Online-Marktplatz kassiert ab

Billig-Shop Temu: Fallstricke bei Bestellungen – Kunden müssen aufpassen

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Temu ist ein Big-Seller im Internet. Doch jetzt häufen sich Kundenklagen. Viele wollen bestellte Waren wieder zurücksenden. Ganz so einfach ist das aber nicht.

Dublin – Der Online-Shop Temu steht in der Kritik. Das Unternehmen mit Sitz in Boston soll Produkte mangelhafter Qualität an seine Kunden verschicken. Die Beschwerden jedenfalls häufen sich. In der Temu-App finden sich kritische Stimmen. Die Käuferinnen und Käufer der Waren sprechen von „minderwertiger Qualität der Produkte“, „Rohstoffverschwendung“ und „Waren in Plastiktüten“. Bereits in der Vergangenheit fiel der Online-Händler negativ auf.

Auch Verbraucherschützer raten inzwischen vor Temu zur Vorsicht, der offensiv auf Social-Media-Kanälen wie Instagram, Youtube und TikTok für seine Billig-Produkte wirbt. Dabei hat das Shopping-Portal durchaus Erfolg mit seinem Geschäftsmodell, das Smartwatches für knapp 17 Euro, Socken im Fünferpack für rund 1,80 Euro und kleine Elektronikgeräte für circa 2,50 Euro mit dem Slogan „Shoppen wie ein Milliardär“ verkauft. Das Privatvermögen des Temu-Gründers werde jedenfalls immer größer, berichtete die Handelszeitung.ch im September dieses Jahres.

Rücksendungen beim Billig-Shop Temu sind nur bei der ersten Bestellung kostenlos

Doch schnelles Wachstum und Erfolg im E-Commerce-Business haben auch in der Regel ihre Schattenseiten. Und so manches billige Produkt kommt immer öfter beschädigt bei den Kundinnen und Kunden hierzulande an. Temu verspricht zwar nicht nur Gratisversand für alle Bestellungen, sondern obendrein noch die kostenlose Rücksendung innerhalb von 90 Tagen. Doch: Verbraucherinnen und Verbraucher, die ihre gelieferte Ware wieder zurückgeben wollen, sollten „ein paar Fallstricke kennen“, warnt chip.de jetzt.

Billig-Shop Temu: Der Online-Händler betreibt eine eigene Webseite und eine App, über die Kundinnen und Kunden die Billigwaren bestellen können. (Symbolbild)

Das müssen Temu-Kundinnen und Kunden hierzulande wissen:

  • Die Rückgabefrist von 90 Tagen gilt nur für die erste Bestellung. Kaufen Kundinnen und Kunden beispielsweise mehrere Produkte und schicken diese oder ein paar davon innerhalb der Frist zurück, zahlen sie nichts für den Rückversand.
  • Schicken Kundinnen und Kunden ihre bestellte Ware erst später aus dieser Bestellung zurück, weil ihnen zum Beispiel aufgefallen ist, dass ein Gerät nicht richtig funktioniert oder sogar kaputtgegangen ist, müssen sie für jede weitere Retoure dieser ersten Bestellung drei Euro Versandgebühr bezahlen. Das lohnt sich allerdings oftmals für gekaufte Billigprodukte im Wert von unter drei Euro nicht. Temu empfiehlt daher auf seiner Internetseite, Rücksendungen in einer einzigen Sendung zurückzuschicken, um zusätzliche Gebühren zu vermeiden. Dadurch würden auch die Umweltauswirkungen mehrerer Rücksendungen minimiert.
  • Die Temu Produkte kommen oftmals in einer mangelhaften Verpackung bei den Kundinnen und Kunden an oder sie gehen beim Öffnen leicht kaputt. Die Kundinnen und Kunden müssten dann selbst für die Kosten der Verpackung aufkommen, warnt chip.de. Daher sei ein sorgfältiges Öffnen der Waren und ihrer Verpackungen wichtig. Ratsam sei auch, die Kartons von Bestellungen aufzuheben. Sollten Waren später doch noch zurückgeschickt werden müssen.
  • Außerdem soll es oftmals für die Kundinnen und Kunden lange Wartezeiten bei der Rückerstattung der versandten Artikel geben. Der Online-Marktplatz schreibt dazu auf seinem Portal: „Abhängig von deinem Finanzinstitut kann es fünf bis 14 Werktage (bis zu 30 Tage) dauern, bis die Rückerstattung deinem ursprünglichen Zahlungskonto gutgeschrieben wird“. Kundinnen und Kunden wird daher eingeräumt, Temu-Gutschriften anstelle einer Rückerstattung zu akzeptieren. Das geht laut dem Online-Händler schneller.

Billig-Shop Temu: Nicht immer können alle Artikel einer Bestellung zurückgegeben werden

Eine Rückgabe ist jedoch nicht immer möglich. Getragene oder gewaschene Kleidungsstücke beispielsweise nimmt der Online-Marktplatz nicht wieder zurück. Wer Etiketten oder Hygieneaufkleber entfernt hat, kann die bestellte Ware ebenfalls nicht zurückgeben. Zudem schließt der Händler auch Artikel von der Rückgabe aus, die als nicht rückerstattungsfähig gekennzeichnet sind. Gleiches gilt auch für Gratisgeschenke.

Temu - Das Geschäft mit Billigprodukten

Temu ist ein Online-Marktplatz, der bereits seit Ende 2022 in den USA aktiv ist. Seit Mitte 2023 versucht das Unternehmen auch verstärkt auf dem deutschsprachigen und dem europäischen Markt, Platzhirschen wie Amazon und Shein Konkurrenz zu machen. Der Erfolg sorgte bereits für einige Nachahmer – nämlich Fake-Shops, die sich als Temu ausgeben. Gegen diese reichte Temu jüngst eine Markenrechtsklage in den USA ein.

Der Unterschied zu Amazon ist, dass Temu keine Eigenprodukte hat und eine reine Online-Plattform darstellt. Die Waren kommen direkt aus der Fabrik. Es gibt demnach keine Zwischenstationen. Die Kostenstruktur sei damit günstiger, erklärt der Digitalexperte Jörg Schieb. Das drücke den Preis. Außerdem handele es sich meist um No-Name-Produkte, so Schieb auf Tagesschau.de. Zahlreiche Hersteller der Waren haben ihren Sitz in China und setzen auf Kopien von Markenherstellern, kritisieren Verbraucherschützer, die auf versteckte Kostenfallen hinweisen. Oftmals fehle auch eine Qualitätsprüfung.

Wer dennoch von den Billigprodukten angesprochen wird, sollte bei Temu angesichts der Fallstricke nur bestellen, wenn er sein Geld nicht schnell zurück benötigt. Oftmals bestellen Kundinnen und Kunden nämlich eine große Auswahl an Artikeln, um am Ende nur die besten zu behalten und den Rest dann zurückzuschicken. Ein guter Tipp ist auch, die Ware zuvor in einem Laden auszuprobieren und sie danach im Internet zu bestellen. Im Falle von Temu ist das allerdings meist nicht möglich. (sthe)

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