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Manche Wirtschaftszweige in Südafrika treffen die neuen US-Zölle hart – doch man ist besser aufgestellt als noch vor einigen Jahren.
Pretoria – Überrascht ist wohl niemand in Südafrika. Zollerhöhungen, auch drastische, waren erwartet worden. Die Beziehungen zu den USA waren schon am Tiefpunkt. Auch beim Schwingen seiner Zollkeule konnte es sich US-Präsident Trump nicht verkneifen, gleich zweimal zu betonen, dass in Südafrika „schlimme Dinge geschehen“. Doch Südafrika setzt unbeirrt weiter auf Verhandlungen. Auf die Erhöhungen der Zölle auf 30 Prozent reagierte Präsident Cyril Ramaphosa mit einem kurzen Statement. Die „einseitig verhängten Strafzölle“ stellten eine besorgniserregende Barriere für „Handel und geteilten Wohlstand“ dar. Nun sei es noch dringender als zuvor, „neue bilaterale Handelsabkommen zu beiderseitigem Vorteil“ zu verhandeln.
Die USA sind nach China Südafrikas zweitgrößter Exportmarkt, mit einem Anteil von rund zehn Prozent. Mehr als die Hälfte davon sind Bergbauprodukte wie Gold und Platin, Mangan und Chrom, Stahl und Aluminium. Da die USA auf einige dieser Rohstoffe angewiesen sind, gelten teils Ausnahmen. Das dämpft den Schock für die schwächelnde Wirtschaft mit einer Arbeitslosigkeit von über 30 Prozent etwas.
Hohe US-Zölle gegen Südafrika: Manche Branchen sind hart getroffen
Während Ramaphosa weiter auf eine jedenfalls äußerlich gelassene Diplomatie setzt, sind andere alarmiert. „Ich bin ein Farmer in Citrusdal und hier herrscht Panik, weil es um unsere Lebensgrundlage geht“, sagte Gerrit van der Merwe, Vorsitzender des Verbands der Zitrusbauern. Neun Prozent der Produktion würden in die USA exportiert. Das klinge nach nicht viel, aber die Existenz von kleineren Orten hingen davon ab.
Ähnlich kommentiert die südafrikanische Weinindustrie die Zollerhöhungen. Zwar liegen die landwirtschaftlichen Exporte in die USA insgesamt nur bei vier Prozent, aber 40 Prozent davon waren bislang zollfrei und hatten vom Agoa-Handelsabkommen (African Growth and Opportunities Act) profitiert. Noch wichtiger ist dieses Abkommen für die südafrikanische Automobilindustrie, für die die US-Zölle auf 25 Prozent angehoben wurden. Die Branche ist ein bedeutender Arbeitgeber.
Diplomatie gegen drohende Krise: Delegation soll mit Washington Zölle verhandeln
Zehn Prozent der in Südafrika gefertigten Fahrzeuge gehen in die USA. Das entspreche nicht mal einem Prozent der US-Autoimporte, rechnet das südafrikanische Wirtschaftsministerium vor, insofern könne nicht mit einer „Gefahr für die US-Industrie“ argumentiert werden. Eine Delegation soll nach Washington fahren und versuchen, eine „potenziell negative Wirkung auf Südafrikas Wirtschaft“ zu vermeiden.
Ganz sei das nicht möglich, so der Ökonom Johann Els. Aber Südafrika könne den Schock besser verkraften als während Trumps erster Amtszeit. Die Wirtschaft sei etwas stärker, die Stromkrise entschärft, die Währung stabiler und das Ende von Agoa habe der Markt eingepreist. (Leonie March)
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