- VonMilea Erzingerschließen
Für Banken zählt nicht nur das Vermögen, sondern vor allem, wie viel Geld frei verfügbar ist. Ab mehreren tausenden von Euro auf dem Konto zählen Kunden als „wohlhabend“.
Eine abbezahlte Immobilie, Wertpapiere und vielleicht sogar ein schicker Oldtimer – alles beeindruckend, aber für Banken oft nebensächlich. In Deutschland wird oft darüber spekuliert, wer wann als reich gilt. Geht es nur um Einkommen oder Vermögen? Banken haben dafür ihre ganz eigenen Kriterien – und setzen den Maßstab niedriger an, als viele denken. 2025 ändern sich außerdem ein paar wichtige Dinge für Bank-Kunden.
Alt, jung – und „reich“? Wie sich Reichtum in Zahlen ausdrückt
Reichtum hat viele Gesichter. Wissenschaftler unterscheiden zwischen Einkommens- und Vermögensreichtum. Einkommensreich ist, wer monatlich mindestens 3.700 Euro netto verdient – ab 7.190 Euro gehört man sogar zum reichsten Prozent der deutschen Bevölkerung, so die ING.
Beim Vermögen gilt eine Schwelle von 477.200 Euro netto als Indikator für Wohlstand. Doch damit nicht genug: Das Alter spielt laut ING ebenfalls eine Rolle. Jüngere Menschen benötigen ein deutlich niedrigeres Vermögen, um unter den Top 10 Prozent ihrer Altersgruppe zu landen. Für über 55-Jährige liegt die Marke dagegen bei über 625.000 Euro.
Doch nicht alle diese Reichtumsmerkmale sind für Banken gleich wichtig. Sie betrachten Vermögen und Einkommen aus einer anderen Perspektive. Entscheidend ist dabei nicht, was jemand besitzt, sondern was er oder sie flüssig einsetzen kann, so „focus.de“.
Warum Wohlhabende die besseren Kunden sind
Banken teilen ihre Kundschaft in drei Kategorien, wie „focus.de“ schreibt: „Wohlhabende“ (affluent) mit einem flüssigen Vermögen ab 100.000 Euro, „Reiche“ (high-net-worth individuals) mit mindestens einer Million Euro und „Superreiche“ (ultra-high-net-worth individuals) mit mehr als 30 Millionen Euro. Bemerkenswert dabei: Nicht die Superreichen sind die Lieblingskunden der Banken, sondern die Wohlhabenden.
Warum? Ganz einfach: Superreiche benötigen oft maßgeschneiderte und damit teure Beratungsleistungen, die die Gewinne aus Provisionen schmälern. Wer hingegen hohe fünf- oder niedrige sechsstellige Summen anlegt, bringt gute Einnahmen bei vergleichsweise geringen Kosten, so „focus.de“.
Diese Kunden sind für Banken ein lukrativer „Sweetspot“ – kosteneffizient und dennoch profitabel. Der 88-jährige Mitgründer Reinhold Würth der Firma „Würth“ aus Baden-Württemberg gilt im übrigen als einer der reichsten Menschen auf der Welt.
Gebundenes Kapital? Warum Eigenheime für Banken uninteressant sind
Ein abbezahltes Eigenheim mag eine Sicherheit für die Zukunft bieten, doch für Banken ist es kaum von Interesse, so „focus.de“. Immobilien binden Kapital, das nicht investiert werden kann. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie viel Geld steht tatsächlich für Anlagen zur Verfügung?
Wer über liquide Mittel verfügt, kann diese in Aktien, Fonds oder andere Finanzprodukte investieren – und sorgt so für die Einnahmen, auf die Banken setzen.
Reichtum neu bewertet: Warum 100.000 Euro für Banken der Anfang sind
Viele Menschen fragen sich, wo sie finanziell im Vergleich zur Gesamtbevölkerung stehen. Ein realistisches Bild liefert der Median, also der Wert, der genau in der Mitte aller Einkommen liegt. Während der Durchschnittslohn in Deutschland bei etwa 4.105 Euro brutto monatlich liegt, ist der Median mit 2.109 Euro netto deutlich aussagekräftiger, erklärt die Sparkasse. Mit Online-Rechnern wie, denen des Instituts der deutschen Wirtschaft lässt sich leicht feststellen, ob das eigene Einkommen oder Vermögen im oberen Bereich liegt.
Banken haben ihre ganz eigene Sichtweise auf das Thema. Während viele Menschen Reichtum mit Luxusgütern und millionenschweren Kontoständen verbinden, sind für Finanzinstitute die „normalen Reichen“ die interessantesten Kunden, schreibt „focus.de“. Ab einem flüssigen Vermögen von 100.000 Euro lohnt sich der Aufwand, denn hier beginnt die Zone, in der Beratung und Provisionen für beide Seiten rentabel werden.
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