80 Jahre Kriegsende

Steinmeier appelliert in 8.-Mai-Rede: „So haben wir schon mal die Demokratie verloren“

  • schließen

Zum 80. Mal jährt sich das Kriegsende des Zweiten Weltkriegs. Welche Lehren ziehen wir daraus? Aus diesem Grund gibt es eine Gedenkstunde im Bundestag.

Update um 14.37 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in seiner Rede zu 80 Jahre Kriegsende dazu aufgerufen, an den Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg und der NS-Diktatur ungeachtet aller Anfechtungen konsequent festzuhalten. „Wir wissen, wohin Abschottung führt, wohin aggressiver Nationalismus, Verachtung von demokratischen Institutionen führt. So haben wir in Deutschland schon einmal die Demokratie verloren“, sagte er in einer Gedenkstunde des Bundestags. „Vertrauen wir doch auf unsere Erfahrung! Stehen wir ein für unsere Werte. Erstarren wir jetzt nicht in Ängstlichkeit! Beweisen wir Selbstbehauptung.“

Der Bundespräsident wies anlässlich des Gedenkens an das Kriegsende vor 80 Jahren darauf hin, dass die Staatengemeinschaft als Konsequenz aus Vernichtungskrieg und Völkermord eine internationale Ordnung auf Basis des Völkerrechts geschaffen habe. Diese werde heute auch durch die USA infrage gestellt. Steinmeier kritisierte scharf die Politik von US-Präsident Donald Trump, ohne ihn allerdings beim Namen zu nennen. Dass sich nun ausgerechnet auch die Vereinigten Staaten von der internationalen Ordnung abwendeten, die sie selbst maßgeblich geprägt hätten, sei „eine Erschütterung neuen Ausmaßes“. 

Der Bundespräsident stellte dies in einen direkten Zusammenhang zum Überfall Russlands auf die Ukraine. Er sprach von einem „doppelten Epochenbruch“ und betonte: „Der Angriffskrieg Russlands und der Wertebruch Amerikas, das ist das, was das Ende dieses langen 20. Jahrhunderts markiert.“

Rede zu Kriegsende vor 80 Jahren: Steinmeier appelliert an deutsche Bevölkerung

Erstmeldung: Berlin – Der 8. Mai 1945 hat sich ins historische Gedächtnis der Welt eingebrannt: vollständige militärische Niederlage, Zusammenbruch, Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur und Neuanfang – all dies vereint ebendieser. In diesem Jahr wird 80 Jahre Kriegsende gedacht. Der Bundestag kommt aus diesem Grund zu einer Gedenkstunde zusammen, um diesen historischen Einschnitt zu würdigen. 80 Jahre Kriegsende erregt dieser Tage vielfach die Gemüter. Überschattet wird der historische Tag von den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und den Drohgebärden Wladimir Putins. 80 Jahre Kriegsende sind einmalig ein Feiertag in Berlin.

80 Jahre Kriegsende: Steinmeier hält Rede im Bundestag – Mahnung wegen Ukraine-Krieg

Anlässlich der 80 Jahre Kriegsende wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die zentrale Rede im Bundestag halten. Welche Lehren sind aus dem 8. Mai für heute zu ziehen? Das wird nach Angaben des Bundespräsidialamts eine zentrale Frage sein, auf die Steinmeier eine Antwort geben will. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner will zum Auftakt ebenfalls sprechen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, wird der Bundespräsident Steinmeier in diesem Zusammenhang auf den Ukraine-Krieg und die Geschichtsmanipulation durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin eingehen. Ansprechen will er auch den Druck auf die internationale Rechtsordnung, nicht zuletzt durch die US-Regierung von Präsident Donald Trump und das Erstarken von rechtem Extremismus und Nationalismus in vielen westlichen Demokratien.

Bundespräsident Steinmeier wird die Gedenkrede im Bundestag halten. (Archivbild)

Einige Kernaussagen der Rede zu 80 Jahre Kriegsende wurden bereits im Vorfeld veröffentlicht. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. „Auch heute, 80 Jahre später, gilt unser tiefer Dank den alliierten Soldaten und den europäischen Widerstandsbewegungen, die das NS-Regime unter Aufbietung aller Kräfte und mit vielen Opfern bezwungen haben. Das vergessen wir nicht! Unser Dank gilt Amerikanern, Briten, Franzosen und all denen, die mit ihnen den Kampf gegen den nationalsozialistischen Terror führten“, wird Steinmeier demnach unter anderem sagen.

„8. Mai ist als Tag der Befreiung“: Feiertag zu 80 Jahre Kriegsende

In seiner Rede zu 80 Jahre Kriegsende wird Steinmeier zudem auf die Bedrohung der Freiheit eingehen: „Der 8. Mai ist als Tag der Befreiung Kern unserer gesamtdeutschen Identität geworden. Und doch begehen wir diesen 8. Mai nicht in ruhiger Selbstgewissheit. Denn wir spüren: Freiheit ist nicht das große Finale der Geschichte. Freiheit ist nicht für alle Zeit garantiert.“ Und weiter: „Heute müssen wir nicht mehr fragen: Hat der 8. Mai uns befreit? Aber wir fragen: Wie können wir frei bleiben? Der doppelte Epochenbruch – der Angriffskrieg Russlands, der Wertebruch Amerikas – er markiert das Ende des langen 20. Jahrhunderts.“

Wie es weiter heißt, sind auch die in Deutschland vertretenen Diplomaten zu der Veranstaltung anlässlich der 80 Jahre Kriegsende eingeladen – allerdings nicht die Botschafter von Russland und Belarus. Sie sind wegen des Ukraine-Kriegs unerwünscht, obwohl die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg mit Abstand die meisten Opfer zählte.

80 Jahre Kriegsende: Linke fordern bundesweiten Feiertag

Im Land Berlin ist der 80. Jahrestag des Kriegsendes einmalig ein Feiertag. Aus Sicht der Linken sollte daraus ein bundesweiter gesetzlicher Feiertag werden, um dem Gedenken an das Ende der Nazi-Diktatur und des Zweiten Weltkriegs in Europa mehr Raum zu geben. „In vielen Ländern wird der Tag der Befreiung bereits gefeiert“, heißt es in einer Erklärung der Partei- und Fraktionsspitze der Linken. „Neben dem Tag der Einheit auch einen bundesweiten Feiertag im Zeichen der Freiheit einzuführen, hätte dabei Symbolwirkung über unsere Grenzen hinaus.“ (fbu/dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

Kommentare