„Länder könnten von Ruanda lernen“

Studie liefert beklemmende Ergebnisse: 90 Prozent mehr Krebs-Tote

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Eine aktuelle Studie zeigt globale Unterschiede bei Krebserkrankungen auf - und ihre Verbreitung bis 2050 (Symbolbild)
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Die Überlebenschancen bei Krebs hängen stark von Wohnort und Wohlstand ab. Eine Studie sorgt für beunruhigende Prognosen bis 2050.

Hamm – Unser Geburtsort bestimmt viele Aspekte unseres Lebens, einschließlich Bildung, Karriere und Zugang zur Gesundheitsversorgung. Eine aktuelle Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Queensland in Australien hat nun aufgezeigt, dass auch die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Krebs stark vom Wohnort abhängt.

90 Prozent mehr Krebs-Tote: Studie liefert beklemmende Ergebnisse

Die Studie liefert alarmierende Ergebnisse über den Zusammenhang zwischen Wohlstand und Krebsentstehung. Die Forscher prognostizieren, dass es bis 2050 weltweit 35,3 Millionen Krebsfälle geben wird. Dies entspricht „einem Anstieg von 76,6 Prozent gegenüber der Schätzung von 20 Millionen im Jahr 2022“. Darüber hinaus wird die Anzahl der Krebstoten bis 2050 auf 18,5 Millionen ansteigen, was fast 90 Prozent mehr ist als ursprünglich 2022 angenommen.

Über die Studie

Die Studie „Global Disparities of Cancer and Its Projected Burden in 2050“ (zu Deutsch: „Globale Ungleichheiten bei Krebserkrankungen und deren voraussichtliche Belastung im Jahr 2050“) der Autoren Habtamu Mellie Bizuayehu, Kedir Y. Ahmed, Getiye Dejenu Kibret et al. erschien am 5. November im wissenschaftlichen Fachblatt Jama Network.

Die Studie zeigt auch, dass Ungleichheiten in Bezug auf geografische Region, Alter, Geschlecht und den Human Development Index (HDI) bestehen. Der HDI misst die Entwicklung eines Landes basierend auf Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard. In Ländern mit niedrigem HDI erwarten die australischen Forscher bis 2050 eine Verdreifachung der Krebsfälle und Krebstoten. In Ländern mit höherem Wohlstandsindex ist der Anstieg hingegen „moderat“.

Krebsfälle bis 2050 Krebstote bis 2050
Länder mit niedrigem Wohlstandsindex (HDI)plus 142,1 Prozentplus 146,1 Prozent
Länder mit hohem Wohlstandsindex (HDI)plus 41,7 Prozent plus 56,8 Prozent

Die Studie enthüllt auch, dass Männer bereits heute häufiger an Krebs erkranken als Frauen, und diese Kluft wird sich bis 2050 voraussichtlich noch weiter vergrößern. Bei Männern wird ein Anstieg der Krebserkrankungen um 84,3 Prozent im Vergleich zu 2022 erwartet, während die Krebsrate bei Frauen auf 68,5 Prozent steigen soll. Dies entspricht einem Unterschied von 15,8 Prozentpunkten. Pro hundert Frauen und Männer würde es dann 16 zusätzliche Krebsfälle bei Männern geben. Die Studie weist darauf hin, dass der höhere Krebsanteil bei Männern nicht nur durch biologische Unterschiede erklärt werden kann, sondern auch durch den Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen und das Gesundheitsverhalten.

Männer konsumieren beispielsweise häufiger Alkohol und Tabak und nutzen seltener Vorsorgeuntersuchungen als Frauen. Die Forscher betonen daher die Notwendigkeit, die Gesundheitskompetenz bei Männern zu verbessern. Sie kritisieren jedoch auch das mangelnde Angebot an Vorsorgeprogrammen für Männer: „Während frauenspezifische Krebsvorsorgeprogramme wie Brust- und Gebärmutterhalskrebs den Frauen zugutekommen, fehlt es an vergleichbaren Programmen für männerspezifische Krebsarten wie Prostata- und Hodenkrebs“.

Wichtiger Indikator für Sterbichkeitsrate bei Krebs

Die Forscher untersuchten 36 Krebsarten aus 185 Ländern für ihre Studie. Ein wichtiger Indikator für die Aggressivität einer Krebsart ist der „Mortality to Incidence Ratio“ (MIR), der das Verhältnis zwischen den Menschen, die an einer Krankheit erkranken, und denen, die daran sterben, angibt. Je höher der MIR, desto höher die Sterblichkeit. Der höchste MIR wurde bei Bauchspeicheldrüsenkrebs (89,4 Prozent) und der niedrigste bei Schilddrüsenkrebs (4,8 Prozent) festgestellt. Es zeigte sich erneut ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern. Aber auch der Wohlstandsindex und das Alter spielten eine Rolle bei der Frage, wer eine Krebserkrankung überlebt und wer nicht.

GruppeMIR (je höher, desto höher die Sterblichkeit)
Männer51,7 Prozent
Frauen41,3 Prozent
Menschen bis 19 Jahre38,3 Prozent
Menschen zwischen 20 und 39 Jahren28,2 Prozent
Menschen ab 79 Jahre64,3 Prozent
Länder mit niedrigem Wohlstandsindex (HDI)69,9 Prozent
Länder mit hohem Wohlstandsindex (HDI)33,6 Prozent

Die Krebsforschung macht stetige Fortschritte, um die Erkrankung früher zu erkennen und besser behandeln zu können. Allerdings profitieren nicht alle Menschen gleichermaßen davon. Die Studie weist auf große regionale Unterschiede hin, die auf eine schlechtere Verfügbarkeit von Präventions- und Früherkennungsmöglichkeiten hindeuten. Die Forscher fordern daher, dass die Länder ihre Gesundheitsinfrastruktur verbessern, Screening-Programme etablieren und den universellen Krankenversicherungsschutz ausbauen sollten, um die Früherkennung zu fördern.

Was Länder in der Krebsvorsorge von Ruanda lernen können

Das Beispiel Ruanda zeigt, was möglich ist: Obwohl das Land einen niedrigen Wohlstandsindex hat, sterben dort verhältnismäßig wenige Menschen an Krebs. Die Forscher führen dies auch auf den leichter zugänglichen, universellen Krankenversicherungsschutz zurück. „Länder mit niedrigem HDI könnten von Ruanda lernen, um ihre Bemühungen um eine Ausweitung des universellen Krankenversicherungsschutzes zu verbessern“, lautet das Fazit der Studie.

Jeder Einzelne kann ebenfalls dazu beitragen, das Risiko einer Krebserkrankung zu reduzieren, indem er gesunde und ausgewogene Ernährungsgewohnheiten pflegt, körperlich aktiv ist, sich impfen lässt und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrnimmt. Risikofaktoren sind Tabak- und Alkoholkonsum, Übergewicht und UV-Strahlung. Eine gesunde Ernährungsweise kann insbesondere das Krebsrisiko senken.

Während gesunde Ernährung das Krebsrisiko senken kann, gibt es jedoch auch Gerichte, die es erhöhen können. So sollten Touristen in Thailand von einer Spezialität ablassen – schon ein Bissen könnte zu Krebs führen.

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