Genau hinschauen

Gebrauchtes Elektroauto: Worauf Käufer achten müssen, um keine böse Überraschung zu erleben

  • schließen

Das Angebot an gebrauchten Elektroautos wächst – sie sind eine günstigere Alternative zu Neuwagen. Doch beim Kauf sollte man einige Dinge beachten.

Verbrenner oder Elektroauto? Viele Menschen, die ein neues Auto brauchen, stehen vor dieser Frage. Für viele ist nach wie vor die Reichweite der Stromer ein Thema, wobei diese in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Aber auch andere Punkte wie etwa die Ladeinfrastruktur und die Ladedauer spielen eine Rolle. Ein ganz entscheidender Faktor ist aber für viele der Preis: Noch immer sind E-Neuwagen sehr teuer. Inzwischen kann man sich aber auch einmal nach einem gebrauchten Stromer umschauen. Dabei sollte man jedoch einige Dinge beachten.

Günstige Einsteiger-Elektroautos lassen noch auf sich warten

Zwar haben einige Autobauer günstige Einstiegsmodelle angekündigt, wie beispielsweise Tesla oder auch Volkswagen mit dem ID.2all – doch bis diese auf den Markt kommen, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Laut ADAC wächst allerdings das Angebot an gebrauchten Elektroautos. Fahrzeuge, wie beispielsweise der VW ID.3, der Opel Corsa-e, der elektrische Fiat 500 oder das Tesla Model 3 verkauften sich als Neuwagen relativ gut – und kommen nun in relevanter Stückzahl auf den Gebrauchtwagenmarkt.

Mit einem gebrauchten Elektroauto lässt sich Geld sparen – man sollte beim Kauf aber einige Dinge beachten. (Symbolbild)

Bremsencheck bei gebrauchten E-Autos besonders wichtig

Besonders die Bremsen sollten laut dem Auto Club Europa (ACE) bei gebrauchten Elektroautos genau unter die Lupe genommen werden. Der Grund: Elektroautos bremsen größtenteils mit den Motoren. Zwar verschleißt die Bremsanlage dadurch weniger, wird aber in vielen Fällen auch zu wenig beansprucht – und das wiederum kann dann zu Schäden führen, die einen frühzeitigen Austausch nach sich ziehen. Empfohlen wird deshalb ein Gebrauchtwagengutachten, das von den verschiedenen Prüforganisationen wie beispielsweise TÜV, Dekra oder GTÜ angeboten wird. Die Kosten dafür liegen laut dem Automobilclub bei etwa 100 Euro.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter.

Gebrauchtes Elektroauto: Gesundheitszustand der Batterie prüfen lassen

Wer beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos, die Gefahr einer bösen finanziellen Überraschung vermeiden möchte, sollte vom Verkäufer unbedingt ein Zertifikat über Gesundheitszustand der Batterie („State of health“ , abgekürzt: SOH) anfordern, wenn ein Batteriecheck nicht ohnehin schon Teil eines Gebrauchtwagengutachtens war. Liegt der SOH beispielsweise nur noch bei 80 Prozent, dann bedeutet das, dass die Batterie nur noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität bietet – entsprechende verringert sich auch die Reichweite. Von den Prüforganisationen werden auch spezielle Batterie-Checks angeboten.

Der ACE weist auch darauf hin, dass bei vielen Elektroautos, die vor 2021 verkauft wurden, der Akku nicht immer inklusive war, sondern nur vom Hersteller gemietet. In so einem Fall muss entweder der Mietvertrag übernommen oder aber der Akku für einen Restwert beim Hersteller abgelöst werden – diese Kosten addieren sich dann zum Kaufpreis.

Das sind die zehn meistgebauten Elektroautos Europas

Ein Renault Zoe
Platz 10 – Renault Zoe: Der französische Stromer ist inzwischen schon etwas in die Jahre gekommen, dennoch gehört der Renault Zoe auch im Jahr 2022 noch zu den meistproduzierten Elektroautos Europas. © Renault
Ein Audi e-tron
Platz 9 – Audi e-tron: Der erste reine Stromer von Audi gehört auch 2022 zu den meistgebauten E-Autos in Europa. Das Foto zeigt die Sportback-Variante. © Audi
Mehrere Tesla Model Y in Grünheide
Platz 8 – Tesla Model Y: Für den europäischen Markt wird das Tesla Model Y in der Gigafactory in Grünheide bei Berlin gebaut – und es reicht für den achten Platz im Produktions-Ranking. © IMAGO/Jochen Eckel
Ein Audi Q4
Platz 7 – Audi Q4: Ein weiterer Audi gehört zu den meistproduzierten E-Autos Europas: Der Q4 wird wie einige weitere Stromer des VW-Konzerns in Zwickau gefertigt. © Audi
Ein Hyundai Kona
Platz 6 – Hyundai Kona: Ein Koreaner hat es ebenfalls unter die zehn meistproduzierten E-Autos Europas geschafft – der Hyundai Kona wird im tschechischen Hyundai-Werk in Nosovice gebaut. © Hyundai
Ein Peugeot e-208
Platz 5 – Peugeot e-208: Mit dem Peugeot e-208 hat es ein Fahrzeug aus dem Stellantis-Konzern auf den fünften Platz geschafft. © Peugeot
Ein Skoda Enyaq
Platz 4 – Skoda Enyaq: 50.765 Einheiten des Skoda Enyaq verließen im Jahr 2022 das Werk in Tschechien – das reicht für den vierten Platz im europäischen Elektroauto-Produktionsranking. Das Foto zeigt die RS-Version des Stromers. © Skoda
Ein VW ID.3
Platz 3 – VW ID.3: Die Elektro-Kompaktlimousine VW ID.3 wird in Zwickau gebaut – 52.229 Exemplare rollten im Jahr 2022 dort vom Band. © Volkswagen
Ein VW ID.4
Platz 2 – VW ID.4: Auch den zweiten Platz belegt ein Volkswagen – der ebenfalls in Zwickau produzierte ID.4 wurde 63.685 Mal gebaut. © Volkswagen
Ein Fiat 500e
Platz 1 – Fiat 500e: 66.325 Exemplare des italienischen Stromers liefen 2022 in Mirafiori vom Band – damit war er das meistgebaute E-Auto Europas. © Fiat

Garantien und Gewährleistungen genau prüfen

Wie der ADAC rät, sollte man den Verkäufer oder Vorbesitzer nach Batterieschäden oder -reparaturen fragen – und diese Informationen auch im Kaufvertrag festhalten. Ebenso empfiehlt der Automobilclub, festzuhalten, welche Ladekabel oder sonstiges Zubehör zum Fahrzeug gehören, und in welchem Zustand sich diese befinden. Bei der Hauptuntersuchung (HU) stellt ein fehlendes oder defektes Ladekabel einen sogenannten erheblichen Mangel dar und führt zur Verweigerung der Plakette.

Wichtig ist auch, sich detailliert über die verschiedenen Garantien und Gewährleistungen zu informieren. Bei einem jungen E-Auto kann man auch bei einem Gebrauchtwagen noch von der freiwilligen Herstellergarantie profitieren – allerdings ist diese laut ACE oft an bestimmte Bedingungen geknüpft. Der Rat lautet deshalb: Sich vom Autoverkäufer oder von der -verkäuferin schriftlich exakt bestätigen lassen, dass die Herstellergarantie übertragen wird und alle Garantiebedingungen des Herstellers bis zum Zeitpunkt des Verkaufs eingehalten wurden. Der Automobilclub empfiehlt, einen gebrauchten Stromer am besten beim Händler zu kaufen – und nicht von privat. Sollten sich Mängel zeigen, sind die Ansprüche deutlich schwerer geltend zu machen als bei einem gewerblichen Händler.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

Kommentare