Der Milliardär Bidsina Iwanischwili hat die Partei Georgischer Traum gegründet, die seit 2012 regiert und für einen nationalkonservativen Kurs sowie eine Abkehr vom Westen steht.
Die Südkaukasusrepublik hat bei der Georgien-Wahl auch über den EU-Kurs des Landes abgestimmt. Um das Ergebnis gibt es Streit – und zahlreiche Vorwürfe.
Update vom 27. Oktober, 17.15 Uhr: Nach der Georgien-Wahl und dem umstrittenen Ergebnis will das Oppositionsbündnis wegen des Verdachts auf Wahlfälschungen seine Mandate nicht antreten. „Wir werden dem Stimmendiebstahl am georgischen Volk keine Legitimität verleihen, wir geben unsere Parlamentsmandate ab“, sagte Nana Malaschchia von der Koalition für Wandel laut Medienberichten in Tiflis (Tbilissi). Ihre Gruppierung hat laut vorläufiger Zählung der Wahlkommission mit elf Prozent unter den Oppositionsbündnissen am besten abgeschnitten. Den Sieg sieht die Wahlleitung bei der Regierungspartei Georgischer Traum mit mehr als 53 Prozent.
Spannungen wegen Ergebnis der Georgien-Wahl: Verdacht auf Wahlfälschung
Erstmeldung: Tiflis – Nach dem vermeintlichen Ergebnis der Georgien-Wahl bleibt die Stimmung in der Südkaukasusrepublik aufgeheizt. Die Wahlkommission hat offiziell den Sieg der Regierungspartei bei der Parlamentswahl erklärt. Doch die Rechtmäßigkeit des Ausgangs der sogenannten Schicksalswahl wird nicht nur von der Opposition angezweifelt. Beobachter mehrerer Nichtregierungsorganisationen beklagten massive Wahlrechtsverstöße. Und auch internationale Wahlbeobachter zeigten sich wegen der zahlreichen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl in Georgien besorgt.
Ergebnis der Georgien-Wahl sorgt für Streit – Georgischer Traum wird Wahlsieger
Bereits kurz nach dem Ende der Georgien-Wahl hatte die bisherige Regierungspartei „Georgischer Traum“ den Ausgang der Parlamentswahl gefeiert. Auch der ungarische Regierungschef Viktor Orbán hatte am Wahlabend der Partei zum Walsieg gratuliert, noch bevor die Wahlkommission erste Ergebnisse veröffentlicht hatte. „Gratulation für Regierungschef Irakli Kobachidse von der Partei Georgischer Traum“, schrieb Orban im Kurznachrichtendienst X. Die Partei habe einen überwältigenden Sieg hingelegt bei der Abstimmung. „Die Menschen in #Georgien wissen, was das Beste für ihr Land ist, und sie haben sich heute Gehör verschafft!“
Am Ende hat die Wahlkommission die Vermutungen dann ebenfalls bestätigt und das Ergebnis der Georgien-Wahl vorgestellt. Die nationalkonservative Partei Georgischer Traum des Milliardärs Bidsina Iwanischwili kam nach Auszählung fast aller Wahlzettel auf 54,09 Prozent der Stimmen, wie Wahlleiter Giorgi Kalandarischwili in der Hauptstadt Tiflis mitteilte. Nach Auszählung der Stimmen aus 99,6 Prozent der Wahlbezirke fehlten noch einige aus dem Ausland, sagte er am Sonntagmorgen.
Zweifel am Ergebnis der Georgien-Wahl –Beobachter sehen zahlreiche Verstöße
Die Wahlbeteiligung bei der Georgien-Wahl lag bei etwa 60 Prozent. So hoch lag sie zuletzt bei der Parlamentswahl im Jahr 2012, als der „Georgische Traum“ die Vereinte Nationale Bewegung (UNM) des damaligen Präsidenten Michail Saakaschwili von der Macht ablöste. Doch offenbar gab es bei der Wahl in Georgien zahlreiche Verstöße, die die Glaubwürdigkeit des Ergebnisses anzweifeln lassen. Die Vereinigung junger georgischer Anwälte Gyla registrierte laut einer Mitteilung zahlreiche Fälle, in denen Personen mehrfach abstimmten. Wahlbeobachter seien zudem bei ihrer Arbeit behindert worden, teilte Gyla mit.
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
Andere Nichtregierungsorganisationen teilten mit, die Ergebnisse der Georgien-Wahl spiegelten nicht den Wählerwillen wider. Die in verschiedenen Bündnissen angetretene proeuropäische Opposition erkannte die vorläufigen Ergebnisse nicht an. Präsidentin Salome Surabischwili, die auf Seiten der Opposition steht, schrieb bereits am Wahlabend auf X: „Das europäische Georgien gewinnt mit 52 %, trotz Wahlfälschungsversuchen und ohne Stimmen aus der Diaspora.“
Nach der Wahl in Georgien: Ergebnis sorgt weiter für Streit – Zukunft ungewiss
Nach der Wahl in Georgien spricht die Opposition nach dem Ergebnis von „Machtmissbrauch“ und „Staatsstreich“. Die Wahlleitung habe den schmutzigen Befehl des Milliardärs Bidsina Iwanischwili ausgeführt, sagte die Chefin der proeuropäischen Oppositionspartei „Vereinte Nationale Bewegung“. „Die Wahlen sind der Opposition gestohlen worden. Dies ist ein verfassungsrechtlicher Staatsstreich und ein Missbrauch der Macht“, sagte der Politiker Nika Gwaramia.
Der georgische Regierungschef Irakli Kobachidse hat indes Vorwürfe einer Wahlfälschung beim Ergebnis der Georgien-Wahl zurückgewiesen. Jede Anschuldigung, dass die Wahl im Zuge der elektrischen Stimmauszählung manipuliert worden sei, sei zum Scheitern verurteilt, sagte Kobachidse. „Unser Sieg ist offensichtlich“, sagte er. Der Ausgang der Wahl in Georgien wurde bereits im Vorfeld als richtungsweisend für das Land gesehen. Der Westen befürchtete eine weitere Annäherung an Wladimir Putin. Nach dem jetzigen Ergebnis der Georgien-Wahl und der neuen Unruhe im Land könnte sich die Lage nun weiter verschärfen. (fbu/dpa)