VonRobin Dittrichschließen
Chinesische Shopping-Apps wie Temu ernten seit längerem Kritik. Auch das deutsche Unternehmen Otto zeigt sich jetzt verärgert. Und nennt Gründe.
Kassel – Verbraucherschützer warnen seit Monaten gegen einige Machenschaften des chinesischen Unternehmens Temu. Kunden lassen sich immer wieder von den überaus günstigen Preisen anlocken – die Bundesregierung will dagegen vorgehen.
Chinesische Shopping-App Temu im Fokus – Otto spricht von Betrug
Obwohl die günstigen Preise auf chinesischen Shopping-Apps verlockend erscheinen, sollten Verbraucher nicht darauf hereinfallen. „Spiele, Glücksräder, Rabatt-Countdowns et cetera suggerieren unglaubliche Rabatte und Schnäppchen“, sagte Verbraucherschutz-Staatssekretärin Christiane Rohleder: „Temu setzt ständig neue Kaufanreize.“ Ein Vorgehen, das auch in der deutschen Wirtschaft mittlerweile für verärgerte Unternehmen sorgt, wie die Otto Group jetzt zeigte.
„Wir scheuen nicht den Wettbewerb, aber die Rahmenbedingungen sind unfair. Was sich diese Anbieter leisten, ist systematischer Betrug“, zitiert krone.at Otto-Austria-Group-Chef Harald Gutschi. Wie er sagt, wären 65 Prozent der aus China kommenden Pakete falsch deklariert. Die enthaltene Ware soll entweder zu günstig am Zoll vorbeigeschleust werden oder Bestellungen werden in so viele Einzelsendungen aufgeteilt, dass die gesamte Sendung zollfrei bleibt.
Bundesregierung will gegen chinesische Shopping-Apps vorgehen
Ein Dorn im Auge scheint der Otto Group zu sein, dass die Problematik zwar bekannt ist, erst ab dem Jahr 2028 aber dagegen vorgegangen werden soll. Die chinesischen Shopping-Apps könnten ihr Spiel bis dahin also risikofrei weitertreiben, zwischen zwei und vier Milliarden Pakete sollen sie jährlich in die EU schicken. „Die multiplen Krisen haben im Handel voll zugeschlagen wie seit Jahrzehnten nicht. Das Geld im Börserl fehlt“, kritisiert Harald Gutschi deshalb.
Der Bundesregierung geht vor allem gegen den Strich, dass der Fokus der Shopping-Apps auf einer sehr jungen Zielgruppe liegt. Christiane Rohleder gab an, dass die manipulative Gestaltung von Online-Plattformen laut Digitale Dienste Gesetz der EU eigentlich verboten worden ist. „Daher ist es wichtig, dass diese Regelungen jetzt auch durchgesetzt werde.“ Temu wehrte sich bereits gegen die Vorwürfe: „Viele unserer Verkäufer sind Hersteller, die traditionell stationäre Geschäfte beliefern“, gab eine Sprecherin bekannt. (rd mit dpa)
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