Krankhafte Erschöpfung

Weit mehr als nur müde: durch ME/CFS mit schwerer Fatigue „in seinem eigenen Körper gefangen“

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Chronische Fatigue – Viele Betroffene können sich aufgrund der anhaltenden Erschöpfung und Müdigkeit selbst nicht mehr versorgen, werden arbeitsunfähig. Studien zeigen: Auch Corona kann es auslösen.

Schätzungen zufolge leiden weltweit 17 bis 24 Millionen Menschen unter der Erkrankung Myalgische Enzephalomyelitis, dem chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS) – Tendenz stark steigend, auch als Folge der Corona-Pandemie. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation ME/CFS bereits seit 1969 als neurologische Erkrankung deklariert, gibt die Erkrankung noch immer Rätsel auf. Aufgrund der Covid-Pandemie und vergleichbarer Symptome bei Long Covid, erfährt die Myalgische Enzephalomyelitis neue Aufmerksamkeit – zum Glück muss man fast sagen.

Denn viele Betroffene wissen zunächst nicht, dass sie ME/CFS haben. Diese häufig unerklärliche Antriebslosigkeit und Erschöpfung, schon nach kleinsten Aktivitäten oder selbst durch Sitzen, zwingt sie tagelang zum Ausruhen. Grippeähnliche Symptome wie Halsschmerzen, Fieber und geschwollene Lymphknoten locken manche Mediziner in der Diagnostik zunächst auf die falsche Fährte. Einige Ärzte kennen das Erkrankungsbild bisher zu wenig, eine eindeutige Diagnose scheint vielen zunächst nicht so ohne weiteres möglich, sehr zum Leid der Betroffenen.

Chronisches Fatigue-Syndrom - Was ist das und wie äußert sich ME/CFS?

Das chronische Fatigue Syndrom äußert sich durch häufig unerklärliche Antriebslosigkeit und Erschöpfung, schon nach kleinsten Aktivitäten. (Symbolbild)

Die Myalgische Enzephalomyelitis oder das Chronische Fatigue-Syndrom ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die in vielen Fällen zu körperlicher Einschränkung führt. Weltweit sind etwa 17 Millionen Menschen betroffen. In Deutschland sind es schätzungsweise über 250.000, darunter 40.000 Kinder und Jugendliche, laut der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS e. V.

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Das chronische Fatigue-Syndrom ist bereits seit vielen Jahren bekannt, dennoch ist es nachwievor nicht vollständig erforscht. Was bekannt ist: ME/CFS kann durch vorangegangene Viruserkrankungen ausgelöst werden, beispielsweise dem Pfeifferschen Drüsenfieber. Im Rahmen von Corona und Long Covid kann die ME/CFS ebenfalls eine Folge sein, wie beispielsweise eine Lancet-Studie belegt. Das Risiko, mit einer Covid-19-Infektion oder -Impfung eine ME/CFS zu entwickeln, ist nicht höher als nach anderen Viruserkrankungen, so das Ergebnis einer Studie.

Fatigue-Syndrom: „Eine schwere chronische Erkrankung, die meistens nach einer Infektion auftritt“

Professor Dr. med. Carmen Scheibenbogen am Institut für medizinische Immunologie der Charité Berlin, gilt international als eine der führenden Experten, wenn es um ME/CFS geht. Die Immunologin forscht mit ihrem Team zu den Ursachen, Symptomen und schweren Auswirkungen der Myalgischen Enzephalomyelitis. „Wir wissen inzwischen, dass auch Covid bei einem Teil der Erkrankten ME/CFS auslöst“, so die Immunologin. Die Symptome seien bei allen sehr ähnlich, vor allem berichten viele von ungewöhnlich starken und lang anhaltenden Erschöpfungszuständen.

Immunsystem stärken und so Grippe bis Corona vorbeugen – acht einfache Regeln

Frau hält Glas Wasser in der Hand.
Wer ausreichend trinkt, hält die Schleimhäute in Mund und Rachen feucht. Das ist wichtig, weil diese die erste Schutzbarriere des Körpers gegen Viren und Bakterien darstellen. Trocknen die Schleimhäute aus, können Viren leichter andocken und sich einen Weg in den Körper bahnen. Auch das Lutschen von Bonbons hilft dabei, die Schleimhäute feucht zu halten.  © Tanya Yatsenko/Imago
Korb voll mit Gemüse und Obst
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse sorgt dafür, dass dem Körper wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zugeführt werden. Es wird vermutet, dass ein Zusammenhang zwischen einem gesunden Darm und einem gesunden Immunsystem besteht, denn ein Großteil der Antikörper produzierenden Zellen befinden sich im Darm, informiert das Portal München Klinik, der Gesundheitsversorger der Stadt München. © Oleksandr Latkun/Imago
Frau krault im Schwimmbad
Auch Bewegung macht uns weniger anfällig für Krankheitserreger. Mitverantwortlich ist die antientzündliche Wirkung von Sport und Bewegung auf unseren Körper. Davon profitiert auch unser Immunsystem, so Professor Karten Krüger von der Justus-Liebig-Universität in Giessen im Interview mit der Krankenkasse BKK Provita. Sein Forschungsgebiet: Die Wirkung von Bewegung auf unser Immunsystem. Ihm zufolge wird man seltener krank und übersteht eine Erkrankung besser, wenn man sich regelmäßig bewegt, gut schläft, sich ausgewogen ernährt und ein gutes Stressmanagement pflegt.  © Imago
Hand, die Weinglas und Zigarette hält
Inhaltsstoffe in Zigarettenrauch und Alkohol blockieren die körpereigene Abwehr und machen uns so anfälliger für Krankheiten. Nach einer durchzechten Nacht kann das Immunsystem Studien zufolge sogar bis zu 24 Stunden lang nicht wie gewohnt arbeiten, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch Rauchen fördert wie Alkohol Entzündungsprozesse im Körper, was eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfekte zur Folge haben kann. Zudem trocknet Zigarettenrauch die Schleimhäute aus, was deren Abwehrkraft abschwächt.  © macondo/Imago
Frau öffnet das Fenster zum Lüften
Vor allem im Herbst und im Winter sollten Sie regelmäßig lüften. Denn trockene Heizungsluft trocknet die Schleimhäute in Mund und Nase aus. Diese stellen die erste Barriere für Viren und Bakterien dar. Im ausgetrockneten Zustand sind die Schleimhäute weniger widerstandsfähig. © Roman Möbius/Imago
Wanderweg im Bergischen Land nahe der Müngstener Brücke
Bewegung an der frischen Luft stärkt unsere Atemwege. Auch das Immunsystem profitiert, weil über die Haut durch Kontakt mit Sonnenlicht Vitamin D produziert wird. „Es ist wissenschaftlich unstrittig, dass eine ausreichende Vitamin D-Versorgung zur normalen Funktion des Immunsystems beiträgt. Auch zeigen Studien, dass Menschen mit einer unzureichenden Vitamin D-Versorgung ein erhöhtes Risiko für akute Atemwegsinfekte aufweisen und von der Gabe von Vitamin D-Präparaten profitieren können“, heißt es in einem Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung.  © Olaf Döring/Imago
Gestresste Frau im Büro
Stress ist ein wahrer Immunkiller. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen verlieren die Immunzellen die Fähigkeit, sich zu vermehren, um Krankheitserreger abzutöten. Auch die Menge an Antikörpern in unserem Speichel verringert sich, so eine Information des Universitätsspitals Zürich.  © Joseffson/Imago
Frau schaltet den Wecker aus
Ausreichend Schlaf zählt zu den Grundpfeilern eines intakten Immunsystems. Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Universität Lübeck konnten dem ärztlichen Journal zufolge zeigen, dass bereits nach drei Stunden ohne Schlaf die Funktion der T-Zellen beeinträchtigt war. „T-Zellen zirkulieren ständig im Blutkreislauf und suchen nach Erregern. Die Adhäsion (Anmerkung der Redaktion: bedeutet so viel wie „Haftkraft“) an andere Zellen erlaubt ihnen dabei, im Körper zu wandern und beispielsweise an infizierte Zellen anzudocken, um sie anschließend zu beseitigen“, sagt Erstautor Stoyan Dimitrov.  © Oleksandr Latkun/Imago

Mögliche weitere Symptome des Fatigue-Syndroms sind:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Gliederschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Kurzatmigkeit
  • Schlafstörungen
  • Hypersensitivität in Form von Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit
  • Brain Fog“, sogenannter „Gehirn-Nebel“, der sich unter anderem in Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit zeigt

Müde und ohne Energie: Mit Chicorée den Stoffwechsel ankurbeln

Ernährung hilft gegen Frühjahrsmüdigkeit, wie der Chicorée. Er ist ein ganz fantastisches Lebensmittel, nicht nur kalt gegessen, auch warm“, sagt Dr. Anne Fleck, international anerkannte Expertin für innovative Präventiv- und Ernährungsmedizin. Chicorée unterstützt bei der Produktion von Gallenflüssigkeit und regt dadurch die Blutreinigung und Entgiftung über die Leber an. Die in diesem Gemüse enthaltenen Bitterstoffe entschlacken und entwässern zudem. Darüber hinaus ist Chicorée reich an Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen – insbesondere dem Ballaststoff Inulin, welcher der Darmflora guttut.

Fatigue durch Long Covid: Nach Corona „in seinem eigenen Körper gefangen“

Schon vor der Corona-Pandemie lebten in Deutschland ca. 250.000 Menschen mit der Diagnose Myalgische Enzephalomyelitis. „Wir wissen jetzt, dass infolge von Covid die ME/CFS deutlich zugenommen hat und vermutlich auch weiter zunehmen wird“, sagt Professor Scheibenbogen. „Wir gehen davon aus, dass es jetzt etwa weitere 100.000 ME/CFS Erkrankte allein in Deutschland gibt.“

Das bedeutet letztlich, zehntausende Menschen werden voraussichtlich auf mitunter permanente Hilfe im Alltag angewiesen sein.
„Ich meine, schwerkranke jungen Menschen, die nicht mehr arbeiten können. Das hat ja auch insgesamt soziale und wirtschaftliche Folgen in einer Dimension, die wir uns noch gar nicht richtig vorstellen können“, sagt die Immunologin.

Ständige Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit sind Symptome, über die Long-Covid-Betroffene immer wieder berichten: „Du bist gefangen in einem Körper, der nicht mehr machen kann, was Du früher gemacht hast“, „Für mich war klar, dass ich durch Long Covid in diese Fatigue hinein gerutscht bin, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht nur erschöpft bin, sondern dass bei Belastung spätestens nach zwei Tagen gar nichts mehr geht“, „Es fehlt das Gesamtkörpergefühl – es ist so wie ausgebremst sein“.

Zehn Gründe, warum Sie immer müde sind – Schilddrüse kann schuld sein

Zu viel Stress kann sich auch auf die Schilddrüse auswirken.
Menschen, die unter einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, haben oftmals mit extremer Müdigkeit zu kämpfen. So spielt die Schilddrüse eine große Rolle bei der Hormonproduktion. Ist diese gehemmt, zeigt sich eine Schilddrüsenunterfunktion durch Erschöpfung und Müdigkeit.  © AndreyPopov/imago
Wer das Handy nachts abschaltet, tut nicht nur dem Akku, sondern auch der eigenen Gesundheit etwas Gutes.
Wer mit dem Handy ins Bett geht, schläft nachweislich schlechter. Grund dafür ist die ständige Ablenkung, aber auch das blaue Licht. Dieses sorgt dafür, dass wir erst später müde werden und so schlechter in den Schlaf finden.  © Imago
Frau sitzt auf Bett und hält Kopf in Händen.
Depressive Verstimmungen im Herbst und Winter sind weit verbreitet. Auch Probleme in der Familie oder auf dem Arbeitsplatz können Müdigkeit durch psychische Leiden wie Burnout oder Stress herbeiführen.  © IMAGO / Shotshop
Eine junge Frau ist i Profil zu sehen und trinkt Mineralwasser aus einem Glas (Symbolbild).
Da unser Körper zum Großteil aus Wasser besteht, benötigt er ausreichend Flüssigkeit um optimal funktionieren zu können. Flüssigkeitsmangel kann daher zu Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Kopfschmerzen, Gedächtnisproblemen und Schwindel führen.  © Petra Schneider-Schmelzer/ Imago
Frau hält eine Tasse in der Hand und lacht.
Gerade in Deutschland leiden viele Menschen unter einem chronischen Vitamin-D-Mangel. Verursacht wird dieser durch zu wenig Sonnenlicht. Typische Beschwerden sind neben Müdigkeit auch Muskelschmerzen und häufige Infekte.  © "AntonioGuillem"/Imago
Eine Eisenmangelanämie ruft unter anderem Symptome wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit hervor. (Symbolbild)
Wer zu wenig oder schlecht schläft, ist tagsüber zwangsläufig müde. Betroffene sollten ihren Schlafrhythmus zunächst genauer unter die Lupe nehmen. Zu spätes Zubettgehen, frühes Aufstehen und ein Arbeitsrhythmus, der entgegen des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus ausgerichtet ist, sollten vermieden werden.  © Sofiya Garaeva/Imago
Es ist ein Mann im Fitnessstudio zu sehen (Symbolbild).
Wichtige Körperfunktionen wie Kreislauf, Durchblutung und Stoffwechsel, aber auch Muskeln und Gelenke sind auf ausreichend Bewegung angewiesen. Ein Bewegungsmangel kann so die Leistungsfähigkeit einschränken und Müdigkeit verstärken.  © Pathermedia / Imago
Eine Eisenmangelanämie ruft unter anderem Symptome wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit hervor. (Symbolbild)
Stress sorgt dafür, dass der Körper in Alarmbereitschaft gerät. Hält dieser dauerhaft an, führt das allerdings dazu, dass der Organismus ermüdet. Antriebslosigkeit und erhöhte Reizbarkeit sind die Folge.   © Daniel Vineyard/Imago
Eine Frau trinkt ein Glas Wasser mit aufgelöster Eisentablette
Erschöpfung und Müdigkeit sind typische Beschwerden bei einem Eisen-Mangel. Besonders Frauen sollten auf eine ausreichende Eisenzufuhr achten, da sie Eisen meist nur in geringen Mengen zu sich nehmen. Dabei können auch Eisenpräparate helfen.  © Florian Gaertner/Imago
Die benötigte Menge Vitamin C lässt sich ganz leicht durch die Ernährung aufnehmen, etwa durch Obst und Gemüse.
Eine unausgewogene Ernährung mit zu viel Fett und Zucker zählt zu den häufigsten Ursachen von Müdigkeit. Grund dafür ist, dass der Körper für die Verdauung von kalorienreichem Essen mehr Energie benötigt, welche dann anderswo fehlt. Menschen die fett- und kalorienreich essen, fühlen sich daher häufiger müde. Wer regelmäßig Obst und Gemüse zu sich nimmt, fühlt sich dagegen fitter.  © Giorgio Fochesato/imago

Fatigue-Syndrom: Ursächliche Therapie gibt es noch nicht

Bislang gibt es noch keine anerkannten Behandlungsmöglichkeiten für die Myalgische Enzephalomyelitis, dem chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Betroffene versuchen, die Beschwerden symptomatisch zu lindern und ihr Energielimit entsprechend einzuteilen. Bleibt zu hoffen, dass die Forschung im Bereich der ME/CFS voranschreitet.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Antonio Guillen Fernández/Imago

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