VonSebastian Oppenheimerschließen
Geringer Verbrauch ist ein Verkaufsargument bei Autos. Doch offenbar weichen die Herstellerangaben von der Realität stark ab – das behauptet die Studie einer Umweltorganisation.
Nicht für jeden Autofahrer spielt der Spritverbrauch eine entscheidende Rolle – doch für den Großteil dürfte der Kraftstoffkonsum durchaus ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Wagens sein. Schließlich macht sich das bei den hohen Spritpreisen auf Dauer deutlich im Portemonnaie bemerkbar. 2017 wurde in Europa der sogenannte WLTP-Zyklus als Standard-Messverfahren zur Bestimmung der Abgasemissionen und des Kraftstoffverbrauchs (bei E-Autos auch der des Stromverbrauchs) eingeführt. Die Abkürzung steht für Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure (auf Deutsch etwa: weltweit einheitliches Leichtfahrzeuge-Testverfahren). Das erklärte Ziel der Ablösung des Vorgängers NEFZ: Deutlich realistischere Verbrauchsangaben. Laut einer Umweltorganisation ist jedoch das Gegenteil der Fall.
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Herstellerangaben vs. Realbetrieb: Laut Studie 14 Prozent Abweichung
Erst kürzlich hatte der EU-Rechnungshof bekannt gegeben, dass auf Europas Straßen von Autos immer noch so viel CO₂ ausgestoßen wird wie vor 12 Jahren. Unter anderem läge dies am höheren Gewicht der Fahrzeuge, sowie an höher Motorleistung. Doch wie nun The International Council on Clean Transportation (ICCT) mitteilt, hat sich auch die Differenz zwischen den Herstellerangaben und dem tatsächlichen Kraftstoffverbrauch (beziehungsweise den CO₂-Emissionen) in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert. Habe 2018 die Abweichung bei durchschnittlich acht Prozent gelegen, 2022 seien die Werte im Realbetrieb um 14 Prozent höher gewesen. Damit sei die Differenz in fünf Jahren um 80 Prozent gewachsen.
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Welche Marken laut ICCT-Studie im Realbetrieb die größten Abweichungen zeigen
Dabei stellten die Experten in ihrer Studie auch deutliche Unterschiede zwischen den Marken fest. Folgende Marken zeigten demnach im Realbetrieb die größte Abweichung von den Herstellerangaben:
- Opel (21 Prozent)
- Hyundai (20 Prozent)
- Ford und Seat (beide 15 Prozent)
Die geringsten Unterschiede wiesen der Untersuchung zufolge Mercedes (elf Prozent) sowie Volkswagen, BMW und Audi (alle zwölf Prozent) auf. Deutliche Abweichungen von den WLTP-Werten zeigen sich nicht nur bei Verbrennern, sondern auch bei Elektroautos.
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Differenz zwischen Herstellerangaben und Realbetrieb laut ICCT in doppelter Hinsicht nachteilig
Die Abweichungen im Realbetrieb sind laut der Umweltorganisation in doppelter Hinsicht nachteilig: „Das untergräbt die Bemühungen der EU zur Verringerung der verkehrsbedingten CO₂ -Emissionen und führt dazu, dass die Verbraucher mehr für Kraftstoff bezahlen müssen als erwartet“, so an Jan Dornoff, leitender Wissenschaftler beim ICCT und Mitverfasser des Berichts. Die ICCT fordert deshalb, dass in der EU künftig „reale Kraftstoffverbrauchsdaten“ herangezogen werden, die mit sogenannten OBFCM-Geräten (on-board fuel and energy consumption monitoring devices) erfasst und aufgezeichnet werden.
Für die Untersuchung analysierten die Experten offizielle CO₂ -Emissionsdaten der Europäischen Umweltagentur (EEA) als Maß für den Kraftstoffverbrauch und verglichen sie mit realen Kraftstoffverbrauchsdaten von mehr als 160.000 Fahrzeugen verglichen. Die „Real-Daten“ stammen von der Website spritmonitor.de, auf der Fahrzeugeigentümer ihre „echten“ Verbrauchsdaten hinterlegen können.
Rubriklistenbild: © Paul-Philipp Braun/Imago

