Arbeitsministerin Bas konkretisiert Rentenpläne für Beamte: Diese Gruppe soll einzahlen
VonJulia Stanton
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Die Vorschläge für eine mögliche Rentenreform sorgen für Debatten. Nach wachsender Kritik legt die neue Arbeitsministerin ihre konkreten Vorstellungen offen.
Frankfurt — Die neue Arbeitsministerin Bärbel Bas hat eine grundlegende Reform der deutschen Rentenpolitik vorgeschlagen. Ihr zentrales Anliegen: Auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete sollen künftig verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Bisher sind sie davon ausgenommen.
„Je mehr Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, desto mehr Geld hat man für die Rentenkasse“, sagte Bas im Interview mit der Funke Mediengruppe. Ziel ist es, die Einnahmen der Rentenkasse zu erhöhen und das System angesichts des demografischen Wandels zu stabilisieren
Kritik an Bas Rentenreform: Experten warnen vor Mehrkosten in Milliardenhöhe
Der Vorstoß hat heftige Reaktionen ausgelöst. Der neue Kanzler Friedrich Merz und Kanzleramtschef Thorsten Frei lehnen die Einbeziehung von Beamten strikt ab. Sie verweisen darauf, dass dies im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen sei. Auch Experten haben sich kritisch zu dem Vorhaben geäußert. Die Aufnahme von Beamten in die gesetzliche Rente müsse gut geplant werden, sagt etwa die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Dies wäre „kein Sprint, sondern ein sehr langer Prozess, der gut geplant werden müsste.“ Österreich zeige aber, dass eine solche Reform funktionieren könne.
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Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt derweil, dass die Umsetzung der Reform jährlich mehrere Milliarden Euro kosten könnte. „Unklar bliebe dann, ob sich Staat und Beamte, wie auch bei den Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst, die Kosten teilen. Weil Beamte bislang keine Beiträge zahlen, würde das de facto einer Gehaltskürzung entsprechen – es sei denn, der Staat übernimmt den vollen Betrag“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Bas konkretisiert Rentenvorschlag: „Es geht ja nicht um diejenigen, die heute schon Beamte sind“
In einem Interview mit dem Sternam Mittwoch (4. Juni) verteidigte die Bundesarbeitsministerin ihren Vorschlag: „Für mich ist perspektivisch ein gemeinsames Versicherungssystem, in das alle Erwerbstätigen einzahlen, eine Frage der Gerechtigkeit. Und wir müssen darüber sprechen, wer heute eigentlich bei Bund, Land und Kommunen noch alles verbeamtet werden muss.“
Bas zufolge gebe es in Deutschland einen zu großen Unterschied zwischen Beamten und gesetzlich versicherten Arbeitnehmern: „Die letzten Beamtenjahre entscheiden über die Höhe der Pension, während bei einem gesetzlichen Rentner das gesamte Arbeitsleben zählt.“ Sie sehe zwar ein, dass es schwierig sein könnte, ein gemeinsames Versicherungssystem zu etablieren, sehe es aber dennoch als notwendig an. Sie verdeutlichte auch, dass eine Reform nicht derzeitige Beamte, sondern kommende Beamte treffen würde: „Es geht ja nicht um diejenigen, die heute schon Beamte sind“, erklärte sie.
Wie und ob diese Vorschläge umgesetzt werden, ist derzeit noch unklar. Nächstes Jahr solle eine Rentenkommission zusammenkommen und entsprechende Vorschläge vorlegen. (jus)