Großbritannien

Zoll-Hammer aus den USA: Großbritannien versucht, die Ruhe zu bewahren

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Im Angesicht hoher US-Zölle appelliert der britische Premier an die Bevölkerung und ruft zu Pragmatismus auf. Doch eine Branche trifft die US-Politik hart.

London – Demonstrativ scharte Premierminister Keir Starmer am Donnerstagmorgen die Vertreter:innen wichtiger Export-orientierter Branchen um sich. Via TV-Kameras wandte sich der Labour-Regierungschef an die Britinnen und Briten und wiederholte die Botschaft der letzten Tage: „Wir werden pragmatisch vorgehen und sind auf alles vorbereitet.“

Natürlich werde sich das Zollpaket von US-Präsident Donald Trump auf die heimische Volkswirtschaft und den Welthandel auswirken. Auf subtile Weise appellierte der 62-Jährige zudem an den vermeintlichen Stoizismus der Bürger:innen: „Eine der großen Stärken unseres Landes ist die Fähigkeit, Ruhe zu bewahren.“

Für britische Autos wie die Luxuskarossen von Bentley gelten 25 Prozent-Zölle.

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Nicht sonderlich ruhig ging es am Mittwochabend in der Downing Street zu. Erleichtert, teilweise sogar begeistert nahm Starmers Regierungsteam die vergleichsweise schonende Behandlung durch Washington zur Kenntnis. Im Vergleich zu den einstigen EU-Partnern kam das Königreich mit zehn Prozent Handelssteuer davon. Prompt jubelten die konservativen Medien über die vermeintliche Folge des Austritts: „Brexit rettet Britannien“, behauptete der Telegraph. Nur durch den Brexit habe man „das Schlimmste vermieden“, sekundierte der Express.

Das Schlimmste vielleicht, erhebliche negative Auswirkungen aber haben die US-Zölle allemal, zumal es für die Autoindustrie bei der bereits zuvor angekündigten Strafsteuer von 25 Prozent bleibt. Der Thinktank IPPR beziffert die gefährdeten Jobs allein in dieser Branche und deren Zulieferbetrieben auf 25.000. Betroffen sind vor allem Luxusmarken wie Rolls-Royce und Bentley, aber auch die Mini-Fabrik in Oxford sowie Jaguar Land Rover.

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Der Statistikbehörde ONS zufolge verschickten britische Firmen im vergangenen Jahr Autos im Wert von neun Milliarden Pfund (10,7 Milliarden Euro) über den Großen Teich. Auch für Medikamente und Medizingeräte (6,6 Milliarden), Stromaggregate (4,6 Milliarden) sowie wissenschaftliche Messgeräte (2,4 Milliarden) ist Nordamerika ein wichtiger Absatzmarkt. Die Pharma-Giganten AstraZeneca und GSK machen 40 beziehungsweise 50 Prozent ihres Umsatzes in den USA.

Eisern bleibt Keir Starmer seiner Linie treu, wonach öffentliche Korrekturen oder gar abschätzige Bemerkungen über das Regierungshandeln der US-Administration dem nationalen Interesse abträglich wären: „Ein Handelskrieg mit den USA wäre wirklich nicht vernünftig.“ Stattdessen sollen, so Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds am Donnerstag, die Gespräche mit Washington weitergehen. Dort weisen die Briten gern darauf hin, dass die Ungleichheiten in der Handelsbilanz weniger bei Gütern als vielmehr bei Dienstleistungen bestehen. (Sebastian Borger)

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