VonVivian Wergschließen
An heißen Sommertagen ist Sonnencreme unverzichtbar. Doch die Lotion, von der man sich eigentlich Schutz verspricht, kann mitunter sogar gefährlich werden.
Kassel – Beim Strandurlaub, in den Bergen oder auch schon bei den ersten sommerlichen Temperaturen, ist Sonnencreme ein Muss. Viele haben noch angebrochene Sonnenmilch vom vergangenen Jahr in ihren Regalen stehen, die eigentlich zu voll sind, um sie zu entsorgen. Daher wird die Sonnencreme häufig noch gerne aufgebraucht, bevor neue geholt wird.
Doch das ist, wie die Apotheken-Umschau schreibt, keine gute Idee. Hersteller garantieren die Wirksamkeit der Sonnencreme bis zum angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum. Ist dieses erreicht, fällt der UV-Schutz zwar nicht sofort weg, allerdings besteht das Risiko, dass der UV-Schutz nicht mehr ausreichend gewährleistet ist. Daher raten Experten grundsätzlich dazu, eine neue Packung zu kaufen.
Potenziell gesundheitsschädliche Stoffe in Sonnencreme: Octocrylen und Benzophenon
Dass die Sonnencreme nicht mehr ausreichend schützt, liegt an dem Sauerstoff, der in bereits geöffnete Packungen gelangt. Gegenüber der Apotheken-Umschau erklärte Hautarzt Prof. Dr. Eckhard Breitbart, Experte der Deutschen Krebshilfe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), die Ursache. Folglich führen die entstandenen Oxidationen dazu, dass sich die Inhaltsstoffe verändern und damit die Schutzfunktion nicht mehr korrekt aufrechterhalten werden könne.
Besondere Vorsicht sei auch bei Produkten mit dem chemischen UV-Filter Octocrylen geboten. Wie eine im Fachjournal Chemical Research in Toxicology veröffentlichte Studie aus Frankreich zeigt, kann sich bei längerer Lagerung darin das als möglicherweise krebserregend eingestufte Molekül Benzophenon bilden.
Forscherinnen und Forscher untersuchten 17 Sonnenschutzprodukte unter dem Aspekt, wie hoch der Benzophenon-Gehalt ist. Bei 16 der getesteten Produkte fand das Forschungsteam deutlich erhöhte Benzophenon-Konzentrationen. Octocrylen und Benzophenon gelten schon seit längerem als umstritten. Benzophenon darf als UV-Filter in der Europäischen Union nur unter Beachtung eines Grenzwertes eingesetzt werden.
Um Schutz vor UV-Strahlen zu gewährleisten: Sonnencreme muss richtig gelagert
„Bislang galt der Einsatz von Octocrylen als unbedenklich, sofern bei Patienten keine Photoallergie gegen Ketotifen (ein Antiallergikum) bestand. Diese Forschungen zeigen jedoch, dass der Einsatz zu überdenken ist, da das Vorhandensein von Benzophenon nicht ausgeschlossen werden kann“, erklärt Professor Dr. med. Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der DDG.
Folglich spielt die richtige Lagerung der Sonnencreme eine entscheidende Rolle. Sonnencremes aus dem Vorjahr sollten daher besser entsorgt werden, wenn sie häufig großer Hitze ausgesetzt waren, wie beispielsweise in der Strandtasche oder im Auto – selbst, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht überschritten ist.
Sonnencreme: Das sollten Sie bei angebrochenen Tuben beachten
- Datum der erstmaligen Nutzung notieren: Um nicht den Überblick zu verlieren, wann genau man die Sonnencreme geöffnet hat, empfiehlt es sich, das Datum des Öffnens mit einem wasserfesten Stift auf die Tube zu schreiben. Eine konkrete Angabe zur Mindesthaltbarkeit findet sich seltener auf Sonnenschutz. Grund: die Kosmetikprodukte in der Europäischen Union müssen nur dann ein MHD haben, wenn sie nicht länger als 30 Monate haltbar sind, so das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.
- Viel hilft viel: Mit Sonnenschutz sollten man nicht sparsam umgehen. Experten raten, auf parfüm- und duftstofffreie Produkte zu setzen und darauf zu achten, dass sie vor UVA- und UVB-Strahlen schützen. Den versprochenen Lichtschutzfaktor leisten die Produkte nur, wenn sie ausreichend dick auf die Haut aufgetragen werden.
- Inhaltsstoffliste beachten: Wenn in der folgenden Inhaltsstoffliste „Octocrylene“ aufgelistet ist, sollten Sie ältere Sonnencreme vorsorglich nicht weiter verwenden.
- Alte Sonnencreme prüfen: Überprüfen Sie angebrochene Sonnencreme auf Geruch, Aussehen und Konsistenz. Ein ungewöhnlicher Geruch oder eine veränderte Farbe, sind wichtige Indikatoren dafür, dass die Sonnencreme nicht mehr verwendet werden sollte.
- Sonnencreme mit Naturkosmetik-Siegel: In diesen Produkten sind ausschließlich mineralische Filter wie Titanium dioxide (INCI-Bezeichnung für Titandioxid) oder Zinc Oxide (INCI-Bezeichnung für Zinkoxid) erlaubt. Diese sind chemisch stabil, sodass Sie die Sonnencreme weiterverwenden können, solange diese nicht verändert riecht oder ihre Konsistenz verändert hat.
- Quelle: Apotheken-Umschau, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
In der EU ist der UV-Filter Octocrylen zugelassen. Er wird nicht nur in einigen konventionellen Sonnencremes sondern auch in manchen Tagescremes, insbvesondere Anti-Aging-Cremes, zugesetzt.
Eine Formel hilft bei der Auswahl des richtigen Sonnenschutzes. Doch Sonnencreme allein schützt nicht vor dem Risiko einer Hautkrebserkrankung. Weitere Vorsorgemaßnahmen wie sonnenschutzgerechte Kleidung und das Meiden der Sonne, insbesondere während der Mittagszeit, sind ratsam. Waren Sie doch zu lange in der Sonne, helfen einige Maßnahmen, um einen Sonnenbrand zu lindern.
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