Facelift vorgestellt

Audi Q8 e-tron im Test: Elektro-SUV mit 600 Kilometer Reichweite

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Mehr Reichweite, schnelleres Laden. Audi bringt den e-tron neu und benennt ihn um. Er heißt jetzt Q8 e-tron, das Spitzenmodell kostet fast 100.000 Euro.

Er sieht fast genauso aus wie vorher, aber er trägt einen anderen Namen und kommt ein Drittel weiter als sein Vorgänger. Aus dem Audi e-tron wird der Q8 e-tron. Die Namenstaufe findet ganze vier Jahre nach der Geburt statt. Schon ziemlich stiefmütterlich, weil das Elektroauto, das es als kantigen SUV und als Fließheck-Variante gibt, eigentlich ein heimlicher Star der Elektroszene ist. Alle reden über Tesla, aber auch Audi verkauft mit Elektro. Über 160.000 Exemplare sind schon zum Kunden gerollt. Und auch die bloße Ankündigung des Facelifts hat die Auftragsbücher dem Vernehmen nach schon ordentlich gefüllt. Man sollte schnell sein, wenn das Christkind oder wahlweise der Weihnachtsmann den neuen Q8 vor Weihnachten 2023 ausliefern soll.

Audi Q8 e-tron: Elektro-SUV mit 600 Kilometer Reichweite

Was ist dran am neuen Q8 e-tron? Erstens das Drum und Dran. Neuer Kühler, ein noch prägnanterer Diffusor, Air-Curtains, Typenbezeichnung im Glas der B-Säule. Und das Logo natürlich. Der Q8 e-tron bekommt als erstes Audi-Modell die neuen vier Ringe. Das Logo ist dezenter geworden, zweidimensional, kein Chrom mehr, nur Schwarz und Weiß. Vornehme Zurückhaltung. Viel spannender als das Drum und Dran ist aber das Drin. Nicht unbedingt das Interieur. Hier hat sich nichts getan. Warum auch? Das ist gediegen, wertig, konservativ, ganz Audi halt.

Der neue Audi SQ8 e-tron kommt dank der Stacking-Technik deutlich weiter als sein Vorgänger.

Was den neuen und zum Q8 geadelten E-SUV ausmacht, sind die inneren Werte. Der Akku zum Beispiel. Der ist genauso groß wie vorher, speichert aber mehr Energie durch die sogenannte Stacking-Technik. Dabei werden die Zellen gestapelt, nicht mehr gewickelt. Das führt zu einem dicken Reichweiten-Plus von 44 Prozent beim Modell mit der Einstiegsmotorisierung, dem Q8 50 e-tron, weil er bei der Netto-Kapazität, also dem nutzbaren Inhalt des Akkus von 64 auf 89 kWh zulegt. Das heißt, er kommt jetzt bis zu 505 Kilometer weit. Beim 55er- und beim S-Modell sind es ebenfalls 32 Prozent Steigerung. Beide haben nun 106 kWh im Unterboden (netto). Klarer Reichweitensieger ist der Q8 55 e-tron. Er kommt mit voller Ladung jetzt 600 Kilometer weit. Das S-Modell nur 513. Warum der große Unterschied? Hier gilt dieselbe Gleichung wie bei Verbrennern. Leistung kostet Energie. Das S-Modell verfügt über die schiere Gewalt von 370 kW, das sind 70 mehr als beim 55er, und sogar 120 mehr als beim Einstiegsmodell.

Audi Q8-etron: Elektro-SUV lädt mit bis zu 170 kW

Reichweite ist das ein – Aufladen, der andere Knackpunkt bei der Elektromobilität. Hier versprechen viele Hersteller das Blaue vom Himmel. Vor allem, was die Ladegeschwindigkeit angeht. 120, 150, 170 kW – wer bietet mehr? Das alles sind Spitzenwerte, vergleichbar mit der Höchstgeschwindigkeit. Das Auto packt zwar 250 Sachen, aber wie lange hält man dieses Tempo? Das trifft auch auf die sogenannten S.O.C. zu. Der State of Charge ist eine Kurve, die den Ladeverlauf aufzeigt. Um die Zellchemie zu schonen, werden Batterien vereinfacht gesagt erst stark geladen, dann wird die Stromzufuhr immer schwächer.

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Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Beim Q8 55 e-tron, dem mit Abstand am meisten verkaufen Modell der Familie, steigt der Ladestrom auf bis zu 170 kW an, dann fällt er relativ schnell auf 100 kW bei etwa 80 Prozent. Und dann stürzt die Ladekurve erst so richtig ab. Das ist auch der Grund, warum Hersteller immer gerne angeben, wie schnell sich so ein Elektroauto von 10 oder 20 auf 80 Prozent auflädt. Das hört sich dann logischerweise gut an. Beim Q8 55 e-tron sind es 26 respektive 31 Minuten. Um die restlichen 20 Prozent der Batterie aufzuladen, braucht es dann schon etwas mehr Sitzfleisch. Für längere Fahrten taugt dieses System jedoch ganz ordentlich.

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Audi Q8 e-tron: Kein Wanken kein Nicken

Zur Testfahrt. Rein theoretisch müsste man jetzt nicht unbedingt viele Worte verlieren über das Facelift. Schließlich sind auch die Kernwerte bei PS und Beschleunigung (fast) gleichgeblieben. Wenn da das Wörtchen „wenn“ nicht wäre. Denn Audi wäre nicht Audi, wenn man nicht akribisch noch am Fahrwerk gefeilt hätte. Das gehört ja zum einen zur Ur-DNA der Ingolstädter – und wird im Elektro-Zeitalter, in dem Leistung im Überfluss vorhanden ist, immer wichtiger als Unterscheidungskriterium. Das Fahrwerk eines Autos ist eine Wissenschaft für sich. Gerade bei den Quattro-Erfindern von Audi. Hier wirken so viele Komponenten zusammen, das ist verschärftes Tetris für Ingenieure.

Audi hat das Fahrwerk des Q8 e-tron weiter optimiert. Getreu dem Slogan: Vorsprung durch Technink.

Wie ist die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse? Wann werden die Zugkräfte der Dämpfer aktiviert. Wie kriegt man das Nicken der Karosserie beim scharfen Bremsen in den Griff? Was ist mit den Wankkräften, die in den Kurven seitlich gewaltig am Auto zerren? Wanken ist nicht nur beim Alkoholgenuss ein böser Fehler, auch im Fahrzeugbau. Letzter Ausflug in die Technikecke: Hier fließen so viele Parameter zusammen, dass eine eigene zentrale Recheneinheit die Flut der Daten verarbeiten muss – und vor allem deren Ausspielung. Kleines Beispiel: Schon wenn die Kurve angefahren wird, verfügt der Computer über die wichtigsten Daten und kann der Hinterachse frühzeitig melden, wie sie die Dämpfer verstellen muss, um optimal aus der Kurve zu kommen.

Audi SQ8 e-tron: In 4,5 Sekunden auf Tempo 100

Otto Normalfahrer wird das nur am Rande interessieren. Wichtiger ist, wie sich das Auto anfühlt. Und da hat der Q8 e-tron einen gewaltigen Sprung gemacht. So exakt wie sich der rund 2,5 Tonnen schwere Koloss um die Kurve zirkeln lässt, das ist schon Maßarbeit. Die Karosserie neigt sich auch in den engsten Kurven nicht merklich zur Seite. Und beim Tritt auf das Gaspedal schwingt das Heck dynamisch um die eigene Achse. Der Q8 e-tron lässt sich fast so leichtfüßig fahren wie ein Sportwagen, völlig mühelos und losgelöst schwebt das Elektroschiff durch die Landschaft.

Man fragt sich, was da noch besser werden kann. An der Spitze rangiert natürlich der SQ 8. Er hat wie seine Brüder einen Motor auf der Vorderachse, aber hinten statt einem sogar zwei Aggregate. Das heißt, in der Spitze treiben bis zu 503 PS an, mit der Wucht von 973 Nm Drehmoment. Macht 4,5 Sekunden von null auf 100. Eine Wuchtbrumme lernt fliegen. Unterstützt vom sogenannten Torque Vectoring, das in den Kurven die Kraft innerhalb von fünf Millisekunden zwischen den einzelnen Rädern der Hinterachse verteilt.

Audi Q8 e-tron: Einstiegsmodell für 74.400 Euro

Das alles hat natürlich seinen Preis. Der SQ8 e-tron startet bei knapp 96.000 Euro, beim Sportback muss man noch mal knapp 3.000 Euro drauflegen. Für 74.400 Euro günstiger bekommt man das Einstiegsmodell, der Audi Q8 55 e-tron kostet etwa 10.000 Euro mehr. Unser Fazit zum Neuen: Schon der alte e-tron war ein ordentlicher Stromer, der Q8 e-tron setzt bei Reichweite und Ladezeit noch einmal einen drauf und tritt endgültig den Beweis der Langstreckentauglichkeit an. Das Fahrwerk ist, man kann es nicht anders sagen, ein Genuss. Deshalb würden wir den alten Audi-Spruch „Vorsprung durch Technik“ mit „Vorsprung durch Fahrwerk“ ersetzen. Rudolf Bögel

Rubriklistenbild: © sagmeister_potography/Audi

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