VonAdrian Kilbschließen
Sich im Alter freiwillig etwas hinzuverdienen, kann sich für Rentner durch die Aktivrente steuerlich auszahlen. Bestimmte Senioren bleiben aber auf der Strecke.
Mit der geplanten Aktivrente sollen Rentner künftig bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei zur Rente hinzuverdienen dürfen. Damit will die Bundesregierung unter Friedrich Merz (CDU) Senioren der Verbleib im Erwerbsleben und einen späteren Eintritt in den kompletten Ruhestand schmackhaft machen und ein Zeichen gegen den Fachkräftemangel setzen. Der frühere Eintritt in den Ruhestand, auch durch Zutun des Arbeitgebers, hingegen gilt immer mehr als Auslaufmodell – der Deutsche Gewerkschaftsbund bezeichnet die Frühverrentung als „wirtschaftlich komplett irre“.
Rund 230.000 Beschäftigte sollen von der Aktivrente profitieren, indem ihnen mehr Netto vom Brutto bleibt. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgerechnet. Darunter seien vor allem Menschen mit ohnehin schon hohem Einkommen – was auf Kritik stößt.
„Entlastet vor allem Besserverdienende“: Forscher kritisieren Aktivrente
Wer im Alter weiterarbeitet, bringt jahrzehntelange Lebens- und Berufserfahrung in den Arbeitsmarkt ein. Rund 313.000 Menschen ab 66 Jahren haben sich im Jahr 2022 laut Sozio-ökonomischem Panel (SOEP) dazu entschlossen und waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die meisten davon arbeiten in Teilzeit. Dazu kommen etwa 645.000 Personen mit Minijob sowie 272.000 Selbstständige informiert das Rentenportal IhreVorsorge.
Besonders oft waren sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Rentenalter in der höchsten Einkommensgruppe zu finden, so die Forscher. „Da geringfügig Beschäftigte nicht von der Steuervergünstigung profitieren, entlastet die Aktivrente vor allem Besserverdienende“, heißt es in der DIW-Studie weiter. Die Aktivrente könnte sich als Renten-Schreck entpuppen – mit Nachteilen für bestimmte Personengruppen. Im Klartext: Wer wie Minijobber keine Lohnsteuer zahlt, profitiert bei der Aktivrente auch nicht vom Steuerbonus.
DIW erklärt: Warum die Aktivrente großen „sozialen Sprengstoff“ birgt
Die Aktivrente sei verteilungspolitisch sehr fragwürdig. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht länger arbeiten kann, schaut in die Röhre – und bleibt von der Neuregelung ausgeschlossen. Vor allem gut qualifizierte Rentner mit hohem Einkommen dürften profitieren, so die Einschätzung des DIW. Für sie sind bis 24.000 Euro Einkommen steuerfrei möglich.
„Das birgt sozialen Sprengstoff – vor allem, wenn ältere Beschäftigte steuerlich stark begünstigt werden, während jüngere Erwerbstätige weiterhin voll belastet bleiben“, warnt Stefan Bach, Leiter der DIW-Studie.
Zudem weist der gelernte Volkswirt darauf hin, dass die Aktivrente aus rechtlichen und tatsächlichen Gleichbehandlungsgründen auch Selbstständigen offenstehen müsse – was bislang nicht im Koalitionsvertrag vorgesehen ist. „Das erhöht dann aber die Mitnahmeeffekte, da Selbstständige häufiger bis ins hohe Alter weiterarbeiten.“ Es würden also Rentner steuerlich begünstigt werden, die auch ohne den staatlichen Anreiz weiter gearbeitet hätten.
Was der Merz-Regierung die Aktivrente zunächst kostet
Generell rechnet sich die geplante Aktivrente für die Merz-Regierung erst, wenn 75.000 zusätzliche Rentner erwerbstätig werden würden. Bei mehr 150.000 Ruheständlern mehr als bisher, die weiterarbeiten, könnten dem Staat sogar einen Überschuss von bis zu 1,8 Milliarden Euro bescheren. Zunächst drohen aber Mindereinnahmen durch Steuerausfälle von rund 770 Millionen im Jahr. Bundesarbeitsministern Bärbel Bas (SPD) muss also für das Projekt noch ordentlich die Werbetrommel rühren, damit es für beide Seiten ein finanzieller Erfolg wird.
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