VonFelix Busjaegerschließen
Lange Zeit galten Russland und China als enge Verbündete. Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen des Westens könnten die Beziehung der Länder nun verändern.
Washington/Peking – An Tag 22 des Ukraine-Kriegs ist die Lage in Osteuropa weiterhin unverändert: Während Millionen Geflüchtete versuchen, den Kämpfen zu entkommen, nimmt das russische Militär weiter die Städte ins Visier und führt Angriffe durch. In der Nacht zu Freitag, den 18. März, soll es zudem erneut in der westlichen Ukraine zu Luftschlägen gekommen sein. Auch wenn die Kämpfe weiter die Schrecken des Kriegs zeigen, halten es Experten für möglich, dass der Krieg in der Ukraine in weniger als zehn Tagen enden könnte. Der Grund: Russlands Truppen sollen sich inzwischen an ihrer Belastungsgrenze befinden.
Ukraine News: Wladimir Putin und Russland sind im Ukraine-Krieg an der Belastungsgrenze
Auch wenn Wladimir Putin, der auch als Kalter Krieger bezeichnet wird, weitere Soldaten gegen die Ukraine mobilisieren wollte, scheint dies wohl kaum noch möglich zu sein. Wolfgang Richter, Oberst a.D. und Wissenschaftler der Stiftung Wissenschaft und Politik, sagte gegenüber kreiszeitung.de: „Russlands Bodentruppen sind schon jetzt strategisch überdehnt. Die einzige Möglichkeit ist es jetzt, den militärischen Druck vor Ort zu erhöhen, um bessere Verhandlungsbedingungen zu schaffen.“ Dennoch: Wladimir Putin hat durch seine Invasion der Ukraine offenbar noch nicht seine Ziele erreicht. Die Kämpfe gehen weiter – Häuserkämpfe in Kiew schließt der Experte allerdings eher aus.
Während weiter unklar ist, welche Verbündeten Putin im Ukraine-Krieg, in dem auch vor Chemiewaffen gewarnt wird, noch hat und wer ihn bei den Kämpfen in der Ukraine unterstützt, bemüht sich China, möglichst eine neutrale Rolle im gegenwärtigen Konflikt einzunehmen. Das jüngste Gerücht, Russland hätte Peking um die Lieferung von Waffen gebeten, wurde in China schnell dementiert. Es seien Falschinformationen, hieß es in einem Statement der Parteiführung. Die betonte Neutralität Pekings gegenüber Moskau mag überraschen: Russland und China seien strategische Partner, immer wieder wird durch Vertreter beider Länder eine enge Freundschaft betont.
Ukraine News: So eng ist die Freundschaft zwischen Russland und China
Wie eng diese Freundschaft zwischen Russland und China offenbar ist, zeigte sich vor knapp drei Wochen. Während andere Länder die russische Invasion der Ukraine verurteilten, kamen aus Peking andere Töne. Zwar sprach sich Botschafter Zhang Jun ebenfalls für eine diplomatische Lösung des Ukraine-Kriegs aus, allerdings war das chinesische Außenministerium der Nato vor, der eigentlich Aggressor im Konflikt zu sein. Inzwischen scheint die chinesische Regierung von dieser absoluten Meinung zurückgetreten zu sein, allerdings verbindet Russland und Peking auch weiterhin viel.
Die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern ist nicht von der Hand zu weisen: Beide Präsidenten, Wladimir Putin und Xi Jinping, gelten in ihren Ländern als starke Autokraten, die jeglicher Opposition den Nährboden nehmen. Wie brutal auch teilweise gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen wird, zeigen Bilder von den jüngsten Protesten in Russland gegen den Krieg in der Ukraine. Wie unter anderem das ZDF schreibt, haben die beiden Länder seit Jahren ihre Zusammenarbeit auf militärischem, wirtschaftlichem Gebiet und im finanziellen Sektor verstärkt.
Ukraine-Krieg führt zu Rissen in der Freundschaft zwischen Russland und China
Dass eine Freundschaft zwischen Ländern nicht gegen mögliche Risse gefeit ist, zeigte sich allerdings vor einigen Tagen, als China im Zuge des Ukraine-Kriegs, in dem aus das Asow-Bataillon eingesetzt wird, deutlich machte, dass es keine notwendigen Teile für russische Luftfahrzeuge liefern werde. Darüber hatte unter anderem auch n-tv berichtet. Bei dem Vorfall ging es allerdings nicht um militärische Güter: Vielmehr hatte die russische Luftfahrtbehörde den für die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit von Flugzeugen zuständigen Waleri Kudinow entlassen, nachdem er erklärt hatte, dass Russland mögliche Teile über die Türkei oder Indien beziehen wolle.
Dieser Schritt sei notwendig gewesen, weil wohl Bemühungen gegenüber China gescheitert waren. Die russische Zeitung „Kommersant“ und die Nachrichtenagentur Reuters hatten ebenfalls über den Vorfall berichtet.
Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg: China fürchtet Auswirkungen auf eigene Wirtschaft
Diese mögliche Abkehr von Moskau könnte darin begründet sein, dass China wegen der geltenden Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg Repressalien befürchtet. Vor dem Ukraine-Krieg, der sich inzwischen verschärfen könnte, sah dies noch anders aus: Wie tagesschau.de in einem Beitrag berichtet, erklärte der Außenpolitikexperte Zhao Tong vom Carnegie Center in China, dass vieles, was China an hoch entwickelter Verteidigungs-Ausrüstung besitze, aus Russland stamme. „Es besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern im Verteidigungsbereich“, wird er in dem Beitrag zitiert.
Auch wenn China sich derzeit verhalten gegenüber Russland zeigt, legte die US-Regierung nun noch einmal nach und warnte Peking davor, Russland im Krieg gegen die Ukraine mit militärischer Ausrüstung zu unterstützen. US-Außenminister Antony Blinken deutete in diesem Zusammenhang am vergangenen Donnerstag sogar mögliche Sanktionen an. China habe eine Verantwortung, seinen Einfluss auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu nutzen, um für ein Ende des Kriegs und die Einhaltung internationaler Normen zu werben, so Blinken.
Biden sucht wegen Russland das Gespräch mit Xi Jinping
In den USA gibt es weiter die Sorge, dass Peking trotz einer offiziell neutralen Haltung gegenüber Russland, den russischen Angriff auf die Ukraine nicht verurteile und deshalb Putin direkt Unterstützung zusprechen könnte. Um Blinkens Aussage Nachdruck zu verleihen, ist am Freitag ein Gespräch zwischen Präsident Joe Biden und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping geplant. In dem Gespräch soll deutlich gemacht werden, dass China für jegliche Unterstützung Russlands die Verantwortung tragen werde, heißt es.
Die Androhung von wirtschaftlichen Folgen könnte in Peking aufhorchen lassen: Sollte China von Strafmaßnahmen betroffen sein, könnten diese gravierende Auswirkung auf chinesische Firmen haben. Denn der Westen, also EU und die USA, sind für die Volksrepublik deutlich wichtigere Handelspartner als Russland. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
