Die Discount-Kette Aldi Süd will mit einem eigenen Lieferservice Einkäufe bis vor die Haustür bringen. Doch das Angebot bringt auch Probleme mit sich.
Kassel – Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs von einem Lieferdienst bis vor die Haustür liefern zu lassen, war vor allem in der Corona-Pandemie für viele Menschen das Mittel der Wahl, um ihre Einkäufe zu erledigen. Der Trend zum Onlinekauf ist seitdem ungebrochen. Schon bald müssen sich auch Kunden der Discount-Kette Aldi Süd nicht mehr mit schweren Lebensmitteltüten herumplagen. Zumindest, wenn es nach den Plänen der Handelskette geht. So plant Aldi noch in diesem Jahr die Einführung eines Lieferservices, der künftig Kunden ihre Ware direkt bis nach Hause liefern soll. Das berichtete der Südkurier.
Das Vorbild kommt auch hier aus den USA. Dort ist Aldi bereits in den boomenden Onlinelebensmittelhandel eingestiegen. In Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Start-up Instacart ermöglicht der Discounter US-Kunden das Bestellen im Internet sowie die Lieferung von Aldi-Artikeln in die heimischen vier Wände, wie das Manager Magazin berichtet. Dabei kooperiert Aldi mit der Lieferplattform Doordash, das US-Gegenstück zu dem deutschen Anbieter Lieferando. Der geplante Aldi-Lieferdienst für Lebensmittel könnte Informationen des Handelsblattes zufolge bereits im ersten Halbjahr 2023 anlaufen. Doch macht die geplante Onlineplattform des Discounters das Einkaufen wirklich einfacher?
Aldi bietet mit dem Lieferservice der Einkäufe bis vor die Haustür einige Annehmlichkeiten
Ein vom Nachrichtenportal Welt in den USA durchgeführter Praxistest hinterlässt zumindest einen gemischten Eindruck. Zwölf Produkte aus verschiedenen Kategorien wie Obst, Gemüse, Haushaltsartikel und Kühlwaren wurden dafür im virtuellen Warenkorb verstaut. Während bei einigen Artikeln die Vorteile der Online-Bestellung überwogen, traten bei anderen Produkten jedoch Probleme auf. Positiv fielen im Test laut Welt vor allem der digitale Bestellvorgang auf, dessen Bedienung „kinderleicht“ von der Hand geht. So ist es beim Vorbild aus den USA möglich, über eine Eingabemaske bestimmte Produkte zu suchen oder sich über Listen zu bestimmten Kategorien inspirieren zu lassen.
Nutzer haben dabei die Wahl zwischen mehr als 200 verschiedenen Fisch- und Fleischprodukten, über 400 Snacks sowie rund 650 Haushaltsartikel. Den Zwischenstand der Bestellung mitsamt Kosten und Liefergebühren hat der Kunde dabei stets im Blick. Auch der Lieferprozess fiel im Praxistest überwiegend positiv auf. So lässt sich der Standort des Lieferanten in Echtzeit nachverfolgen, detaillierte Anweisungen wie das Abstellen des Pakets vor der Haustür, die Anweisung zu klingeln oder dies zu unterlassen sind möglich. Auch der Preis lag inklusive Servicegebühr demnach nur wenig höher als der reguläre Einkauf im Markt. Allerdings offenbarte der Testkauf auch Schattenseiten des Systems.
| Unternehmen | Aldi |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1961 |
| Gründer | Karl Albrecht, Theo Albrecht |
| Hauptsitz | Essen |
| Umsatz | 121,1 Milliarden USD (2021) |
Aldi: Sortimentsauswahl bei Lieferservice gestaltet sich unnötig kompliziert
So hatte der Einkauf von der Bestellung bis zur Lieferung vor die Haustür über eine Stunde gedauert. Zudem waren im Test die Hälfte der bestellten Artikel nicht vorrätig, darunter auch Standardartikel wie Brot oder Zahnpasta. Um den Onlinekunden bei nicht vorrätigen Produkten Alternativen anbieten zu können, behilft sich Aldi mit einem komplizierten System. So meldete sich beim Testeinkauf ein Lieferbote via Telefon und fragt nach, welche Produkte stattdessen in den Warenkorb gepackt werden sollen. Per App werden Fotos an den Kunden geschickt, per Telefon können Kunden dann angeben, ob und welche Produkte alternativ geliefert werden sollen. Gerade bei Großeinkäufen kann dies einigen Aufwand bedeuten, da für sämtliche nicht vorrätigen Produkte erst einmal eine Alternative gefunden werden muss.
E-Commerce-Experte Alexander Graf gab gegenüber Welt an, dass ein Grund für die genannten Probleme unter anderem sei, dass die Lieferanten in Discountern wie Aldi in den USA oder auch Penny in Deutschland die bestellten Produkte erst zusammensuchen müssten. Also im Grunde für den Kunden einkaufen gehen. Dabei könne es passieren, dass Produkte fehlen oder der Lieferant das gewünschte Produkt im Sortiment nicht findet.
„Fehlende Produkte oder Ersatzlieferungen sind Kinderkrankheiten, die Kunden und Anbieter zunächst akzeptieren“, so Graf. Eine Alternative wären seiner Meinung nach allerdings große Zentrallager, die teils automatisiert eine ganze Stadt beliefern könnten. Vor den dafür notwendigen Anlaufinvestitionen schrecke Aldi Süd derzeit allerdings zurück. Bei einem bereits etablierten Internetriesen läuft es hingegen aktuell umgekehrt. Während Aldi künftig im Onlinehandel Fuß fassen möchte, will Amazon 2023 mehr Supermärkte eröffnen. (Niklas Müller)
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