Weit mehr als nur müde: durch ME/CFS mit schwerer Fatigue „in seinem eigenen Körper gefangen“
VonNatalie Hull-Deichsel
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Chronische Fatigue – Viele Betroffene können sich aufgrund der anhaltenden Erschöpfung und Müdigkeit selbst nicht mehr versorgen, werden arbeitsunfähig. Studien zeigen: Auch Corona kann es auslösen.
Schätzungen zufolge leiden weltweit 17 bis 24 Millionen Menschen unter der Erkrankung Myalgische Enzephalomyelitis, dem chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS) – Tendenz stark steigend, auch als Folge der Corona-Pandemie. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation ME/CFS bereits seit 1969 als neurologische Erkrankung deklariert, gibt die Erkrankung noch immer Rätsel auf. Aufgrund der Covid-Pandemie und vergleichbarer Symptome bei Long Covid, erfährt die Myalgische Enzephalomyelitis neue Aufmerksamkeit – zum Glück muss man fast sagen.
Denn viele Betroffene wissen zunächst nicht, dass sie ME/CFS haben. Diese häufig unerklärliche Antriebslosigkeit und Erschöpfung, schon nach kleinsten Aktivitäten oder selbst durch Sitzen, zwingt sie tagelang zum Ausruhen. Grippeähnliche Symptome wie Halsschmerzen, Fieber und geschwollene Lymphknoten locken manche Mediziner in der Diagnostik zunächst auf die falsche Fährte. Einige Ärzte kennen das Erkrankungsbild bisher zu wenig, eine eindeutige Diagnose scheint vielen zunächst nicht so ohne weiteres möglich, sehr zum Leid der Betroffenen.
Chronisches Fatigue-Syndrom - Was ist das und wie äußert sich ME/CFS?
Das chronische Fatigue Syndrom äußert sich durch häufig unerklärliche Antriebslosigkeit und Erschöpfung, schon nach kleinsten Aktivitäten. (Symbolbild)
Die Myalgische Enzephalomyelitis oder das Chronische Fatigue-Syndrom ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die in vielen Fällen zu körperlicher Einschränkung führt. Weltweit sind etwa 17 Millionen Menschen betroffen. In Deutschland sind es schätzungsweise über 250.000, darunter 40.000 Kinder und Jugendliche, laut der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS e. V.
Das chronische Fatigue-Syndrom ist bereits seit vielen Jahren bekannt, dennoch ist es nachwievor nicht vollständig erforscht. Was bekannt ist: ME/CFS kann durch vorangegangene Viruserkrankungen ausgelöst werden, beispielsweise dem Pfeifferschen Drüsenfieber. Im Rahmen von Corona und Long Covid kann die ME/CFS ebenfalls eine Folge sein, wie beispielsweise eine Lancet-Studie belegt. Das Risiko, mit einer Covid-19-Infektion oder -Impfung eine ME/CFS zu entwickeln, ist nicht höher als nach anderen Viruserkrankungen, so das Ergebnis einer Studie.
Fatigue-Syndrom: „Eine schwere chronische Erkrankung, die meistens nach einer Infektion auftritt“
Professor Dr. med. Carmen Scheibenbogen am Institut für medizinische Immunologie der Charité Berlin, gilt international als eine der führenden Experten, wenn es um ME/CFS geht. Die Immunologin forscht mit ihrem Team zu den Ursachen, Symptomen und schweren Auswirkungen der Myalgischen Enzephalomyelitis. „Wir wissen inzwischen, dass auch Covid bei einem Teil der Erkrankten ME/CFS auslöst“, so die Immunologin. Die Symptome seien bei allen sehr ähnlich, vor allem berichten viele von ungewöhnlich starken und lang anhaltenden Erschöpfungszuständen.
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Hypersensitivität in Form von Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit
„Brain Fog“, sogenannter „Gehirn-Nebel“, der sich unter anderem in Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit zeigt
Müde und ohne Energie: Mit Chicorée den Stoffwechsel ankurbeln
„Ernährung hilft gegen Frühjahrsmüdigkeit, wie der Chicorée. Er ist ein ganz fantastisches Lebensmittel, nicht nur kalt gegessen, auch warm“, sagt Dr. Anne Fleck, international anerkannte Expertin für innovative Präventiv- und Ernährungsmedizin. Chicorée unterstützt bei der Produktion von Gallenflüssigkeit und regt dadurch die Blutreinigung und Entgiftung über die Leber an. Die in diesem Gemüse enthaltenen Bitterstoffe entschlacken und entwässern zudem. Darüber hinaus ist Chicorée reich an Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen – insbesondere dem Ballaststoff Inulin, welcher der Darmflora guttut.
Fatigue durch Long Covid: Nach Corona „in seinem eigenen Körper gefangen“
Schon vor der Corona-Pandemie lebten in Deutschland ca. 250.000 Menschen mit der Diagnose Myalgische Enzephalomyelitis. „Wir wissen jetzt, dass infolge von Covid die ME/CFS deutlich zugenommen hat und vermutlich auch weiter zunehmen wird“, sagt Professor Scheibenbogen. „Wir gehen davon aus, dass es jetzt etwa weitere 100.000 ME/CFS Erkrankte allein in Deutschland gibt.“
Das bedeutet letztlich, zehntausende Menschen werden voraussichtlich auf mitunter permanente Hilfe im Alltag angewiesen sein. „Ich meine, schwerkranke jungen Menschen, die nicht mehr arbeiten können. Das hat ja auch insgesamt soziale und wirtschaftliche Folgen in einer Dimension, die wir uns noch gar nicht richtig vorstellen können“, sagt die Immunologin.
Ständige Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit sind Symptome, über die Long-Covid-Betroffene immer wieder berichten: „Du bist gefangen in einem Körper, der nicht mehr machen kann, was Du früher gemacht hast“, „Für mich war klar, dass ich durch Long Covid in diese Fatigue hinein gerutscht bin, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht nur erschöpft bin, sondern dass bei Belastung spätestens nach zwei Tagen gar nichts mehr geht“, „Es fehlt das Gesamtkörpergefühl – es ist so wie ausgebremst sein“.
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Fatigue-Syndrom: Ursächliche Therapie gibt es noch nicht
Bislang gibt es noch keine anerkannten Behandlungsmöglichkeiten für die Myalgische Enzephalomyelitis, dem chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Betroffene versuchen, die Beschwerden symptomatisch zu lindern und ihr Energielimit entsprechend einzuteilen. Bleibt zu hoffen, dass die Forschung im Bereich der ME/CFS voranschreitet.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.