Katzenverhalten

High machend oder gar giftig? Wie Baldrian auf Katzen wirkt

  • schließen

Baldriankissen sind beliebte Spielzeuge für Katzen. Kein Wunder – schließlich scheinen die Samtpfoten beim Geruch von Baldrian in eine Art Rausch zu verfallen. Doch ist das wirklich unbedenklich?

Beim Geruch von Baldrian gibt es für viele Katzen kein Halten mehr. Selbst gemütliche Stubentiger drehen auf und werden richtig munter. Oder genau das Gegenteil passiert: Die Katze entspannt sichtlich und ist regelrecht beseelt. Warum ist das so?

Baldrian kann auch aggressiv machen

Xenia Dirksen ist Tierheilpraktikerin und Expertin für Katzenpsychologie und -gesundheit. Sie bietet unter anderem Verhaltensberatung an und erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA, warum viele Katzen so sehr auf Baldrian abfahren: „Katzen haben hinter den Schneidezähnen eine kleine Drüse, das ist der Eingang zum sogenannten Jacobson‘schen Organ. Wenn sie an einem Baldriankissen riechen, nehmen sie den pheromonähnlichen Wirkstoff Actinidin auf, der darin enthalten ist.“

Was dann passiert, ist von Katze zu Katze unterschiedlich: „Manche Katzen flehmen, speicheln und reiben ihre Wangen und ihr Kinn daran – denn dort sitzen die Pheromondrüsen der Katze. Andere rollen auf dem Spielzeug herum und treteln mit den Hinterpfoten dagegen. Manche Katzen werden aber auch aggressiv“, sagt die Expertin und rät: „Deshalb sollte man Baldrianspielzeug immer mit Sicherheitsabstand zu anderen Katzen verteilen.“

Nicht jede Katze reagiert auf Baldrian

Baldrian wirkt vor allem auf geschlechtsreife Katzen attraktiv – auch wenn sie kastriert sind. Generell läuft die Kommunikation in der Katzensprache verstärkt über Gerüche. Doch nicht alle Katzen reagieren darauf. „In einer Studie aus den USA mit 100 untersuchten Katzen haben nur 50 Prozent auf Baldrian reagiert“, so Dirksen. Auf Katzenminze hingegen würden etwa drei Viertel der Katzen reagieren. „Der darin enthaltene Wirkstoff spricht Katzen mehr an – und das Aggressionspotenzial ist nicht so hoch wie bei Baldrian.“ Übrigens können Katzenhalter den Besuch beim Tierarzt mit ansprechenden Düften für ihre Samtpfote angenehmer gestalten.

Vorsicht bei Kräutermischungen

Ob Baldrian die Katze nun aufputscht oder beruhigt, sei letztendlich typabhängig. Im Internet werden auch spezielle Kräutermischungen mit Baldrian als Futterzusatz angeboten, die für Entspannung bei der Samtpfote sorgen sollen. Xenia Dirksen mahnt jedoch zur Vorsicht: „Kräutermischungen für Katzen sehe ich generell kritisch. Katzen haben einen karnivoren Stoffwechsel. Sie können viele Pflanzenstoffe gar nicht verstoffwechseln. Deshalb sind auch so viele Pflanzen für Katzen giftig.“

Noch mehr spannende Tier-Themen finden Sie im kostenlosen Newsletter von Landtiere.de, den Sie gleich hier abonnieren können.

Insbesondere bei ätherischen Ölen sei Vorsicht geboten: „Man sollte immer prüfen, ob ein Produkt auch wirklich für Katzen geeignet ist“, macht die Katzenexpertin nochmals deutlich. Wer es ganz genau wissen will, kann das auf der Webseite des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich nachschauen. Bei Baldrian müssen Katzenbesitzer sich aber keine Sorgen machen – auch wenn die Katze etwas davon frisst. Bis zu zwei Messerspitzen Baldrianwurzel pro Woche seien unbedenklich.

Zehn No-Gos von Katzen: auf dem Arm getragen werden, laute Geräusche & Co.

Eine schlafende Katze.
Auch wenn sie dabei besonders niedlich und hübsch aussehen, hassen es Katzen, beim Schlafen gestört zu werden. Sie benötigen täglich ausreichend Schlaf, um mit ihrer Energie zu haushalten sowie zur Kontrolle des Stoffwechsels. Genauso wenig schätzen die Stubentiger es im Übrigen, wenn man sie beim Fressen stört. © VWPics/Imago
Eine Katze – man sieht nur ihre Beine – sitzt vor zwei aufeinandergestapelten Mandarinen.
Katzen haben ein feines Näschen und können manche beißenden oder stechenden Gerüche nicht ausstehen. Dazu gehören ätherische Öle, der Geruch bestimmter Lebensmittel oder manche Küchendüfte. Zitrusaromen, Kaffeesatz, Bananenschalen, Zwiebeln, Knoblauch und Essig schlagen manche Katzen direkt in die Flucht. Auch einige Zimmerpflanzen, Blumen oder die ätherischen Düfte von Tannennadeln empfinden Katzen als extrem unangenehm. Der Vorteil: Die meisten der verhassten Pflanzen könnten bei Verzehr giftig sein. Menschengemachte Gerüche wie Haushaltsreiniger und Parfums sind für Katzen überwiegend zu stark und werden daher als störend empfunden. © Pond5 Images/Imago
Ein Babykätzchen versteckt sich.
Neben ihrem feinen Näschen besitzen Katzen auch ein extrem empfindliches Gehör. Damit reagieren sie auf Veränderungen in ihrer Umgebung. Wird es um sie herum plötzlich laut, können sie nicht zuordnen, weshalb das passiert. Aus diesem Grund ertragen sie keine lauten Geräusche – sogar Streit kann für sie zur Belastung werden. © Panthermedia/Imago
Eine Katze kuschelt sich an eine Frau, die gerade Yoga macht.
Streicheln, kuscheln, anfassen – für Katzen ist das nicht immer ein Genuss. Erfahrene Katzenbesitzer wissen, dass die Stubentiger hin und wieder empfindlich auf Berührungen reagieren können. Lassen Sie die Mieze ihre eigenen Regeln machen und warten Sie am besten darauf, dass sie zu Ihnen kommt. Streicht sie um Ihre Beine oder stupst Sie mit dem Näschen an, möchte sie gestreichelt werden. © Zoonar/Imago
Eine Katze sitzt vor einer geschlossenen Holztüre.
Katzen mögen keine Frustration. Dazu gehören nicht nur verschlossene Türen, sondern auch Spiele, bei denen sie nicht gewinnen können. Bleibt die Belohnung aus oder wird der Jagdtrieb nicht befriedigt, ist es mit der guten Laune vorbei. Verschlossene Türen hingegen widersprechen der neugierigen Natur von Katzen. Hören sie dann auch noch Geräusche dahinter, wie beispielsweise von ihren Besitzern, kann der Katzenjammer schnell groß werden. © Danita Delimont/Imago
Ein Katzenbaby und ein Entenbaby beschnuppern sich.
Die meisten Katzenbesitzer meinen es gut, wenn sie ihren Tieren tief in die Augen blicken. Was sie dabei nicht wissen, ist, dass Katzen das Angestarrt werden als Bedrohung wahrnehmen. Aus Sicht einer Katze ist es höflich, sie nur kurz anzuschauen. Geheimtipp: Möchten Sie Ihrem Liebling sagen, dass Sie ihn lieben, blinzeln Sie ihn langsam, aber kurz an. © Image Source/Imago
Zwei schwarze Katzen beäugen einen Saugroboter misstrauisch.
Katzen können Staubsauger nicht ausstehen. Sie empfinden ihn nicht nur als zu laut, sondern auch als unberechenbar. Kein Wunder: Er bewegt sich durch das ganze Haus und damit, ohne zu fragen, durch ihr Revier. Er reinigt ihre Lieblingsplätze, aus ihrer Sicht, ohne Grund. Nur wirklich gelassene Artgenossen ertragen den saugenden Mitbewohner. © Westend61/Imago
Eine Katze sitzt mit großen Augen auf einem Menschenarm.
Eine Sache, die fast alle Katzenbesitzer tun, die jedoch für die meisten Katzen ein Graus ist: Die geliebten Haustiere hochheben und sie auf dem Arm tragen. Die gelassenen Exemplare lassen die Tortur über sich ergehen, viele wehren sich jedoch vehement dagegen. Der Grund ist eigentlich offensichtlich. Oftmals werden Katzen in dieser Position dazu gezwungen, ihren empfindlichen Bauch zu präsentieren. Sie sind dann verletzlich und empfinden das Getragen werden als unangenehm. © blickwinkel/Imago
Einer Katze wird ein Duschkopf über ihren Kopf gehalten.
Es stimmt, dass viele Katzen wasserscheu sind. Baden ist für diese Tiere aber nicht nur eine reine Qual, sondern in den meisten Fällen auch unnötig. Genauso verhält es sich, wenn ein verärgerter Nachbar den Wasserschlauch auf die Stubentiger hält. Allerdings ist es möglich, junge Kätzchen frühzeitig an Wasser zu gewöhnen. Ob Baden dann notwendig ist, sollten sich Katzenhalter dennoch gut überlegen, denn für gewöhnlich halten sich die Tiere selbst am besten sauber. In Ausnahmefällen wie Verletzungen oder Alterserscheinungen kann ein Bad jedoch eine sinnvolle Ausnahme darstellen. © YAY Images/Imago
Eine Katze leckt ihre Pfoten mit der Zunge.
Katzen sind sehr reinlich und mögen es auch in ihrer Umgebung am liebsten sauber und gepflegt. Altes Futter oder ein schmutziges Katzenklo können die Samtpfoten daher gar nicht leiden. Taucht in der Katzentoilette also ein Häufchen auf, entfernen Sie es besser und stellen damit sicher, dass Ihre Katze auch beim nächsten Bedürfnis ihr Klo und keinen anderen Ort in der Wohnung wählt. © YAY Images/Imago

Baldrianspielzeug muss etwas Besonderes bleiben

Besonders Wohnungskatzen tue man mit dem Baldrianrausch einen Gefallen, meint Dirksen. „Das ist eine super Möglichkeit, um die natürliche Duftwelt der Katze zu bedienen und bietet Abwechslung im Alltag.“ Der Geruchssinn von Katzen ist nämlich extrem gut ausgeprägt. Allerdings sollte das Spielzeug nicht dauerhaft in der Wohnung herumliegen. „Dann verliert es seinen Effekt, weil die Katze sich daran gewöhnt.“ Wenn die Katze es nur ein bis zwei Mal pro Woche zum Spielen bekommt, bleibt es etwas Besonderes. Welche Pflanzen außerdem wie Drogen auf Katzen wirken, erfahren Sie in diesem Artikel.

Zum Schluss hat Dirksen noch einen Spartipp für alle Katzenbesitzer: Statt extra Katzenspielzeug mit Baldrian zu kaufen, könne man auch bereits vorhandenes Spielzeug, zum Beispiel Stoffmäuse, zusammen mit Baldrian-Teebeuteln in eine verschließbare Plastikbox legen. „Das funktioniert wirklich gut und hält sehr lange“, verrät die Tierheilpraktikerin und Expertin für Katzenpsychologie und -gesundheit.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar

Kommentare