High machend oder gar giftig? Wie Baldrian auf Katzen wirkt
VonKirsten Lemke
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Baldriankissen sind beliebte Spielzeuge für Katzen. Kein Wunder – schließlich scheinen die Samtpfoten beim Geruch von Baldrian in eine Art Rausch zu verfallen. Doch ist das wirklich unbedenklich?
Beim Geruch von Baldrian gibt es für viele Katzen kein Halten mehr. Selbst gemütliche Stubentiger drehen auf und werden richtig munter. Oder genau das Gegenteil passiert: Die Katze entspannt sichtlich und ist regelrecht beseelt. Warum ist das so?
Baldrian kann auch aggressiv machen
Xenia Dirksen ist Tierheilpraktikerin und Expertin für Katzenpsychologie und -gesundheit. Sie bietet unter anderem Verhaltensberatung an und erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA, warum viele Katzen so sehr auf Baldrian abfahren: „Katzen haben hinter den Schneidezähnen eine kleine Drüse, das ist der Eingang zum sogenannten Jacobson‘schen Organ. Wenn sie an einem Baldriankissen riechen, nehmen sie den pheromonähnlichen Wirkstoff Actinidin auf, der darin enthalten ist.“
Was dann passiert, ist von Katze zu Katze unterschiedlich: „Manche Katzen flehmen, speicheln und reiben ihre Wangen und ihr Kinn daran – denn dort sitzen die Pheromondrüsen der Katze. Andere rollen auf dem Spielzeug herum und treteln mit den Hinterpfoten dagegen. Manche Katzen werden aber auch aggressiv“, sagt die Expertin und rät: „Deshalb sollte man Baldrianspielzeug immer mit Sicherheitsabstand zu anderen Katzen verteilen.“
Nicht jede Katze reagiert auf Baldrian
Baldrian wirkt vor allem auf geschlechtsreife Katzen attraktiv – auch wenn sie kastriert sind. Generell läuft die Kommunikation in der Katzensprache verstärkt über Gerüche. Doch nicht alle Katzen reagieren darauf. „In einer Studie aus den USA mit 100 untersuchten Katzen haben nur 50 Prozent auf Baldrian reagiert“, so Dirksen. Auf Katzenminze hingegen würden etwa drei Viertel der Katzen reagieren. „Der darin enthaltene Wirkstoff spricht Katzen mehr an – und das Aggressionspotenzial ist nicht so hoch wie bei Baldrian.“ Übrigens können Katzenhalter den Besuch beim Tierarzt mit ansprechenden Düften für ihre Samtpfote angenehmer gestalten.
Vorsicht bei Kräutermischungen
Ob Baldrian die Katze nun aufputscht oder beruhigt, sei letztendlich typabhängig. Im Internet werden auch spezielle Kräutermischungen mit Baldrian als Futterzusatz angeboten, die für Entspannung bei der Samtpfote sorgen sollen. Xenia Dirksen mahnt jedoch zur Vorsicht: „Kräutermischungen für Katzen sehe ich generell kritisch. Katzen haben einen karnivoren Stoffwechsel. Sie können viele Pflanzenstoffe gar nicht verstoffwechseln. Deshalb sind auch so viele Pflanzen für Katzen giftig.“
Insbesondere bei ätherischen Ölen sei Vorsicht geboten: „Man sollte immer prüfen, ob ein Produkt auch wirklich für Katzen geeignet ist“, macht die Katzenexpertin nochmals deutlich. Wer es ganz genau wissen will, kann das auf der Webseite des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich nachschauen. Bei Baldrian müssen Katzenbesitzer sich aber keine Sorgen machen – auch wenn die Katze etwas davon frisst. Bis zu zwei Messerspitzen Baldrianwurzel pro Woche seien unbedenklich.
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Besonders Wohnungskatzen tue man mit dem Baldrianrausch einen Gefallen, meint Dirksen. „Das ist eine super Möglichkeit, um die natürliche Duftwelt der Katze zu bedienen und bietet Abwechslung im Alltag.“ Der Geruchssinn von Katzen ist nämlich extrem gut ausgeprägt. Allerdings sollte das Spielzeug nicht dauerhaft in der Wohnung herumliegen. „Dann verliert es seinen Effekt, weil die Katze sich daran gewöhnt.“ Wenn die Katze es nur ein bis zwei Mal pro Woche zum Spielen bekommt, bleibt es etwas Besonderes. Welche Pflanzen außerdem wie Drogen auf Katzen wirken, erfahren Sie in diesem Artikel.
Zum Schluss hat Dirksen noch einen Spartipp für alle Katzenbesitzer: Statt extra Katzenspielzeug mit Baldrian zu kaufen, könne man auch bereits vorhandenes Spielzeug, zum Beispiel Stoffmäuse, zusammen mit Baldrian-Teebeuteln in eine verschließbare Plastikbox legen. „Das funktioniert wirklich gut und hält sehr lange“, verrät die Tierheilpraktikerin und Expertin für Katzenpsychologie und -gesundheit.