VonNatascha Bergerschließen
Der Onlinehandel Temu bietet eine riesige Produkt-Vielfalt zu billigen Preisen. Doch die Schnäppchen können gefährlich werden, warnen nun Verbraucherschützer.
München – Ob Kleidung, Elektrogeräte, Bürobedarf oder Zubehör fürs Auto: In den 30 Produktkategorien, in denen man derzeit im Online-Shop Temu stöbern kann, hat man eine riesige Auswahl an Artikeln zu billigen Preisen. Doch während manch ein Schnäppchenjäger sich bei Temu den Warenkorb füllt, wird die Kritik an dem chinesischen Billiganbieter immer lauter. Nun warnen Verbraucherschützer vor bestimmten Temu-Produkten, bei denen extra Vorsicht geboten ist.
Temu lockt Kunden mit billigen Angeboten – doch Kritik an Qualität wird immer lauter
Smartwatches für 29 Euro oder Pyjama-Sets für 2,39 Euro, diverse Gewinnspiele, Rabatte und Angebote wie Gratisversand prallen bei Temu auf eine aggressive Marketing-Strategie über die sozialen Medien. Die App „Temu: Shoppe wie Milliardäre“ aus China hat im App-Store von Apple im März 2024 über 65.000 Bewertungen mit durchschnittlich 4,6 Sternen. Doch inmitten der Bewertungen, die sich über die billigen Angebote freuen, sind auch viele verärgerte Kunden zu finden. Produkte kommen beschädigt oder gar nicht an, die Qualität sei nicht wie versprochen. Ein Kunde schreibt, man solle sein Geld lieber gleich verbrennen. Experten äußern zudem Nachhaltigkeits-Bedenken bei Online-Händlern wie Temu.
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„Können explodieren“: Verbraucherschützer warnen eindringlich vor elektrischen Heizgeräten von Temu
Das britische Online-Magazin Which? warnt nun vor bestimmten Temu-Produkten: Elektrische Heizgeräte, die auf dem Schnäppchen-Portal verkauft werden, könnten explodieren, Stromschläge auslösen oder einen Brand verursachen. Das Magazin informiert Verbraucher regelmäßig über Waren und Dienstleistungen und testet Produkte. Which? zufolge wurden auf Temu Tausende von den gefährlichen Produkten verkauft. Drei von fünf über Temu erworbene Heizgeräte, die getestet wurden, seien nicht sicher gewesen. In den Betriebsanleitungen fehlten zudem wichtige Sicherheitshinweise. Das Verbraucherschutz-Magazin fordert, bestimmte Geräte aus dem Sortiment zu nehmen.
Elektronischen Geräten von Temu fehlt teils wichtige EU-Kennzeichnung
Wie WDR bereits im Juni 2023 nach einem Probeeinkauf bei Temu berichtete, sind es vor allem die elektronischen Geräte, bei denen Verbraucher vorsichtig sein sollten. Denn was den Elektronikgeräten von Temu häufig fehlt, ist die in der EU notwendige CE-Kennzeichnung. Das CE-Zeichen wird bei vielen Produkten wie Technik, Spielzeug oder Medizinprodukten vorausgesetzt, bevor sie in Deutschland verkauft werden dürfen. Es gibt Hinweis darauf, ob ein Produkt den EU-Anforderungen an Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz erfüllt.
Oft wird auch die Datensammlung bei Temu kritisiert. So müssen Kunden viele Zugriffsberechtigungen am Handy zulassen, bevor sie einkaufen können. Gegenüber IPPEN.MEDIA wies der Billiganbieter diese Kritik und andere Vorwürfe von Verbrauchern zuletzt zurück. (nbe)
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