ICCT-Studie

Abseits der Realität: Spritverbrauchsangaben der Autohersteller immer unrealistischer

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Geringer Verbrauch ist ein Verkaufsargument bei Autos. Doch offenbar weichen die Herstellerangaben von der Realität stark ab – das behauptet die Studie einer Umweltorganisation.

Nicht für jeden Autofahrer spielt der Spritverbrauch eine entscheidende Rolle – doch für den Großteil dürfte der Kraftstoffkonsum durchaus ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Wagens sein. Schließlich macht sich das bei den hohen Spritpreisen auf Dauer deutlich im Portemonnaie bemerkbar. 2017 wurde in Europa der sogenannte WLTP-Zyklus als Standard-Messverfahren zur Bestimmung der Abgasemissionen und des Kraftstoffverbrauchs (bei E-Autos auch der des Stromverbrauchs) eingeführt. Die Abkürzung steht für Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure (auf Deutsch etwa: weltweit einheitliches Leichtfahrzeuge-Testverfahren). Das erklärte Ziel der Ablösung des Vorgängers NEFZ: Deutlich realistischere Verbrauchsangaben. Laut einer Umweltorganisation ist jedoch das Gegenteil der Fall.

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Herstellerangaben vs. Realbetrieb: Laut Studie 14 Prozent Abweichung

Erst kürzlich hatte der EU-Rechnungshof bekannt gegeben, dass auf Europas Straßen von Autos immer noch so viel CO₂ ausgestoßen wird wie vor 12 Jahren. Unter anderem läge dies am höheren Gewicht der Fahrzeuge, sowie an höher Motorleistung. Doch wie nun The International Council on Clean Transportation (ICCT) mitteilt, hat sich auch die Differenz zwischen den Herstellerangaben und dem tatsächlichen Kraftstoffverbrauch (beziehungsweise den CO₂-Emissionen) in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert. Habe 2018 die Abweichung bei durchschnittlich acht Prozent gelegen, 2022 seien die Werte im Realbetrieb um 14 Prozent höher gewesen. Damit sei die Differenz in fünf Jahren um 80 Prozent gewachsen.

Laut der Studie einer Umweltorganisation stoßen Autos im Realbetrieb deutlich mehr CO₂ aus, als von den Herstellern angegeben. (Symbolbild)

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Welche Marken laut ICCT-Studie im Realbetrieb die größten Abweichungen zeigen

Dabei stellten die Experten in ihrer Studie auch deutliche Unterschiede zwischen den Marken fest. Folgende Marken zeigten demnach im Realbetrieb die größte Abweichung von den Herstellerangaben:

  • Opel (21 Prozent)
  • Hyundai (20 Prozent)
  • Ford und Seat (beide 15 Prozent)

Die geringsten Unterschiede wiesen der Untersuchung zufolge Mercedes (elf Prozent) sowie Volkswagen, BMW und Audi (alle zwölf Prozent) auf. Deutliche Abweichungen von den WLTP-Werten zeigen sich nicht nur bei Verbrennern, sondern auch bei Elektroautos.

Spritschleudern der Autogeschichte: 43,5 Liter auf 100 Kilometer

Ein Chevrolet Camaro.
Mit dem Camaro reagierte Chevrolet Ende 1966 auf den beleibten Ford Mustang. Das Muscle Car aus Detroit erwies sich mit dem V8-Motor und 7 Litern Hubraum jedoch als sehr durstig: Bis zu 43,5 Liter auf 100 Kilometern waren keine Seltenheit. © Chevrolet
Ein roter Lamborghini Countach.
Im Heck des ersten Lamborghini Countach verrichtete ein V12-Motor mit 5 Litern Hubraum seinen Dienst. Mit bis zu 33,5 Litern auf 100 Kilometern war der Sportwagen jedoch alles andere als sparsam. Die Neuauflage dürfte dank Hybrid-Antrieb deutlich weniger verbrauchen. © Thomas Zimmermann/Imago
Rolls Royce Corniche Cabrio Baujahr 1984
Der Rolls-Royce Corniche ist mit rund drei Tonnen wahrlich kein Leichtgewicht. Kein Wunder also, dass sich auch der V8-Motor mit 7 Litern Hubraum als Schluckspecht erwies. Bis zu 29 Liter gönnte sich der edle Brite auf 100 Kilometer. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Dodge Charger.
Auch der Dodge Charger ist ein Klassiker der amerikanischen Automobil-Geschichte. Getreu dem Motto „Höher, schneller, weiter“ fällt auch sein Spritverbrauch üppig aus. Bei frühen Modellen waren bis zu 27 Liter auf 100 Kilometer möglich. © Panthermedia/Imago
Aston Martin Lagonda
Optisch kann man vom Aston Martin Lagonda halten, was man möchte. In Sachen Spritverbrauch zählt der Brite, mit bis zu 26,1 Liter auf 100 Kilometern, aber zu den durstigsten Autos, die jemals gebaut wurden.  © Tim Graham/Imago
Hummer H1
Der Hummer H1 wurde ursprünglich vom US-amerikanischen Militär-Herstellers AM General gebaut. Dieser verkaufte die Markenrechte schließlich an General Motors. So wuchtig wie der Geländewagen aussieht, war auch sein Verbrauch, der bei bis zu 24,5 Liter auf 100 Kilometer lag. Die Neuauflage des Klassikers ist im übrigen rein elektrisch unterwegs. © Sebastian Geisler/Imago
Bentley Arnage
Bis 2010 baute Bentley den 2,6 Tonnen schweren Arnage, auf dem auch die State Limousine der verstorbenen Königin Elisabeth II basierte. Mit dem größten Motor war ein Verbrauch von 24,2 Liter auf 100 Kilometer möglich.  © Sebastian Geisler/Imago
Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport L Edition Type 35
Der Bugatti Veyron war eines der ersten Autos mit Straßenzulassung, das mehr als 1000 PS unter der Haube hatte. Der Motor des „Super Sport“ leistete sogar 1.200 PS. Die Folge: ein Verbrauch von durchschnittlich 24,1 Litern auf 100 Kilometer. Innerorts sind sogar bis zu 37,2 Liter möglich. © Sebastian Geisler/Imago
Dodge Challenger RT
Neben dem Charger eroberte Dodge auch mit dem Challenger den US-Muscle-Car-Markt. Letztere zeigte sich mit einem Verbrauch von 23,5 Litern auf 100 Kilometer etwas „sparsamer“. © Andre Poling/Imago
Dodge Viper RT10
Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Das gilt auch für Dodge, denn auch die Viper erweist sich als besonders durstig: bis zu 21,1 Liter auf 100 Kilometer waren möglich. Gebaut wurde der Sportwagen von 1992 bis 2017. © Eibner/Imago

Differenz zwischen Herstellerangaben und Realbetrieb laut ICCT in doppelter Hinsicht nachteilig

Die Abweichungen im Realbetrieb sind laut der Umweltorganisation in doppelter Hinsicht nachteilig: „Das untergräbt die Bemühungen der EU zur Verringerung der verkehrsbedingten CO₂ -Emissionen und führt dazu, dass die Verbraucher mehr für Kraftstoff bezahlen müssen als erwartet“, so an Jan Dornoff, leitender Wissenschaftler beim ICCT und Mitverfasser des Berichts. Die ICCT fordert deshalb, dass in der EU künftig „reale Kraftstoffverbrauchsdaten“ herangezogen werden, die mit sogenannten OBFCM-Geräten (on-board fuel and energy consumption monitoring devices) erfasst und aufgezeichnet werden. 

Für die Untersuchung analysierten die Experten offizielle CO₂ -Emissionsdaten der Europäischen Umweltagentur (EEA) als Maß für den Kraftstoffverbrauch und verglichen sie mit realen Kraftstoffverbrauchsdaten von mehr als 160.000 Fahrzeugen verglichen. Die „Real-Daten“ stammen von der Website spritmonitor.de, auf der Fahrzeugeigentümer ihre „echten“ Verbrauchsdaten hinterlegen können.

Rubriklistenbild: © Paul-Philipp Braun/Imago

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