Stoffwechselerkrankung erkennen

Prä-Diabetes erkennen und Erkrankung verhindern: Durch einfache Maßnahmen Diabetes Typ 2 vorbeugen

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Ist der Blutzucker erhöht, kann ein Prä-Diabetes vorliegen und das Risiko, tatsächlich zu erkranken, ist stark erhöht. Ein Experte erklärt, welche Werte dafür sprechen.

Diabetes ist den meisten ein Begriff, doch Prä-Diabetes? Prä-Diabetes ist die Vorstufe von Diabetes und sollte als Warnzeichen eingestuft werden. Sie wird bereits als Stoffwechselstörung verstanden, da die Blutzuckerwerte auch hier erhöht sind, allerdings noch nicht so hoch, dass ein Diabetes vorliegt und Insulin gespritzt werden muss. Die Vorstufe von Diabetes Typ 2 entwickelt sich über viele Jahre, in der Regel, ohne Beschwerden und Symptome zu verursachen. Bei jedem fünften Erwachsenen in Deutschland liegt ein Prä-Diabetes vor, nach Angaben des Diabetesinformationsportals „diabinfo“ des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).

Da ein Prä-Diabetes keine Symptome verursacht, empfiehlt es sich insbesondere für Risikogruppen – Personen mit Bluthochdruck oder Übergewicht – regelmäßig beim Arzt eine Blutzuckermessung vornehmen zu lassen. Denn langfristig erhöhte Blutzuckerwerte fördern nicht nur das Risiko für die eigentliche Diabetes-Erkrankung, auch für Schäden an Organen.

Wie kann Diabetes verhindert werden?

Da ein Prä-Diabetes keine Symptome verursacht, empfiehlt es sich insbesondere für Risikogruppen, regelmäßig den Blutzucker zu messen.

In Deutschland wird jedes Jahr bei rund 560.000 Menschen Diabetes diagnostiziert, laut Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD). Schätzungsweise leiden sieben bis acht Millionen Menschen in Deutschland an dieser chronischen Stoffwechselerkrankung, bei der das Hormon Insulin eine entscheidende Rolle spielt. Ist der Zucker im Blut zu hoch, besteht die Gefahr eines Prä-Diabetes, der Vorstufe zur Erkrankung – dann steigt das Risiko, dass sich daraus ein echter Diabetes Typ 2 entwickelt.

Bei Nüchtern-Blutzuckerwerten zwischen 100 und 125 liegt eine Störung vor – und das kann ein Prä-Diabetes sein. Es kann auch anhand eines Zuckerbelastungstests festgemacht werden, in dem man 75 Gramm Zucker gelöst in Flüssigkeit trinkt. Wenn nach zwei Stunden der Wert zwischen 140 und 199 liegt, ist es ein Hinweis für einen Prä-Diabetes. Man kann aber auch den HBA1C-Wert messen, das ist das Langzeitgedächtnis des Blutzuckers. Liegen die Werte zwischen 5,7 und 6,4, nennen wir es Prä-Diabetes. Ab einem Wert von 6,5 spricht man bereits vom richtigen Diabetes.

Prof. Dr. Hans Hauner, Ernährungsmediziner und Diabetologe, an der TU München

Wenn die Diagnose Prä-Diabetes vorliegt, kann gezielt etwas dagegen unternommen werden. Die beiden Haupteinflussfaktoren sind an dieser Stelle Ernährung und Bewegung. Schon kleine Anpassungen im Lebensstil können die Insulinempfindlichkeit im Körper verbessern, die Blutzuckerwerte wieder normalisieren – auf zwischen 80 und 110 mg/dl – und die Entwicklung von Diabetes Typ 2 hinauszögern oder sogar verhindern.

Es ist sicher sinnvoll, auch frühzeitig zu Diabetes-Spezialisten zu gehen. Und wichtig ist, nicht nur einmal, sondern sich immer wieder mal überprüfen zu lassen, um zu sehen, geht es bei mir schneller in Richtung endgültige Diabetes-Erkrankung oder lässt sich das bei mir durchaus stoppen – oder vielleicht sogar ganz rückgängig machen. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass man im Wesentlichen durch Maßnahmen im Lebensstil den Diabetes rückführen kann, wir nennen das Remission, das heißt in ein Stadium zurückbringt, in dem er völlig harmlos ist, völlig normale Werte vorliegen.

Prof. Dr. Hans Hauner, Ernährungsmediziner und Diabetologe, an der TU München, im Gespräch mit dem Portal „diabinfo“

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Erste Anzeichen von Diabetes: Zehn Symptome können ein Warnzeichen sein

Frau trinkt Wasser
Diabetes ist im Volksmund auch als Zuckerkrankheit bekannt. Wer zu hohe Blutzuckerwerte mit einem angehenden Diabetes hat, ist verstärkt durstig. Die Niere versucht, den überschüssigen Zucker (Glukose) im Körper auszuscheiden, indem Wasser gebunden wird und somit Flüssigkeit entzogen wird. Die Folge: ein starkes Durstgefühl. © BRUNO / IMAGE POINT FR / BSIP / Imago
Toilette
Wer vermehrt Harndrang verspürt, insbesondere nachts, sollte seine Blutzuckerwerte überprüfen lassen: Übersteigt der Glukosespiegel im Blut die Kapazität der Nieren, versucht der Körper über die Blase den überschüssigen Zucker loszuwerden. Das führt zu häufigem Wasserlassen. © sasirin pamai/Imago
Frau im Sitzen mit Schmerzen im Unterleib
In der Regel sind vor allem Frauen von ständigem Harndrang und Blasenentzündungen betroffen, auch bei Diabetes. Der überschüssige Blutzucker wird über die Niere in den Urin abgegeben, sodass er einen zusätzlichen Nährboden für Bakterien bietet. © Alla Rudenko/Imago
Frau mit Wadenkrampf
Ein Diabetes kann sich bei Betroffenen durch verstärkte und regelmäßige Muskelkrämpfe bemerkbar machen, insbesondere in den Waden oder Füßen. Diese Krämpfe sind ein Hinweis für einen gestörten Mineralstoffhaushalt aufgrund des Flüssigkeitsverlusts. Bei einer fortgeschrittenen Zuckerkrankheit können Muskelkrämpfe auf Nervenschäden hindeuten, so die „Apotheken Umschau“. © YAY Images/Imago
Schläfriger Mann am Steuer
Zu den ersten Anzeichen eines Diabetes zählt starke und anhaltende Müdigkeit. Der überschüssige Zucker im Körper hat Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die Energieversorgung, was zum Teil bleierne Erschöpfung zur Folge hat. © imageBROKER/Isai Hernandez/Imago
Augen eines Mannes
Ein charakteristisches Anzeichen von Diabetes ist verschwommenes Sehen, verbunden mit einer Sehverschlechterung und wechselnden Sehstärke. Insbesondere wenn jemand Menschen morgens verschwommen und nachmittags eher scharf sieht, kann das auf einen noch nicht entdeckten Diabetes mellitus hindeuten. Die schnellen Veränderungen der Sehschärfe sind auf die Blutzuckerschwankungen zurückzuführen, wie es die „Pharmazeutische Zeitung“ erläutert. © MBtoo/Imago
Frau juckt sich am Handgelenk
Der Wasserverlust, auch bedingt durch den Harndrang, hat Auswirkungen auf die Haut, die nicht mehr richtig mit Flüssigkeit versorgt wird. Menschen mit Diabetes leiden häufig unter trockener, rissiger und für Verletzungen anfällige Haut. © BRUNO / IMAGE POINT FR / BSIP / Imago
Fuß mit eingebundenem Zeh
Menschen mit Diabetes haben zusehends eine empfindsame Haut, die zu Rissen und Wunden neigt, insbesondere an den Füßen (sogenannter „Diabetischer Fuß“). Durch die Zuckerkrankheit ist die Funktion der Nerven geschädigt und der Blutfluss gestört, was Druckstellen und Verletzungen begünstigt. © ninun/Imago
Frau mit Schwindel
Bei einem Diabetes kommt es nicht selten zu einem zuckerbedingten Schwindel, was auf neuronale Störungen vor allem in den Füßen zurückzuführen ist. Dadurch fällt es Betroffenen schwer, gleichmäßig zu laufen, so die „Apotheken Umschau“. © Science Photo Library/Imago
Frau mit Keksen
Hungergefühl und Appetitlosigkeit im Wechsel zählen zu typischen Symptomen, die mit einem Diabetes und dem schwankenden Insulinspiegel einhergehen. Ein abfallender Blutzuckerspiegel fördert den Appetit, wohingegen ein hoher Zuckerspiegel im Blut die Insulinausschüttung anregt und das Sättigungsgefühl beeinflusst. © FlotJet/Imago

Prä-Diabetes rückgängig machen: Wie kann die Ernährung helfen?

Mediziner wissen, dass durch die passende Ernährung – weniger Kohlenhydrate und mehr Ballaststoffe – die Blutzuckerwerte gesenkt werden können und so das Risiko für eine tatsächliche Diabetes entscheidend geringer ist. Was Menschen mit erhöhten Blutzuckerwerten essen sollten:

  • Vollkornprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Gemüse
  • Obst

Kohlenhydrate sollten am ehesten gemeinsam mit eiweiß- oder fettreichen Lebensmitteln verzehrt werden, damit der Blutzucker nach dem Essen weniger stark ansteigt. Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel besser nur in Maßen konsumieren. Grundsätzlich ist es sinnvoll, eher auf selbst zubereitete Gerichte, als auf stark verarbeitete Lebensmittel zu setzen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © AllaRudenko/Imago

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