VonSimon Monesschließen
Elektroautos zu löschen ist schwierig, aber nicht unmöglich. Insbesondere eine Methode hat sich als besonders beleibt herausgestellt.
Auch wenn die Brandursache noch unklar ist, hat das Feuer an Board der Fremantle Highway die Diskussion um die Sicherheit von Elektroautos einmal mehr angeheizt. Die Allianz Versicherung hatte bereits im Mai vor Schiffsbränden durch Stromer gewarnt. Dabei brennen diese nicht häufiger als Autos mit einem Verbrennungs-Motor. Doch wie löscht die Feuerwehr ein brennendes Elektroauto?
Das hängt von der Art des Brandes ab. So kann es auch bei Elektroautos – dazu zählen auch Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Autos – zu einem einfachen Fahrzeugbrand kommen. Diesen löscht die Feuerwehr unabhängig von der Antriebsart mit Löschmitteln (Wasser und/oder Schaum). Dem Feuer wird so der Sauerstoff entzogen und der Brand letztlich „erstickt“.
Batterie können sich wegen hoher Temperaturen gegenseitig entzünden
Etwas schwieriger ist die Sache, wenn es sich um einen Brand der Antriebsbatterie des Elektroautos handelt. Der Grund: Moderne Lithiumionen-Akkus setzten bei einem Brand durch chemische Reaktionen in den Zellen Sauerstoff frei. Das Feuer wird somit weiter versorgt.
Im schlimmsten Fall droht sogar ein „Thermal Runway“. Dabei entzünden sich die einzelnen Batteriezellen durch die steigenden Temperaturen gegenseitig. Sie lassen sich mit der herkömmlichen Brandbekämpfung nur schwer unter Kontrolle bringen. Dazu wird viel Löschwasser benötigt.
Löschzange in der Kritik: „Macht im Zweifel mehr kaputt, als dass sie löscht“
Der Fokus liegt daher auf der Kühlung des Akkus, um dieses thermische Ereignis zu verhindern oder zumindest einzudämmen. Dabei gibt es Ansätze. So wird das Batteriegehäuse entweder von außen geflutet oder das Elektroauto in einen mit Wasser gefülltem Container platziert.
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Die Löschlanzen zur Flutung des Akkugehäuses sind jedoch nicht unumstritten. „Löschlanzen machen im Zweifelsfall mehr kaputt, als dass sie löschen. Bei einer Werksfeuerwehr, die exakt weiß, welche Batterien mit welchem Aufbau sie im Lager hat, kann das funktionieren. Für den Einsatz draußen ist das etwas, was wir auf Bundesebene deutlich nicht befürworten“, sagte Christian Schwarze, Vorsitzender des Fachausschusses Technik der deutschen Feuerwehren dem Magazin natürlichZukunft.
Wasserbad hat sich als Standard zur Löschung von Elektroautos durchgesetzt
Als meistgenutzter Standard für die Kühlung der Batterien von Elektroautos hat sich in Deutschland derweil das „Wasserbad“ durchgesetzt. Hier gibt es verschiedene Systeme, wie etwa den Recover-E-Bag, den Feuerwehren aus Hessen mitentwickelt haben. Es gibt aber auch eine kombinierte Lösung auf Abrollkipper-/Seecontainerbasis, die nach der „International Convention for Save Containers“ (CSC) geprüft wurde. Dieser Container kann auch im weltweiten Frachtverkehr eingesetzt werden.
Er kann zudem mit einer Temperatur- und/oder Rauchüberwachung ausgestattet werden und so im Ernstfall Alarm schlagen und automatisch einen Löschangriff auslösen. Das ist insbesondere deshalb sehr praktisch, weil das Löschen von Bränden auf Frachtern höchst gefährlich und anspruchsvoll ist. Die Autos sind meist sehr eng verladen und die Frachträume sind ebenfalls eng und abgeschlossen. Schon kurz nach Ausbruch des Feuers ist die Brandbekämpfung am Brandherd wegen Rauch-, Hitze- und Schadstoffentwicklung kaum noch möglich – selbst mit Atemschutz. Somit muss das Feuer von außen bekämpft werden – mit viel Löschwasser.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde am 2. August 2023 inhaltlich aktualisiert, weil er einen Fehler enthielt. Die Allianz warnte Ende Mai und nicht im März vor Schiffsbränden durch Elektroautos. Wir bitten, dies zu entschuldigen.
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