Tabaksud gegen Blattläuse & Co.: Effektives Hausmittel, aber auch die Bienen sterben
VonInes Alms
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Der viel gepriesene Tabaksud soll Blattläuse an Garten- und Balkonpflanzen wirkungsvoll bekämpfen. Doch das Hausmittel hat unerwünschte Nebenwirkungen.
Mancher ist von den Spinnmilben, Thripsen oder Blattläusen an seinen Pflanzen so genervt, dass einem gerade jedes Mittel recht ist, um die lästigen Schädlinge zu bekämpfen. Doch von dem in vielen Gartenforen beworbenen Tabaksud, einem selbst gemachten „natürlichen“ Hausmittel aus Tabak und Wasser, sollte man Abstand nehmen. Vor allem gegen Blattläuse soll das Wundermittel helfen. Tut es auch. Aber unter der Brühe leiden nicht nur diese, denn das im Tabak enthaltene Nikotin ist ein nachhaltig starkes Gift.
Schon im 17. Jahrhundert war Nikotin ein beliebtes Pflanzenschutzmittel
So einfach herzustellen und wirkungsvoll Tabaksud auch ist, Nikotin ist nicht nur für menschliche Lungen ein Gift. Verständlich, wenn es großen Lebewesen schadet, dass es auf Insekten wie Blattläuse um ein Vielfaches wirkt. Das gilt aber auch für Nützlinge wie Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge, die das Gift über Pollen und Nektar aufnehmen.
Nikotin und seine Pestizid-Nachfolgeprodukte in der Landwirtschaft, die Neonicotinoide, wirken dabei geradezu berauschend auf die Bienen und gelten als mitverantwortlich für das Bienensterben in Europa. Die Bienen, vor allem Wildbienen wie Hummeln, flogen die mit diesen Stoffen behandelten Pflanzen bevorzugt an. Studien zufolge schädigt deren Aufnahme das Nervensystem der Tiere, die Fruchtbarkeit wird vermindert und der Orientierungssinn beeinträchtigt, was über kurz oder lang zum Tod der Insekten führt. Beispielsweise, indem sie nicht den Weg in den Bienenstock zurückfinden. Honigbienen werden auch anfälliger für Krankheiten.
Ein voranschreitendes Bienensterben hätte weitreichende Folgen, darunter einen Rückgang der Bestäubung von Nutzpflanzen, was zu einer verminderten Ernte und einem Verlust der biologischen Vielfalt führen würde.
Verbot von Nikotin als Pestizid
Da Nikotin so gut gegen Schädlinge wirkt, war es in Europa über Jahrzehnte als Pestizid zugelassen. In Haus und Garten wurde die Tabak-Extraktion sogar schon im 17. Jahrhundert für den Pflanzenschutz eingesetzt. Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist Nikotin in der EU seit 2010 als Pestizidwirkstoff in Pflanzenschutzmitteln verboten – für den Hobbygärtner ist auch die Verwendung von selbst hergestellten nikotinhaltigen Präparaten als Insektizid schon seit den 70er-Jahren nicht erlaubt.
Wer also bei seiner Recherche für Hausmittel gegen Blattläuse über ein Rezept für ein Pflanzenspray aus zerbröselten Zigaretten stößt, sollte einen Bogen darum machen. Auf Gemüsepflanzen angewendet, kann das Gift sogar auf dem Teller landen.
Nikotin kommt übrigens auch auf natürliche Weise in Pflanzen vor, beispielsweise in geringem Umfang in Nachtschattengewächsen wie Tomaten. Dies ist auch ein Grund hierfür, dass Tomaten von vielen Schädlingen gemieden werden.
Zehn Dinge, mit denen Sie Ihren Garten bienenfreundlich gestalten
Wenn Sie Ihre Pflanzen auf natürliche, bienenfreundliche Weise vor Blattläusen schützen möchten, können Sie Pflanzensprays in Form von selbst gemachten Pflanzenjauchen selber machen: Rainfarn, Brennnessel, Ackerschachtelhalm und Knoblauch – als Jauche oder als Sud – eignen sich gut.