VonSebastian Oppenheimerschließen
Kaum ein Neuwagen kommt heute noch ohne Touchscreen auf den Markt – und die werden immer größer. Laut einem bekannten Autodesigner wird sich das aber ändern.
In der Automobilwelt ist es ähnlich wie mit der Mode: Trends kommen – und gehen auch wieder. Schon seit vielen Jahren ist einer der wichtigsten Trends im Fahrzeug der Bildschirm beziehungsweise Touchscreen. Je größer, desto besser. Gipfel der Display-Manie war der Mega-Screen, den die Marke Byton Ende der 2010er-Jahre präsentierte – selbst im Lenkrad saß ein weiterer Bildschirm. Zu einer Serienfertigung des M-Byte kam es aber nie. Auch andere Hersteller übertrieben es etwas, wie VW mit den Touch-Flächen am Lenkrad, die auf viel Kritik stießen – schon vor einigen Jahren ruderten die Wolfsburger wieder zurück und versprachen die Rückkehr analoger Tasten. Doch möglicherweise werden Auto-Innenräume generell wieder analoger – das prophezeit jedenfalls ein bekannter Designer. Und auch Sicherheitsaspekte sprechen dafür.
„Rückkehr zum Analogen“: Was Auto-Designer Luc Donckerwolke prophezeit
„Wir werden eine Rückkehr zum Analogen und eine Verkleinerung der Bildschirme erleben – aber es wird ein oder zwei Generationen dauern“, erklärte Luc Donckerwolke, Chefdesigner der Hyundai Motor Group (zu der Hyundai, Kia und Genesis gehören) kürzlich gegenüber dem Portal The Drive. Denn: „Einfach gesagt: Die Menschen haben ihre Telefone und sie haben alles, was sie brauchen, in ihren Telefonen.“ Allerdings hänge die Entwicklung auch vom Autotyp ab: So ist der belgische Designer davon überzeugt, dass in Basisautos künftig „Bring Your Own Device“ zum Standard werde. Bedeutet: Die Fahrer nutzen im Auto ihr eigenes Smartphone als Bildschirm. Luxusautos dagegen würden auch künftig Bildschirme haben, aber unterstützt von Sprachsteuerung. Grundsätzlich werde laut Donckerwolke die Abhängigkeit von großen Bildschirmen abnehmen.
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Crashtester von Euro NCAP fordern mehr physische Bedienelemente
Tatsächlich können die digitalen Cockpits moderner Autos auch zum Sicherheitsrisiko werden. Laut einer Umfrage fühlen sich viele Autofahrer bei der Bedienung „stark abgelenkt“. Offenbar nicht ganz ungerechtfertigt: Die Crashtester von Euro NCAP sehen in einer reinen Touch-Bedienung eine große Unfallgefahr, weswegen ab 2026 die Bewertungskriterien in Tests geändert werden sollen. Hersteller sollen ermutigt werden, für Grundfunktionen separate, physische Bedienelemente zu verwenden.
Warum laut einem Experten Hersteller verstärkt auf Touchscreens setzen
Dass so viele Hersteller auf Touchscreens setzen, hat laut einem Experten aber nicht in erster Linie damit zu tun, dass man dem Kunden etwas Gutes tun möchte. „Touchscreens und andere Displays wurden nicht eingeführt, weil sie besser, sondern weil sie günstiger als viele Schalter und Hebel sind“, sagte Professor Dieter Nazareth, Leiter des Studiengangs Automobilinformatik an der Uni Landshut, kürzlich gegenüber der dpa. Aus seiner Sicht könne ein Rückwärtstrend zu haptischen Elementen auch deshalb realistisch sein, weil mehr Schalter und Tasten auch als Zeichen von Hochwertigkeit und Qualität betrachtet werden könnten.
Teslas Blinkerknöpfe: Beispiel für problematische Bedienung
Dass nicht nur Fahrwerk und Motorleistung bei der Entwicklung eines Autos wichtig sind, sondern eben auch die Bedienung, zeigte Tesla: Der US-Elektroauto-Hersteller verzichtete unter anderem beim aktuellen Model 3 auf einen Blinkerhebel und ersetzte ihn durch Tasten am Lenkrad. An diese kann man sich zwar bei normaler Fahrt einigermaßen gewöhnen – doch im Kreisverkehr erhöht sich aufgrund der Verrenkungen an die Knöpfe zu kommen die Unfallgefahr.
