Symptome bei Demenz

Alzheimer: Forscher finden bisher frühestes Warnzeichen

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Um die Alzheimer zu behandeln, versuchen Forscher herauszufinden, wie die Krankheit sich in frühen Stadien bemerkbar macht. Erstes Warnzeichen könnte eine erhöhte Aktivität in bestimmten Gehirnbereichen sein.

Die Diagnose von Alzheimer erfolgt häufig erst sehr spät. In den meisten Fällen bleiben die Symptome lange Zeit unerkannt. Ärzte stehen bei der Behandlung von Demenz daher vor einer großen Herausforderung. Während die Forschung sich auf das Verständnis der Ursachen fokussiert, erweist sich diese als schwieriger, als erhofft. Erste Erfolge bei der Identifikation möglicher Warnzeichen meldet nun ein US-amerikanisches Forscherteam. Die Wissenschaftler fanden in einer Tierstudie die „bisher frühestens Biomarker“ für Alzheimer. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal EMBO Reports veröffentlicht.

Kognitiver Abbau und Vergesslichkeit treten erst sehr spät auf

Ein Gehirnscan: Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung. Betroffene leiden zunehmend an Demenz (Symbolbild).

Bevor Verhaltensveränderungen und Gedächtnislücken sowie die charakteristischen Amyloid-Beta-Plaques auftreten, scheinen laut den Experten bereits andere Symptome erste Hinweise auf die Entwicklung der Krankheit zu geben. Obwohl die Erkenntnisse noch keine sofortige Anwendung im klinischen Alltag als Diagnoseinstrumente finden, können die Ergebnisse den Autoren der Studie zu Folge dazu beitragen, die Erscheinungsformen der Alzheimerkrankheit besser zu verstehen.

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Mit dem kognitiven Abbau, verursacht durch die Alzheimer-Krankheit, nimmt die Aktivität der Gehirnzellen langfristig ab. Zu Beginn der Erkrankung kommt es allerdings zu einem Paradox: Es mag zunächst kontraintuitiv erscheinen, dass eine ruckartige Aktivität der Gehirnzellen eine Krankheit ankündigt, bei der Neuronen absterben und kognitive Fähigkeiten schwinden, wie das Wissenschaftsmagazin Science Alert berichtet.

Erste Anzeichen von Demenz: Elf Symptome können auf die Erkrankung hindeuten

Mann schläft in Bett
Schon Jahre zuvor kann ein gestörter Schlaf mit intensiven Träumen auf eine spätere Demenz-Erkrankung hindeuten. Laut Ergebnissen einer kanadischen Studie soll die sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung ein Warnzeichen für Gehirnerkrankungen sein, die ca. 15 Jahre später auftreten. Menschen, die heftig träumen und dabei um sich schlagen oder treten, sollen ein 80 bis 100 Prozent höheres Risiko haben, eine neurodegenerative Erkrankung wie Demenz oder Parkinson zu entwickeln. © Monkeybusiness/IMAGO
Verschwommene Frau am Tisch
Wahrnehmungsstörungen bis hin zu Halluzinationen sind auch als Frühsymptom bei einer Demenz möglich, insbesondere bei der Lewy-Körper-Demenz. Vielen Betroffenen fällt es schwer, Bilder, Farben, Kontraste zu erkennen und räumliche Dimensionen zu erfassen. Auch das Wiedererkennen von vertrauten Gesichtern kann dadurch beeinträchtigt sein. Betroffene sehen beispielsweise in einer fremden Person plötzlich die eigene Mutter. Laut Ärztezeitung zeigen Studien mit Alzheimerpatienten, dass etwa ein Drittel der Betroffenen Wahnvorstellungen entwickelt, etwa ein Sechstel ausgeprägte Halluzinationen. © weedezign/Imago
Person macht sich Notizen
Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit zählen zu den typischen Symptomen, die Betroffenen und auch Angehörigen durch eine beginnende Demenz auffallen. Betroffene können sich gefühlt plötzlich wichtige Termine nicht mehr merken, müssen ihren Alltag mithilfe von Gedächtnisstützen und Erinnerungsnotizen organisieren. Sie verpassen es, den Herd abzuschalten, lassen den Schlüssel in der Haustür nach dem Aufsperren stecken, verlegen Gegenstände – auch da sie diese plötzlich an ungewöhnlichen, abwegigen Orten verräumen. Zudem zeigen Betroffene Schwierigkeiten, bekannten Gesichtern die Namen zuzuordnen. Normale kognitive Veränderungen unterscheiden sich zur Vergesslichkeit in Zusammenhang mit einer angehenden Demenz dahingehend, dass Namen oder Verabredungen zwar kurzfristig vergessen, aber später häufig wieder erinnert werden, so die „Alzheimer Forschung Initiative e. V.“ © Ute Grabowsky/photothek.net/Imago
Älteres Paar
Demenz macht sich durch eine zunehmende Verwirrung bemerkbar, die sich in einem gestörten Urteilsvermögen zeigt. Die Kleidung wird nicht mehr dem Wetter entsprechend gewählt, Betroffene möchten plötzlich beispielsweise Winterstiefel oder eine Mütze an warmen Tagen tragen, wie es das Portal „Neurologen und Psychiater im Netz“ beschreibt. © Panthermedia/Imago
Mann stützt seinen Kopf
Depression und Demenz beeinflussen einander. Wer unter Depression leidet, hat ein um bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Umgekehrt sind auch Menschen mit Demenz um bis zu 50 Prozent eher von depressiven Phasen betroffen, begleitet von Schlafstörungen und abnehmendem Appetit. © imagebroker/theissen/Imago
Mann reagiert aggressiv
Persönlichkeitsveränderungen mit gereizter Stimmung und aggressivem Verhalten können ebenfalls eine beginnende Demenz ankündigen: Bisher sanftmütige Menschen zeigen plötzlich starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund, reagieren übertrieben, aufbrausend, feindselig, selbst vertrauten Menschen gegenüber. Meist sind es die Angehörigen, denen die Wesensveränderungen auffallen und die den Verdacht einer Demenz äußern. © marcus/Imago
Frau riecht an einem blühenden Ast eines Baumes im Frühling
Ähnlich wie bei Parkinson kann es durch eine sich entwickelnde Demenz zum Verlust des Geruchssinns und daran gekoppelt ein vermindertes Geschmacksempfinden kommen. Können ältere Menschen plötzlich nicht mehr riechen, kann dies auf eine künftige Demenz hindeuten, wie eine Studie der Mayo-Klinik in Rochester unter der Leitung von Dr. Rosebud Roberts nachweisen konnte. © imageBROKER/Manuel Kamuf/Imago
Ältere Frau am Telefon
Menschen, die eine Demenz entwickeln, fällt es zusehends schwer, einer Unterhaltung zu folgen und aktiv an einem Gespräch teilzunehmen, wie es die „Alzheimer Forschung Initiative e. V.“ schildert. Betroffene verlieren im Gespräch häufig gedanklich den Faden, wiederholen Sätze, zeigen Wortfindungsschwierigkeiten und verwenden unpassende Füllwörter. © edbockstock/Imago
Mann sitzt am Bettrand
An Demenz erkrankte Menschen leiden häufig an Schlafstörungen und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus. Die „innere Uhr“ wird durch die absterbenden Nervenzellen im Gehirn beeinträchtigt. Betroffene können häufig abends nicht einschlafen, sind nachts sehr unruhig, irren zum Teil umher. © Monkeybusiness/Imago
Mann in Fußgängerzone
Menschen, die an Demenz erkranken, finden sich an neuen und selbst gewohnten Orten schwerer zurecht, entwickeln räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme. Orte oder Zeitabstände können nicht mehr eingeordnet werden. Betroffene vergessen zum Beispiel das Jahr und die Jahreszeit, können die Uhrzeit nicht mehr lesen, wissen nicht mehr, wie ihr Heimweg ist. © Westend61/Imago
Ältere Dame mit Rechenmaschine
Menschen, die eine Demenz entwickeln, zeigen zunehmend kognitive Schwierigkeiten. Die „Alzheimer Forschung Initiative e. V.“ fasst zusammen, dass Demente komplexere Aufgaben, wie das Berechnen des Wechselgeldes, das Ausfüllen von Formularen sowie Lesen von Rezepten, schwerfällt. Betroffene bemerken selbst häufig, dass sie sich schlechter konzentrieren können und für vieles mehr Zeit als zuvor benötigen. © Joseffson/Imago

Erhöhte Aktivität in Gehirnbereichen deutet auf Alzheimer-Krankheit hin

Bereits frühere Studien konnten zeigen, dass Patienten mit einem Alzheimer-Risiko in den frühen Stadien der Krankheit einen Anstieg der neuronalen Aktivität verzeichnen. Diese Aktivität war auf Gehirnscans in bestimmten Teilen des Gehirns erkennbar, lange bevor die ersten Symptome auftraten.

Chinesische Forscher fanden in einer Untersuchung heraus, dass bei fast einem Drittel der Probanden, die ein genetisches Risiko trugen, an Alzheimer zu erkranken, entsprechende „Aktivitätsanfälle“ auftraten. In einer weiteren Studie stellten Wissenschafter der University of California fest, dass Menschen mit Alzheimer, die starke Spitzen in der Hirnaktivität aufweisen, tendenziell in einem früheren Alter diagnostiziert werden.

Experimente an Mäusen zeigen erhöhte Aktivität in Gehirnteilen

Ursache für die anfallsartige Aktivität könnte eine Schädigung der Neuronen sein. Welche Mechanismen hinter der Erregbarkeit der Neuronen in den frühen Stadien der Alzheimerkrankheit stehen, bleibt allerdings weiterhin unklar. Frühere Untersuchungen geben Hinweise, dass abnormale Kalziumionenwerte in den Zellen und Amyloid-beta (Aβ)-Plaques, eines der Hauptmerkmale der Alzheimer-Krankheit, für die Aktivitätsveränderungen verantwortlich sein könnten.

Der Molekularbiologe Yeeun Yook von der University of Illinois und seine Kollegen stießen zudem auf ein neuronenspezifisches Protein (PSD-95). Das Protein fördert die erregende Aktivität von Synapsen, den Verbindungsstellen zwischen Neuronen, indem es mehr Rezeptoren rekrutiert. In einer Reihe von Verhaltens- und Gewebeexperimenten an Mäusen fanden die Forscher erhöhte Werte von PSD-95, die durch das Vorhandensein von Aβ hervorgerufen wurden. Die Forscher konnten außerdem zeigen, wie das Protein eine treibende Kraft hinter der Anfallsaktivität war. Hemmungen von PSD-95 verursachten dagegen eine geringere Aktivität an der Synapse und weniger Anfälle bei den Mäusen.

Protein könnte früh Hinweise auf Alzheimerkrankheit geben

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass PSD-95 einen entscheidenden Beitrag zur Übererregbarkeit in den frühesten Stadien der Alzheimerkrankheit leistet“, sagt Nien-Pei Tsai, Molekularbiologe an der University of Illinois und Hauptautor der Studie. „Wir denken also, dass PSD-95 ein früher Biomarker sein kann, der anzeigt, dass ein Patient an Alzheimer oder einer erhöhten Anfallsanfälligkeit leiden könnte“, so Nien-Pei Tsai.

Natürlich wird die Umsetzung dieser Erkenntnisse in klinische Anwendungen noch viel Arbeit erfordern. Die Forscher sind jedoch zuversichtlich, dass PSD-85 ein neues Warnzeichen in der Behandlung bei der Alzheimer-Krankheit sein könnte. „Die Validierung dieser Vorhersage könnte unsere ursprüngliche Hypothese weiter untermauern, dass PSD-95-abhängige neuronale Defekte früh in der Krankheit auftreten und dass die Hemmung von PSD-95, zumindest in der frühen Phase der Krankheit, das Fortschreiten der Symptome verlangsamen könnte“, so das Team abschließend.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Westend61/ Andrew Brookes

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