Ältere Menschen gesünder, jüngere Menschen kränker: Was hinter dieser Entwicklung steckt
VonAnna Katharina Küsters
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Besonders Menschen, die zwischen 1950 und 1960 geboren wurden, haben gute Chancen, ein langes und gesundes Leben zu führen.
Weniger körperliche Arbeit, kürzere Arbeitszeiten, bessere medizinische Versorgung, bessere Ernährung: Es gibt viele Gründe, weswegen Menschen heute deutlich länger und gesünder leben als noch vor 80 Jahren. Eine Forschungsgruppe an der Medizinischen Hochschule Hannover schaut sich an, wie sich die besseren Umstände auf die Bevölkerung und ihre Lebenserwartung auswirken. Jüngere Menschen kommen dabei schlechter weg als ältere Generationen.
Herz-Kreislauf-Krankheiten gehen in bestimmten Fällen zurück
Wie fit und gesund ist Deutschlands Bevölkerung? Dieser Frage widmet sich das Projekt „Morbiditätskompression und ihre Alternativen“ der Medizinischen Hochschule Hannover in Kooperation mit der Krankenkasse AOK Niedersachsen. Morbiditätskompression beschreibt den Fall, dass sowohl Krankheiten als auch Behinderungen im Leben eines Menschen seltener und erst später auftreten. Das Gegenteil davon ist die sogenannte Morbiditätsexpansion. Dann erkranken Menschen durchschnittlich früher in ihrem Leben und sind damit länger eingeschränkt und hilfsbedürftig.
Die Gruppe um Dr. Siegfried Geyer untersucht bereits seit 2014 diesen Themenkomplex und wertet dabei unter anderem die Ergebnisse verschiedener Studien aus. Im Fokus steht dabei vor allem der Zeitraum von 2005 bis 2019. Dabei stellten die Forschenden besonders für Menschen, die zwischen 1950 und 1960 geboren wurden, erfreuliche Dinge fest:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen nahmen in dieser Gruppe ab oder betrafen Menschen erst in späteren Lebensjahren als zuvor
Bei Männern ging die Anzahl an Schlaganfällen und Lungenkrebs zurück.
Demenzerkrankungen nahmen ab oder traten erst später auf
Ganz anders sehe es jedoch bei einer bestimmten Krankheit aus: Diabetes mellitus Typ 2. Von ihr seien alle Altersgruppen gleichermaßen mehr betroffen als früher. Das größte Problem dabei sei jedoch, dass gerade jüngeren Menschen immer häufiger daran erkranken. Das bedeute zum einen, dass die Personen eine deutlich längere Zeit krank seien und zum anderen das Risiko für Begleiterkrankungen steige. Hier lasse sich also von einer Morbiditätsexpansion sprechen.
Auch der Blick auf das stetig steigende Gewicht der Bevölkerung besorgt die Forschenden. Adipositas verbreite sich immer mehr, besonders unter jungen Menschen. Starkes Übergewicht kann wiederum andere Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Das führe letztlich zu einer noch stärkeren Morbditätsexpansion, besonders unter jungen Leuten.
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Verantwortlich für diesen Anstieg macht Dr. Geyer unter anderem die mangelnde Bewegung im Alltag vieler Menschen. Der Großteil der Beschäftigten sitze den meisten Teil des Tages und mache zu wenig Sport. Kombiniert mit kalorienreicher und zuckerhaltiger Nahrung verschlechtere das die Gesundheit besonders jüngerer Menschen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.