VonArmin T. Linderschließen
Kurz vor Weihnachten ging es bei Lidl wohl alles andere als besinnlich zu. Grund war ein Prospekt-Angebot. Die Erfahrungsberichte fallen extrem aus.
München - Lidl springt gerne mal auf Hype-Züge auf. Das zeigte sich kürzlich bei der Dubai-Schokolade, die zum Vehikel wurde für eine Gewinnspiel-Aktion – was für eine lange Schlange und entsprechend PR sorgte. Zum Montag (16.12.) hatte der Discounter das süße Produkt dann auch tatsächlich im Prospekt. Doch nicht das sorgt für Mega-Wirbel, sondern ein anderer begehrter Artikel.
Lidl hat Stanley Cups im Prospekt – doch nicht alle sind erfolgreich
Die Rede ist von Stanley Cups: Die Thermo-Becher mit Henkel und Trinkhalm finden manche überschätzt und überteuert, zudem gab es unlängst einen großen Rückruf von Stanley Cups. Andere schwören darauf. Die wurden bei einem Angebot hellhörig: Ab 19.12. sollten die Stanley Cups bei Lidl laut Prospekt nur 34,99 Euro kosten, bei einer UVP von 49,99 Euro. Grund genug für manchen, zu Lidl zu rennen, um sich selbst oder seine Lieben mit einem Exemplar zu beschenken.
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Doch viele schauten in die Röhre. Oder wie ein Nutzer bei BlueSky es zusammenfasst: „Es gab übrigens heute Morgen nicht genug Stanley Cups im Lidl. Ich sag euch das hier, weil viele von euch ja nicht auf TikTok sind und somit nicht den Hauch einer Ahnung haben, welche Dramen sich heute Morgen in den Gewerbegebieten dieser Republik abgespielt haben.“
„Es gab nicht einen einzigen, nicht einen“: Lidl-Kundin geht leer aus
Ist das übertrieben? Zugespitzt? Nicht so wirklich, wenn man sich bei TikTok umsieht. „Ich bin so traurig“, schreibt etwa die Nutzerin „Jilrock“ und schildert ihre Negativ-Erfahrung in einem eineinhalbminütigen Video. „Lidl hat uns einfach hopsgenommen, ich bin ein bisschen schockiert“, meint sie. Am Vorabend sei sie leer ausgegangen, am Morgen um 6.40 Uhr auch. Sie sei die Erste im Laden gewesen und habe gehört, alles sei ausverkauft, sie hätte früher kommen sollen. „Wie früher, hätte ich einbrechen sollen?“ Ihr Vorwurf: „Es gab nicht einen einzigen, nicht einen.“
In einer Stellungnahme auf Anfrage von IPPEN.MEDIA am Freitag verweist Lidl auf eine unerwartet hohe Nachfrage. Der Discounter schreibt: „Um unseren Kunden eine attraktive Auswahl an Artikeln zu bieten, ergänzen wir das Dauersortiment aus Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs regelmäßig mit Aktionsprodukten. Für jede Aktion bestimmen wir den zu erwartenden Bedarf der jeweiligen Produkte auf Grundlage zahlreicher Faktoren wie beispielsweise unserer Erfahrungswerte aus vergleichbaren früheren Aktionen. Aufgrund einer unerwartet hohen Nachfrage kann es sein, dass einzelne Artikel bereits im Laufe des ersten Angebotstages in vielen Filialen und Online ausverkauft sind.“ Dies sei der Fall beim „Tumbler ‚Quencher H2.0 Flowstate™‘, 1,18 l“ von Stanley.
@jilrock Ich bin so traurig 😭 @Lidl in Deutschland #fyp #lidl #stanleycup #stanley #christmas #xmas #fyy #fypppppppppppppppppppppp #foryoupage❤️❤️ #fory #foru #goviral #hahaha #influencer #tik_tok ♬ Originalton - Jil-Béatrice Rock
Nicht nur dieser Lidl-Kundin ging es so, wie die Kommentare zeigen: „Bei uns genau dasselbe, war auch um 6.30 Uhr da. Habe überlegt, es der Verbraucherzentrale zu melden.“ Eine weitere Nutzerin war erfolgreich: „Ich war um 6.55 Uhr bei Lidl. Die hatten vier (!!!) Stück! Gar nicht mal so viele. Ich bin also eine glückliche von vier.“ Eine Userin behauptet, sie arbeite bei Lidl, und man habe nur sechs Exemplare erhalten. Eine andere hält eh nicht so viel von dem Produkt: „Das wird zugeteilt. Mein Verlobter arbeitet dort. Die hatten auch nur 4-5 und da hat sich keiner was weggenommen. Übrigens trinkt man aus den Dupes genauso gut und viel, man braucht keinen Stanley.“
Lidl-Kundin klappert drei Märkte ab und bekommt keinen Stanley Cup
Und es gibt noch viele, viele weitere Videos. „Lidl, ich bin ja nicht oft enttäuscht, aber heute bin ich enttäuscht. Was ist da los?“, spricht eine Kundin in die Kamera. Es sei kurz nach 7, sie stehe schon am dritten Markt. Die beiden ersten Filialen hätten den Aussagen zufolge keine Stanley Cups bekommen. „Und der dritte Markt sagt natürlich um 7.17 Uhr: ‚Es ist alles ausverkauft, wir hatten einen Run.‘“
Ein anderer Lidl-Kunde erklärt, rund 20 Personen seien vorm Discounter gestanden, als dieser um 6.58 Uhr geöffnet habe. „Alle sind gerannt, alle rennen zur linken Seite, und ich bin als einziger auf der rechten Seite gewesen.“ Er habe drei Stanley-Becher gesehen und sich einen geschnappt. Ein anderes Video zeigt rennende Kunden mit dem Kommentar „Ist das noch normal?“.
„Die Leute haben quasi geschrien und gezerrt aneinander“: Extreme Erfahrungsberichte von Lidl
Auch die Nutzerin „Beautyismycrack“ hatte Glück und berichtet: „Oh mein Gott, das war heute Morgen einfach sooo heftig. Wir sind geflitzt, jeder wollte einen Stanley Cup haben. Und ich bin um 6.33 Uhr losgefahren, habe mich bei Kälte und Wind angestellt, zum Glück zu früh, denn: Um 7.01 Uhr waren einfach mal alle ausverkauft. Damit habe ich nicht gerechnet. Aber mein Lidl hatte irgendwie auch total wenige.“ Sie habe drei Farben ergattert, wenn auch nicht für sich selbst. „Die Leute haben quasi geschrien und gezerrt aneinander, jeder wollte diesen Stanley Cup haben.“ Wie alle Erfahrungsberichte ist das natürlich nicht unabhängig zu verifizieren.
@beautyismycrack Habt ihr heute morgen im Lidl noch einen bekommen? #lidl #lidllohntsich #stanleycup #stanley ♬ Originalton - beautyismycrack
Stanley-Cup-Hype sorgt für Naserümpfen: „Verstehe ich null“
So viel Stress und Aufwand für einen Thermo-Becher? Das lässt manchen die Nase rümpfen. „Alles Konsumopfer. Unnötiger Hype für 50-Euro-Becher“, „Menschen stellen sich in den Regen, um einen Thermobecher für 35 Euro zu kaufen? Ein Hype, den ich wohl einfach nicht kapieren werde“, „Toll ein Trinkbecher! Und jetzt“ und „Richtig unhandlich diese Dinger. Verstehe den Hype null“, mäkeln sie. Sagt ihnen ein kaum bekannter Spar-Trick bei Kaufland was? Es machen wohl bisher nur wenige davon Gebrauch. (lin)
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