VonJudith Braunschließen
Laut einer britischen Studie soll eine besondere Form der Online-Therapie bei Depressionen Vorteile haben. Dabei ist sie nicht nur kostengünstiger.
Depressionen zählen laut Angaben der Deutschen Depressionshilfe zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Krankheiten. In Deutschland leiden rund elf Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer unter der psychischen Erkrankung. Im ersten Jahr der Corona-Pandemie sollen die Fälle von Depressionen und Angststörungen weltweit sogar um 25 Prozent gestiegen sein, wodurch sie sich zur Volkskrankheit entwickelten. Bis Betroffene allerdings – häufig zusätzlich zu einer Behandlung mit Antidepressiva – einen Therapieplatz erhalten, können einige Woche oder gar Monate vergehen. Nun gibt es jedoch eine gute Nachricht: Denn laut einer Studie kann eine digitale Therapie ähnlich gut wirken wie eine Behandlung vor Ort.
Bei Depressionen und Angststörungen: Digitale Therapie erzielt ähnlich gute Wirkung wie Vor-Ort-Behandlung
In ihrer im Fachmagazin Nature Mental Health veröffentlichten Studie untersuchten Wissenschaftler aus Großbritannien die Daten von 27.540 Patienten und Patientinnen, deren Hauptdiagnose Depressionen oder Angststörungen war. Diese erhielten entweder eine digitale Therapie oder eine andere Behandlungsform. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Online-Therapie für viele Faktoren vorteilhaft sein kann. So konnten die Betroffenen beispielsweise im Durchschnitt früher behandelt werden. Dadurch konnte der Behandlungszeitraum (vom Zeitpunkt der Überweisung bis zum Therapieerfolg) verkürzt werden. Dies kommt vor allem Personen mit schweren Depressionen zugute, da hier eine schnelle Behandlung ausschlaggebend ist.
Zudem konnten die Forscher auch ökonomische Vorteile der internetbasierten Therapieform ausmachen. Sie berechneten die Kosten mit gesundheitsökonomischen Modellen im Zusammenhang mit verschiedenen Schweregraden der Erkrankungen. So gibt es drei wichtige Kostenfaktoren: die Zeit von der Überweisung bis zum Abschluss der Behandlung, die Wirksamkeit der Behandlung sowie die mit der Behandlung verbundenen Kosten. Es zeigte sich, dass die Kosten bei Online-Therapien geringer ausfielen.
Studie zur Online-Therapie von Depressionen nur eingeschränkt auf Deutschland übertragbar
Da in der britischen Studie allerdings eine besondere Form der Internet-Therapie angewandt wurde, sind die Ergebnisse laut Prof. Philipp Klein vom Zentrum für Integrative Psychiatrie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, nicht vollständig auf Deutschland übertragbar. Es handelte sich in der Untersuchung um eine Chat-Therapie, bei der – wie bei einer Psychotherapie im persönlichen Kontakt –, feste Sitzungen verabredet werden, die dann via Chat stattfinden. „Derartige Angebote gibt es im deutschen Gesundheitssystem nicht“, sagt Klein auf Nachfrage des Science Media Center (SMC).
In Deutschland hingegen werden sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) angeboten sowie eine Videosprechstunde, bei der man Psychotherapiesitzungen über das Internet macht. Dabei vermittelt ein Computerprogramm die therapeutischen Inhalte, zum Beispiel in simulierten Dialogen. Die Wirksamkeit von DiGAs bei Depressionen und Angststörungen wurde bereits in zahlreichen Studien belegt. „Allerdings ist noch unklar, ob sie auch kosteneffektiv sind. Leider werden DiGAs bislang noch viel zu wenig genutzt.“
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