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Reisen mit dem Wohnmobil ist dank der Flexibilität bei Urlaubern sehr beliebt. Für Einsteiger lohnt es sich, ein Fahrzeug zu mieten. Der NDR hat dazu drei Anbieter getestet.
Hamburg – Spätestens seit der Corona-Pandemie boomt das Geschäft mit den Wohnmobilen. Viele träumen sehnsüchtig nach den Freiheiten, die ein Zuhause auf Rädern mit sich bringt. Camping-Urlaub auf vier Rädern liegt im Trend. Aber ein Wohnmobil zu kaufen, kann eine kostspielige Angelegenheit werden.
Ein Wohnmobil zu mieten, ist eine mögliche Alternative. Aber auch hier gilt es, einiges zu beachten. Der NDR hat dazu einen Praxistest unternommen und drei verschiedene Wohnmobil-Anbieter unter die Lupe genommen: Einen großen globalen Anbieter, ein kleines regionales Unternehmen und eine Plattform, auf der private Camper offeriert werden.
Camper lieber mieten statt kaufen: NDR vergleicht drei Anbieter-Plattformen
Der Big Player unter dem Trio – der globale Anbieter – heißt Roadsurfer. Insgesamt verfügt das Unternehmen über 70 Standorte in Europa und Nordamerika. Je nach Fahrzeug, Saison und Wochentag variieren hier die Mietpreise deutlich – zwischen 49 Euro und 249 Euro pro Nacht. Der NDR hat hier die mittlere Preisklasse getestet, die sogenannte „Van Villa“ für 307 Euro für drei Nächte. Dazu kommen 29 Euro pro Tag für die Versicherung und eine Service-Pauschale von 99 Euro. Macht insgesamt 493 Euro. Doch bevor der Zündschlüssel umgedreht werden kann, muss vorab ein dreißigseitiges Tutorial abgearbeitet werden.
So ein Straßenkreuzer liegt eben etwas anders in der Kurve, als ein gewöhnlicher PKW. Das Wohnmobil misst etwa 7,5 Meter und ist mit einem üblichen Führerschein der Klasse B nutzbar. Doch wie so oft gilt: Learning by Doing. Der Anbieter stellt dazu extra eine hauseigene App fürs Smartphone zur Verfügung.
Bei dem regionalen Anbieter kostet ein vergleichbares Wohnmobil in der Nebensaison rund 119 Euro pro Nacht. In der Hauptsaison 145 Euro. Hinzu kommen 149 Euro für das Servicepaket, inklusive Endreinigung und Versicherung. Außerdem muss eine Kaution in Höhe von 1500 Euro hinterlegt werden. Zum Vergleich: Bei Roadsurfer waren dies lediglich 800 Euro. Am Ende kostet der Camper 506 Euro für drei Nächte.
Camper zur Miete: Was ist das beste Angebot?
Als Letztes an der Reihe ist die Anbieter-Plattform PaulCamper. Hier bieten Privatleute ihre eigenen Fahrzeuge für jedermann an. Doch anders als gedacht, sind die angebotenen Wohnmobile verhältnismäßig teuer. Getestet wird ein Fiat Ducato mit drei Schlafplätzen. Anders als bei den vorherigen Anbietern wird bei PaulCamper pro Tag und nicht pro Nacht abgerechnet. Dadurch schnellt der Mietpreis in die Höhe. Vier Tage – inklusive Versicherung, Servicepauschale und Endreinigung – kosten am Ende 653,36 Euro, nebst 1000 Euro Kaution.
Soweit so gut. Nun geht es auf den Stellplatz. Alle drei Mobile verfügen über einen Gas-, Wasser- und Stromanschluss. Bei der „Van Villa“ fällt den Testern auf, dass im Stauraum eine nicht angeschlossene, ungesicherte Batterie liegt. Diese kann im Worst Case sogar Brände verursachen. Der Anbieter Roadsurfer bezog auf NDR-Nachfrage Stellung: „Das Fahrzeug hätte so nicht an einen Mieter übergeben werden dürfen. Wir nehmen den Vorfall sehr ernst und prüfen die Ursache intern mit dem örtlichen Team.“
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Das Wohnmobil verfügt über eine Markise, einen Tisch mit zwei Stühlen, eine Box mit Küchenzubehör und weiteres campingrelevantes Equipment. Die interne Küche ist mit einem Gasherd, einer kleinen Spüle und einem Kühlschrank ausgestattet. Es gibt eine Toilette und sogar eine Dusche, sofern das Doppelbett nicht ausgeklappt ist. Insgesamt wird die Preis-Leistung als fair bewertet.
Vor Abfahrt: Camper auf Mängel prüfen
Das Fahrzeug der Marke LMC vom regionalen Anbieter verfügt über eine ganze Sitzgruppe an Stühlen, die im üppigen Stauraum sicher verstaut ist. Auch finden sich eine große Küche mit allem nötigen Zubehör, ein Bad mit Dusche und vier Betten, zuzüglich automatischem Hochbett. Insgesamt hat dieses Fahrzeug nur 13 Euro mehr gekostet, als der Konkurrent von Roadsurfer und verfügt über die gleichen Extras. Da das Wohnmobil allerdings ziemlich groß ist, ist es nur etwas für mutige Einsteiger, die bereit sind, mit einem derart wuchtigen Vehikel über die Straßen zu düsen.
Bei dem individuell ausgebauten Kastenwagen von PaulCamper fallen dem Experten sofort einige Mängel am Fahrzeug auf: Abgefahrene Reifen, ein Steinschlag in der Windschutzscheibe sowie eine ungültige Umweltplakette. Auf NDR-Nachfrage gibt der TÜV Nord an, das Fahrzeug sie aber verkehrstüchtig. Auch dieser Camper verfügt über Küche, Dusche und Zubehör. Lediglich das Bett scheint etwas kurz. Unterm Strich schneidet das Angebot vom Roadsurfer für Einsteiger am besten ab. Wichtig ist, ähnlich wie bei der Autovermietung, das Fahrzeug vor der Abfahrt bei der Übergabe auf wichtige Mängel und Schäden zu prüfen, damit es hinterher keinen Ärger gibt. (ls)
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