Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung. Betroffene leiden zunehmend an Demenz. Doch nicht jeder kann sich einen Gehirnscan zur Diagnose leisten (Symbolbild).
Viele ältere Menschen weisen leichte kognitive Beeinträchtigungen auf, die später zu einer Demenz führen können. Allerdings wird nur ein Bruchteil davon rechtzeitig diagnostiziert.
Erhebliche Lücken bei der Erkennung leichter kognitiver Beeinträchtigungen
Die leichte kognitive Störung, auch „mild cognitive impairment“ (MCI) genannt, ist eine im höheren Alter häufige Beeinträchtigung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Denkvermögen. Sie geht meist ohne wesentliche Alltagseinschränkungen einher, stellt laut Experten des Deutschen Ärzteblatts jedoch das Vorstadium einer Demenz dar.
Werden die leichten kognitiven Beeinträchtigungen nicht erkannt und Alzheimer später diagnostiziert, ist das Gehirn in der Regel schon stark geschädigt. Die Betroffenen leben durchschnittlich nur noch weniger als zehn Jahre, wie der NDR berichtet. Wissenschaftler arbeiten daher an der Entwicklung sicherer Frühtests, die lange vor dem Ausbruch der Demenz Hinweise auf die Alzheimerkrankheit geben. Die aktuellen Ergebnisse sind laut den US-amerikanischen Forschern allerdings ein Hinweis darauf, dass es erhebliche Lücken bei der Erkennung leichter kognitiver Beeinträchtigungen gibt.
Nur acht Prozent der leichten kognitiven Beeinträchtigungen diagnostoziert
In einer ersten Studie untersuchte das Forscher-Team um Ying Liu, wie oft leichte kognitive Beeinträchtigungen diagnostiziert – und wie häufig diese übersehen werden. Anhand von Daten aus der Health and Retirement Study, einer Längsschnittuntersuchung mit etwa 20.000 Menschen in den USA, versuchten die Wissenschaftler vorherzusagen, wie viele Probanden früher oder später eine MCI-Diagnose erhalten müssten. Anschließend verglichen sie das Ergebnis mit den tatsächlichen Diagnosen.
Dabei zeigte sich: Von den zu erwartenden acht Millionen Fällen erhielten nur etwa acht Prozent tatsächlich eine korrekte Diagnose. Diese Erkenntnis wurde in einer weiteren Studie bestätigt. Auch hier stellte sich heraus, dass nur etwa acht Prozent der vorhergesagten Fälle tatsächlich diagnostiziert wurden; und nur 0,1 Prozent der Ärzte die Krankheit so oft diagnostizierten, wie es nach den Berechnungen des Teams erforderlich gewesen wäre.
Erste Anzeichen von Demenz: Elf Symptome können auf die Erkrankung hindeuten
Die Folgen sind laut Experten verheerend. „Wir lassen viele Menschen im Stich“, erklärt Sarah Banks, Neuropsychologin an der University of California und Leiterin des neuropsychologischen Programms der dortigen Klinik für Gedächtnisstörungen, gegenüber dem Wissenschaftsmagazin Wired.de. „Es überrascht mich nicht, dass es unterdiagnostiziert wird, aber ich war überrascht, wie sehr.“
Gerade für die Behandlung von Alzheimer ist eine Früherkennung wichtig. In Deutschland steht seit 2023 ein neues Alzheimer-Medikament mit dem Wirkstoff Lecanemab zur Verfügung. Der Wirkstoff soll die Demenz-Krankheit mehrere Monate hinauszögern können. Eine Behandlung mit Lecanemab kommt allerdings ausschließlich für Patienten im Frühstadium der Erkrankung in Betracht.
Wichtig ist eine Früherkennung auch für Betroffene und Angehörige, um sich rechtzeitig mit der Krankheit und ihren Folgen auseinandersetzen und entsprechende Hilfsangebote annehmen zu können.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.