„Fehlgeschmack“

Bier richtig lagern: Braumeister rät von Fehler ab

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Martin Neuhaus ist Braumeister der Hövels-Brauerei in Dortmund.
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Sollte man Bier draußen auf der Terrasse oder dem Balkon lagern? Nein. Bier-Experten verraten die häufigsten Fehler – und was man tun sollte.

Dortmund – Den meisten Menschen schmeckt Bier am besten richtig schön gekühlt. Kalt muss das Pilsener, Export oder was auch immer sein. Doch Vorsicht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Winter – dann kann das Bier ganz schnell Schaden nehmen. Bier-Experten raten daher auch von einem der häufigsten Fehler ab.

Bier draußen lagern – häufiger Fehler sorgt für Fehlgeschmack

Martin Neuhaus, Braumeister der Hövels-Brauerei in Dortmund (NRW), kennt sich mit der Herstellung von Bier bestens aus. Tausende Liter verlassen jährlich „seine“ Tanks. Dann heißt es für Verbraucher: schnell sein. „Sobald das Bier in der Flasche ist, wird es nicht besser“, sagt er im Gespräch mit wa.de. Mit dem Zeitpunkt, an dem der Bier-Laster das Brauereigelände verlasse, „unterliegt das Bier einem Alterungsprozess“, erklärt er. Bei der richtigen Lagerung – gerade draußen und im Winter – gilt es daher einiges zu beachten.

Das weiß auch Alex Pieper von der Craftbier-Brauerei „Piepnitz“ aus Bochum. Anders als die industriellen Biere haben seine Kreationen einen leichten Vorteil bei niedrigen Temperaturen im Winter, wenn nicht nur die Scheibenwischer an Autoscheiben festfrieren. „Craftbiere sind im Grunde Biere, die handwerklich hergestellt werden und nicht filtriert sind“, sagt er. Biere aus der Industrie hingegen werden stark filtert. „Dadurch ist das Bier sehr klar und gewinnt stark an Haltbarkeit, weil du sehr viele Stoffe herausziehst“, sagt Pieper.

Alex Pieper von der Craftbier-Brauerei Piepnitz aus Bochum weiß, worauf es bei Bier ankommt.

Bier wird trüb, wenn es zu lange in der Kälte steht

Nun ist es aber so, dass Biere genau das werden, wenn sie zu lange in der Kälte stehen: Sie werden trüb. Von einer „Kältetrübung“ spricht der Fachmann dann. Das ist besonders bei den industriell hergestellten Bieren ein Problem. Craftbiere sind schließlich meistens von Haus aus schon trüb. Sorgen muss sich daher auch niemand wegen dieser Trübung machen. „Diese Kältetrübung wird durch Eiweiße im Bier ausgelöst, die – das ist jetzt nicht ganz korrekt, aber so kann man es vielleicht besser verstehen – ‚gerinnen‘“, erklärt Braumeister Neuhaus.

Wer diesen optischen Nachteil bei seinem Bier wieder loswerden will, hat zwei Möglichkeiten. „Wenn man das Bier auf 20 Grad erhitzt, verschwindet die Trübung wieder“, sagt Neuhaus. Alternativ könne man die Flaschen auch bei Zimmertemperatur wieder „auftauen“ lassen. Doch genau hier lauert einer der häufigsten Fehler, den Biertrinker begehen.

Ein Bier mag keine Temperaturschwankungen

„Unsere großen Edelstahltanks in der Brauerei haben eine immer gleich bleibende Temperatur zwischen 4 und 5 Grad“, erklärt der Hövels-Braumeister. Temperaturschwankungen mag das Bier nämlich noch weniger als ein passionierter Pils-Trinker das alkoholfreie Radler. Schmeckt eben einfach nicht. „Es ist wichtig“, sagt Neuhaus, „dass das Bier keinen größeren Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. Sonst stellt man einen sogenannten Fehlgeschmack fest, den man unbedingt vermeiden möchte.“

Richtige Temperatur für Bier

Die optimale Trink-Temperatur für Bier liegt in der Regel zwischen sechs bis acht Grad Celsius. Martin Neuhaus, Braumeister der Hövels-Brauerei in Dortmund, will sich aber nicht auf „die eine Temperatur“ beim Bier festlegen. „Das ist eigentlich jedem selbst überlassen. Die einen trinken es gerne eiskalt, den anderen reicht die ‚Keller-Kälte‘ – das kann jeder für sich selbst am besten entscheiden“, sagt er. Erlaubt sei, was schmeckt.

Ständig zwischen Eistruhe, Kühlschrank und Zimmertemperatur hin und her wechseln, ist also überhaupt nicht gut. Da unterscheiden sich auch nicht die industriellen von den Craft-Bieren.

Bei einer konstanten Lagerung rund um den Gefrierpunkt ist noch alles einigermaßen in Ordnung. Bier friert draußen allerdings – und natürlich auch drinnen im Eisfach – ab -2 oder -3 Grad. Dann könnte es in der Flasche zu einem Überdruck kommen, die den Korken undicht werden lässt – spätestens dann haben Bier-Genießer ein sehr großes Problem.

Wenn Bier Kohlensäure verliert, dann schmeckt es nicht mehr

„Das Bier verliert dadurch Kohlensäure und schmeckt schal“, sagt Craftbier-Brauer Pieper. Hinzu kommt noch, dass Bier nicht gerne mit Sauerstoff in Berührung kommt. „Das oxidiert dann“, sagt der Fachmann. Pieper weiß: „Der Biergeschmack verändert sich meistens nicht zum Positiven, sobald das Bier über einen längeren Zeitraum mit Sauerstoff in Berührung kommt.“ Sein Tipp zur optimalen Lagerung: „Bier sollte man am besten im Keller lagern. Da ist es dunkel und gleichbleibend kühl.“

Bayerns beste Brauereien – Eine Reise durch die Bierkultur des Freistaats in 25 Bildern

Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee
Unsere Reise beginnt ganz im Süden Bayerns. Das Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee existiert belegbar seit 1675, sieht sich aber als Nachfolger einer angeblich um das Jahr 1000 gegründeten Bauerei im Kloster. © Marc Müller/dpa
Bier vom Brauhaus Tegernsee auf einem Tisch
Bekannt ist das Tegernseer Brauhaus unter anderem für sein Tegernseer Hell (Symbolbild). © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Aus der Landeshauptstadt München stammt Bayerns größte Brauerei: Paulaner.
Weiter geht‘s nach München. Aus der Landeshauptstadt stammt Bayerns größte Brauerei: Paulaner. Gegründet wurde die Brauerei-Gruppe 1634 von Mönchen des Paulanerordens. © Matthias Balk/dpa
Glas mit Bier von Paulaner
Zu den Spezialitäten von Paulaner gehören unter anderem Weißbier, Münchner Biere und weitere Bierspezialitäten, wie etwa das Oktoberfestbier. © IMAGO / Depositphotos
Augustiner Bräu ist die älteste Brauerei Münchens.
Augustiner Bräu ist die älteste Brauerei Münchens. 1328 wurde sie von Augustiner-Mönchen gegründet und existiert bis heute. © IMAGO/Manfred Segerer
Bierausschank im Augustiner Biergarten
Auch in Sachen Biergärten hält Augustiner einen Münchner Rekord. Der Augustiner Biergarten in der Arnulfstraße gilt als der älteste in der bayerischen Landeshauptstadt.  © IMAGO/Heinz Genhardt
Erdinger Weißbräu ist nach eigenen Angaben die größte Weißbierbrauerei der Welt.
Mit einem jährlichen Ausstoß von 1,7 Millionen Hektolitern ist Erdinger Weißbräu nach eigenen Angaben die größte Weißbierbrauerei der Welt. Einziger Standort ist Erding. Von dort aus wird das Weißbier in mehr als 100 Länder weltweit exportiert. © IMAGO/xDenisMArtx
Erdinger Bier im Glas und in Flaschen
Mit dem Verkauf seiner Biere machte Erdinger eigenen Angaben zufolge 2022 mehr als 170 Millionen Euro Umsatz. © Roman Starchenko/Imago
Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan ist die älteste Brauerei der Welt.
„Als älteste noch bestehende Braustätte der Welt steht unsere Brauerei beinahe erhaben in Freising auf dem Weihenstephaner Berg“, schreibt die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan aus Freising über sich selbst. Gegründet wurde sie 1040. © IMAGO/Manfred Segerer
Weihenstephan bzw Weihenstephaner Bier
Neben traditionellen Biersorten, wie etwa Weißbier oder Pils bietet Weihenstephan auch ein Kellerbier an. (Symbolbild) © IMAGO/Manfred Segerer
Oettinger gehört zu den großen deutschen Brauereigruppen.
Oettinger gehört zu den großen deutschen Brauereigruppen. Das Familienunternehmen produziert seine eigene Marke Oettinger für Supermärkte und stammt aus dem bayerischen Schwabenland. © Peter Steffen/dpa
Zwei Bierflaschen der Brauerei Oettinger
Zwischen 2004 und 2013 war Oettinger auch das meistverkaufte Bier in Deutschland. © IMAGO / Herrmann Agenturfotografie
Das Brauhaus Riegele ist heute mit mehr 200.000 Hektolitern die größte Privatbrauerei Augsburgs.
Ebenfalls aus Schwaben stammt die Brauerei S. Riegele. Das Brauhaus ist heute mit mehr 200.000 Hektolitern die größte Privatbrauerei Augsburgs. © Michael Eichhammer/dpa
Das Neumarkter Lammsbräu aus der Oberpfalz ist nach eigenen Abgaben die größte Bio-Brauerei Deutschlands.
Das Neumarkter Lammsbräu aus der Oberpfalz ist nach eigenen Abgaben die größte Bio-Brauerei Deutschlands. Das Sortiment der Familienbrauerei umfasst neben Klassikern wie dem untergärigen Urstoff auch ausgefalleneres wie das Glutenfreie. © Armin Weigel/dpa
Glutenfreies Bier
Der Neumarkter Lammsbräu bietet auch glutenfreies Bier an. © Britta Pedersen/dpa
Aus Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg stammt das Schanzenbräu
Aus Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg stammt das Schanzenbräu, das neben Hellem auch die fränkische Spezialität Rotbier herstellt. © Daniel Karmann/dpa
Das Schlenkerla ist eine historische Brauereigaststätte im fränkischen Bamberg.
Das Schlenkerla ist eine historische Brauereigaststätte im fränkischen Bamberg. Sie wurde erstmals 1405 urkundlich erwähnt und ist die bekannteste Rauchbierbrauerei Deutschlands. © imago stock&people
Rauchbier von Schlenkerla
Den Namen „Schlenkerla“ verdankt die Brauerei der Legende nach dem einstigen Braumeister Andreas Graser. Dieser musste nach einem Unfall beim Gehen eine Verletzung mit dem Schlenkern seiner Arme ausgleichen. © IMAGO / Depositphotos
Die Brauerei Gebr. Maisel im oberfränkischen Bayreuth ist vor allem durch die Weizenbiermarke Maisel‘s Weisse bekannt.
Die Brauerei Gebr. Maisel im oberfränkischen Bayreuth ist vor allem durch die Weizenbiermarke Maisel‘s Weisse bekannt. © IMAGO / Manfred Segerer
Bierkastenpaletten vor der Zentrale Brauerei Gebrüder Maisel KG
Jährlich verkauft die Maisel-Brauerei über 800.000 Hektoliter Bier (Symbolbild). © Robert Schmiegelt/Imago
Das Bayreuther Hell ist ein typisches bayrisches Helles, wie es in den Biergärten zu Hause ist - süffig und mild, frisch und würzig.
Das Bayreuther Hell ist ein typisches bayrisches Helles, wie es in den Biergärten zu Hause ist - süffig und mild, frisch und würzig. © IMAGO / Manfred Segerer
Beim World Beer Award 2022 wurde die Kulmbacher Brauerei gleich drei Mal mit einer Medaille ausgezeichnet.
Beim World Beer Award 2022 wurde die Kulmbacher Brauerei gleich drei Mal mit einer Medaille ausgezeichnet. © David Ebener/dpa
Kulmbacher Brauerei
Die Geburtsstunde der Kulmbacher Brauerei geht auf Mitte des 19. Jahrhunderts zurück (Archivbild). © IMAGO / Depositphotos
Die Brauerei Schlappeseppel aus Aschaffenburg ist im Nordens Bayerns und auch im angrenzenden Hessen beliebt.
Die Region Unterfranken ist eigentlich mehr für ihren Wein als für ihr Bier bekannt. Doch die Brauerei Schlappeseppel aus Aschaffenburg ist im Nordens Bayerns und auch im angrenzenden Hessen beliebt.  © imago stock&people
Bier von Schlappeseppel
Das „Special“ von Schlappeseppel ist ein mildes, nicht hopfenbetontes Bier, gebraut nach alter Tradition aus hellem und mit einer kleinen Zugabe dunklem Malz Münchner Art. © IMAGO/Manfred Segerer

Sollte man doch mal einen Fehler beim Bierlagern begangen haben, helfen die Sinne. „Riechen, schmecken, sehen: Das ist die sensorische Verkostung“, sagt Hövels-Braumeister Neuhaus. So lasse sich leicht herausfinden, ob man sein Pilsener, Export oder was auch immer noch bedenkenlos genießen kann. Bier, das rund neun Monate haltbar ist, könne auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verzehrt werden, meint der Experte – wenn es denn noch schmeckt.

Doch nicht nur die Kälte im Winter macht dem Bier zu schaffen. Auch Sonnenstrahlen sind nicht gut. „Wenn es schon der Balkon als Lagerort sein muss, dann sollte man noch eine Decke über den Bierkasten legen, damit er es schön dunkel hat“, rät Neuhaus daher und fügt mit einem Augenzwinkern noch einen Tipp hinzu, der alle Wie-lagere-ich-mein-Bier-richtig-Probleme mit einem Schlag löst: „Niemand sollte sich mehr Bier kaufen, als er saufen kann.“

Das gilt auch für Biere aus dem Discounter – obwohl da oftmals größere Brauereien hinter stecken.

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