Zeichen eines Machtverlusts?

Chinas Präsident Xi Jinping säubert seinen inneren Kreis – und bleibt einsam an der Macht

Mit einer Säuberung an der Militärspitze fragen sich einige Analysten: Wem kann Chinas Staatschef Xi Jinping überhaupt noch vertrauen?

Peking – Ein wichtiges politisches Treffen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) in dieser Woche wurde von der schockierenden Ankündigung einer Säuberung überschattet, bei der neun Generäle – die zum engsten militärischen Vertrautenkreis von Präsident Xi Jinping gehörten – aus ihren Ämtern entfernt wurden. Dies wirft Fragen darüber auf, wem Xi nun überhaupt noch vertrauen kann.

Xi Jinping steht alleine da.

Die Ankündigung lenkt zusätzliche Aufmerksamkeit auf das Vierte Plenum des Zentralkomitees der KPCh, das noch bis Donnerstag tagt – zu einem Zeitpunkt, an dem Chinas Handels- und Technologiekonflikt mit den Vereinigten Staaten eskaliert und es Anzeichen für einen anhaltenden militärischen Aufrüstungsprozess gibt, der möglicherweise auf das selbstverwaltete Taiwan abzielt. Newsweek ersuchte das chinesische Verteidigungsministerium und das Außenministerium in Peking sowie die Botschaft in Washington D.C. um eine Stellungnahme, erhielt jedoch nicht umgehend eine Antwort. Die Ministerien wurden außerhalb der Bürozeiten in China kontaktiert.

Xi Jinping sägt dutzende Führungskräfte ab – immer weniger Vertraute für Chinas Machthaber

Die jüngsten Entwicklungen stellen den vorläufigen Höhepunkt monatelanger Säuberungen innerhalb des Militärs und der Sicherheitsdienste dar, bei denen Dutzende ranghoher Führungskräfte gestürzt wurden, sowie einer dreizehn Jahre andauernden Anti-Korruptionskampagne Xis, die nach seinen eigenen Worten das Vermögen der KPCh, an der Macht zu bleiben, untergraben könnte.

Laut der People’s Liberation Army Daily haben die neun entmachteten Männer „in schwerwiegender Weise die Parteidisziplin verletzt“ und werden verdächtigt, „schwerwiegende Dienstvergehen begangen zu haben, bei denen außergewöhnlich hohe Geldsummen im Spiel waren und die ein extrem schwerwiegendes Verhalten und eine außerordentlich verderbliche Auswirkung hatten“.

Militärparade in Peking: China präsentiert unter den Augen von Putin und Kim neue Superwaffen

Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt.
Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt. © Andy Wong/AP/dpa
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking.
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking. © Hector RETAMAL / AFP
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking.
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking. © GREG BAKER / AFP
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt.
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt. © GREG BAKER / AFP
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte.
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen.
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen. © Pedro PARDO / AFP
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking.
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking. © Pedro PARDO / AFP
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking.
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking. © Greg Baker/AFP
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.  © Johannes Neudecker/dpa
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin © Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un © Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache © Jade Gao/AFP
Vor Militärparade in Peking
Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat zur Militärparade am 3. September illustre Gäste geladen. Darunter ist auch der russische Präsident Wladimir Putin. Schon vor der Parade haben sie bei einem Treffen in Peking ihr gutes Verhältnis betont. Putin und Xi betonten außerdem, zur Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges der jeweils anderen Seite gekommen zu sein. © Sergei Bobylev/dpa
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Am 1. September hatten sich Xi und Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) für eine neue Weltordnung ausgesprochen. Die russlandfreundliche SOZ gilt Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Putin hatte erklärt, das eurozentrische und euroatlantische Modell habe sich überlebt. © dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
544732808.jpg © Pang Xinglei/dpa
Kim Jong un
Kim Jong-un verlässt sein Land überaus selten. Die Militärparade in Peking ist für ihn das erste Treffen mehrerer Staatschefs überhaupt. Es wird erwartet, dass er Xi Jinping und Wladimir Putin in Peking auch zu persönlichen Gesprächen trifft.  © afp
Vor Militärparade in Peking
Wichtige Vertreter aus dem Westen werden bei der Militärparade in Peking nicht im Publikum sein. Dabei ist aber der serbische Präsident Aleksandar Vučić (hier bei seiner Ankunft). © Lintao Zhang/dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
Auch der slowakische Regierungschef Robert Fico ist vor Ort (hier am Flughafen von Peking). Beide stehen vor allem dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe. © Jade Gao/dpa
Militärparade China
China erinnert am 3. September an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg. Nach 2015 zum 70. Jahrestag hält die Volksrepublik damit zum zweiten Mal eine Militärparade anlässlich des Gedenkens an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg ab. Die letzte große Militärparade in Peking fand 2019 statt. Damals erinnerte die herrschende Kommunistische Partei an den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik 1949. © Wang Zhao/afp
Militärparade China
Mit Zehntausenden Männern und Frauen will China bei der diesjährigen Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Sieges im Widerstandskrieg gegen Japan seine Kampffähigkeit unter Beweis stellen.  © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Insgesamt sollen 45 Formationen über den Platz des Himmlischen Friedens in Peking laufen und fliegen. Darunter sind ausgewählte Einheiten des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, aber auch der Luftabwehrtruppen.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Zudem will die Staatsführung in der rund 70-minütigen Vorführung Hunderte Panzer und Militärfahrzeuge sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber zur Schau stellen.  © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Schon seit geraumer Zeit trainieren am Stadtrand von Peking Einheiten in der Sommerhitze für die Militärparade.  © Pesro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade fällt in eine Zeit, in der Peking im Südchinesischen Meer und der Taiwanstraße unter westlicher Kritik zunehmend militärischen Druck aufbaut.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Alle gezeigten Waffensysteme sollen aus chinesischer Herstellung stammen. Darunter soll neue, bisher nicht gezeigte Ausrüstung sein, unter anderem Drohnen, elektronische Störsysteme, Hyperschallwaffen sowie Raketen- und Luftabwehrsysteme. © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Die bei der Parade zur Schau gestellten Waffen könnten Hinweise auf einen möglichen zukünftigen Konflikt mit Taiwan liefern. Es wird erwartet, dass dabei eine neue Serie von Anti-Schiffs-Raketen, die Ying Ji („Adlerangriff“), vorgestellt wird. Diese Marschflugkörper sowie ballistische und Hyperschallraketen könnten entscheidend sein in einem Gefecht mit der US-Marine. © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade wird auch die Rolle der Kommunistischen Partei der Volksrepublik beim Sieg über Japan herausstellen. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Dabei sind sich die Historiker außerhalb Chinas weitgehend einig, dass das Hauptverdienst für diesen Sieg Chiang Kai-sheks Nationalisten zukommt, die damals den größten Teil Chinas regierten © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
2015 würdigte die Kommunistische Partei die nationalistischen Soldaten, indem sie Veteranen zur Parade einlud. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Auch ausländische Mächte trugen zur Niederlage Japans bei, darunter die als „Flying Tigers“ bekannten US-Piloten. Sie einzubeziehen, wäre eine versöhnliche Geste gegenüber der Regierung in Washington. © Johannes Neudecker/dpa
Siegesparade Moskau
Als Anerkennung der damaligen Unterstützung der Sowjetunion könnten russische Soldaten mitmarschieren – so wie auch chinesische Soldaten an der Moskauer Parade im Mai teilnahmen. © Kirill Kudryavtsev/afp
Übung zur Militärparade in Peking
In der Militärkapelle spielen laut staatlichen Medien 80 Hornisten mit, die für die 80 Jahre seit der Kapitulation Japans stehen.  © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Die insgesamt mehr als 1000 Musiker stehen in 14 Reihen – Sinnbild für die Jahre des chinesischen Widerstands.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
In der offiziellen Geschichtsschreibung Chinas begann der Krieg mit der japanischen Invasion der Mandschurei 1931. © Wang Zhao/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Groß angelegte Militärparaden in China sind selten. Peking selbst will die Parade und seine wachsende militärische Macht als einen Beitrag zum Frieden verstanden sehen. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
AFP__20250820__69ZJ7G6__v2__HighRes__TopshotChinaJapanHistoryWwiiMilitaryParade.jpg © Pedro Pardo/afp
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Nach der Parade wird Xi voraussichtlich eine Ansprache halten. Beobachter erwarten Kommentare zu den USA und zu Taiwan, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. © Sergei Bobylev/dpa

Beobachter innerhalb und außerhalb Chinas fragen sich, wo dies Xi hinführen wird, der sie seit Beginn seiner Herrschaft 2012 persönlich befördert hat. „Die eigentliche Frage ist doch: Wenn Xi Jinping den Vertrauten, die gemeinsam mit ihm aufgestiegen sind, nicht mehr trauen kann – wem kann er dann überhaupt noch trauen?“, fragt K. Tristan Tang, Analyst bei der Jamestown Foundation in Washington D.C. Tang sagt, dass sieben der neun abgesetzten Generäle zu den ältesten militärischen Weggefährten Xis aus der Region Fujian in Südostchina gehören.

Auf dem Plenum der Kommunistischen Partei wird Chinas neuer Fünfjahresplan diskutiert, der fünfzehnte, mit dem wichtige Meilensteine für die kommenden Jahre gesetzt werden.

Xi Jinping vor der vierten Amtszeit: Wird er erneut mit Konventionen brechen?

Es ist das vorletzte Treffen des mächtigen Zentralkomitees, bevor Xis umstrittene dritte Amtszeit als Partei-, PLA- und Staatschef 2027 endet. Eine weitere Schlüsselfrage, die Beobachter zunehmend umtreibt: Wird Xi eine vierte Amtszeit als Partei-, Militär- und Staatschef anstreben und damit erneut mit Konventionen brechen? Ein nach dem Treffen erwarteter Bericht wird genauestens auf Hinweise zur politischen Zukunft Chinas untersucht werden.

Die Säuberung am Freitag reduziert die Zahl der Mitglieder der Zentralen Militärkommission (CMC) auf nur noch vier, darunter Xi selbst – eine außergewöhnliche Machtkonzentration, meinen Analysten. Sogar unter Staatsgründer Mao Zedong war die Kommission größer, mit fünf Mitgliedern, und unter Xis Vorgängern Hu Jintao und Jiang Zemin waren es elf, was auf eine breitere Streuung politischer Interessen hinweist.

Fachleute sind weiterhin tief gespalten in der Frage, ob Xi noch genauso mächtig ist wie zuvor. Einige sehen Herausforderungen für seine Führung, die als wirtschaftlich gescheitert und zu autoritär wahrgenommen wird, während andere gerade durch die anhaltenden Säuberungen eine Festigung seiner Macht feststellen. Doch eins scheint klar: An der Spitze wird es immer einsamer. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ITAR-TASS

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