters erfolgte bei der „Asow“-Brigade über einen Funkkanal und eine Kamera, die vorne an dem unbemannten Fahrzeug montiert war. Eine wichtige Rolle bei Steuerung und Aufklärung spielte dabei auch eine über dem Roboter fliegende Drohne, wie aus einem Video der Brigade hervorgeht.
Ukraine-Krieg: Diese Kampfroboter sind außerdem im Einsatz
Auf der Seite der Ukraine kämpft auch der THeMIS genannte Kampfroboter des estnischen Militärunternehmens Milrem Robotics. Das unbemannte Bodenfahrzeug eignet sich laut Herstellerangaben neben der „Reduzierung der Anzahl der Truppen“ auch zum Transport, zur Kampfmittelbeseitigung sowie zur Unterstützung von Aufklärungsoperationen. Zudem sind der ferngesteuerte Raupenroboter Uran-6 zur Minenräumung im Einsatz, sowie der mit einem Maschinengewehr ausgestattete GNOM-Roboter von Temerland. Der Einsatz der Roboter kann in bestimmten Situationen die Gefahr für die Soldaten reduzieren.
„Es wird viel über die Bedeutung des Einsatzes neuer und bahnbrechender Technologien in den Kriegen der Zukunft gesprochen“, sagte Daniel Fiott, Professor an der Brüsseler School of Governance und Fellow am Real Elcano Institutes gegenüber der Plattform Coda. High-Tech-Lösungen dürften aber nicht auf Kosten von konventionellen Waffenlieferungen gehen, so Fiott weiter. Neben modernsten Robotern kämpft auch eine IT-Armee im Hintergrund mit den ukrainischen Männern an der Front. Der Ukraine-Krieg gilt als erster Cyberkrieg im großen Stil.