Strategien, um mit der Erkrankung umzugehen

Was tun nach der Demenz-Diagnose: Fünf wertvolle Tipps von betroffenen Menschen mit Demenz

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Mit der Diagnose Demenz ist für Betroffene und Angehörige nichts mehr, wie es war. Umso wichtiger ist es, sich Hilfe zu holen und auszutauschen. Strategien können den Umgang mit der Erkrankung erleichtern.

So schwer es zunächst fallen mag: neben der Therapie der Symptome und möglichen Maßnahmen zur Vorsorge wie Pflege und Finanzplanung, ist auch eine Strategie für den Umgang mit der Erkrankung wichtig. Insbesondere Menschen, die bereits mit der Diagnose Demenz leben, können Betroffenen und Angehörigen wertvolle Tipps geben, worauf es nach der Diagnose ankommt: „Erfüllen Sie sich in den nächsten Jahren Ihre Wünsche, zum Beispiel gemeinsame Reisen – später geht es immer schwerer oder gar nicht mehr“, bekräftigt ein Angehöriger eines Demenz-Patienten im Austausch mit der Alzheimer Gesellschaft e. V.

Leben mit Demenz: Aufklärung hilft, um Strategien zu finden

Nach der Demenz-Diagnose ist Verständnis und Unterstützung von außen, beispielsweise von Angehörigen, für Betroffene sehr wichtig. Das kann den Umgang mit der Erkrankung und den Herausforderungen, die kommen, erleichtern. (Symbolbild)

Je mehr Betroffene und Angehörige über die zeitliche Entwicklung von Alzheimer und Demenz wissen, desto besser können sie Veränderungen im Rahmen der Erkrankung einordnen und Entscheidungen treffen hinsichtlich Therapie sowie zukünftiger Pflege. Ein erster wichtiger Schritt ist es, frühe Anzeichen von Alzheimer sowie mögliche Symptome, die im Laufe der Demenz auftreten können, zu kennen. Auch mit Alzheimer und anderen fortschreitenden Demenzen könne gerade zu Beginn noch eine Form von Lebensqualität aufrechterhalten werden, wie die Alzheimer‘s Association aus Erfahrung von Betroffenen weiß.

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Wie hoch Ihr Demenz-Risiko ist: Zehn Lebensumstände tragen zu einer Erkrankung bei

Ältere Person fasst sich ans Ohr
Schwerhörigkeit gilt als ein entscheidender Risikofaktor für Demenz, wenn sie nicht behandelt wird. Mediziner gehen davon aus, dass Hörverlust vermutlich zu Schäden im Gehirn führen kann. Da Gehirnareale sich durch die Schwerhörigkeit sehr auf das richtige Hören konzentrieren, können andere Hirnfunktionen vernachlässigt werden. Insbesondere die Hirnrinde und der Hippocampus, die Schaltstelle zwischen Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis, scheinen betroffen zu sein. Die immer schwächer werdenden Signale des Hörsinns sollen die normale Funktion der Nervenzellen im Hippocampus beeinträchtigen, sodass letztlich Zellen zugrunde gehen. Der Verlust des Hörens sollte möglichst früh erkannt und mit einem Hörgerät behandelt werden, um das Risiko einer Demenz zu senken. Wer im mittleren Lebensalter eine Schwerhörigkeit vermeidet, beispielsweise durch das Hörgerät-tragen, reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung im Durchschnitt um acht Prozent, laut „International Commission on Dementia Prevention, Intervention and Care“. © AndreyPopov/Imago
Frau sitzt traurig auf dem Bett
Soziale Isolation und Einsamkeit stellen ebenfalls ein Risiko dar, eine Demenz zu entwickeln. Dies zeigt eine große Langzeitstudie der Fudan Universität in China unter der Leitung von Chun Shen. Demzufolge könne ein Mangel an sozialem Austausch mit der Zeit zu einem Abbau der grauen Hirnsubstanz führen und die Wahrscheinlichkeit einer späteren Demenzerkrankung um ca. 26 Prozent erhöhen. © Monkey Business/Imago
Mann stützt seinen Kopf
Zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen im Alter zählen Demenz und eine Depression. Etwa jeder fünfte Mensch, der an Demenz erkrankt ist, leidet früher oder später an einer leichten bis schweren Depression. Depression und Demenz bedingen einander, laut dem Portal „Wegweiser Demenz“. Wer unter Depression leidet, hat ein um bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Umgekehrt sind auch Menschen mit Demenz um bis zu 50 Prozent eher von depressiven Phasen betroffen, begleitet von Schlafstörungen und abnehmendem Appetit. © imagebroker/theissen/Imago
Röntgenbild vom Kopf
Laut „Ärztezeitung“ erleiden jedes Jahr in Deutschland etwa 270.000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) aufgrund eines Sturzes oder Schlags gegen den Kopf. Wissenschaftler der Universitäten Washington und Aarhus konnten anhand intensiver Langzeituntersuchungen von 2,8 Millionen Patientendaten feststellen, dass selbst nach leichten Traumata das Risiko für eine Demenz deutlich steigt. Die Auswertungen zeigten, dass bei einem einzigen gravierenden Trauma die Wahrscheinlichkeit einer späteren Demenz um 33 Prozent steigt, nach einer Gehirnerschütterung um 17 Prozent. © Cavan Images/Imago
Frau mit Blutdruckmessgerät
Zu hoher Blutdruck, der unbehandelt bleibt, schädigt nicht nur die Blutgefäße und Organe. Dauerhaft erhöhter Blutdruck kann zu chronischen Durchblutungsstörungen im Gehirn führen. Durch Gefäßveränderungen ist das Risiko für eine vaskuläre Demenz gegeben. Die vaskuläre Demenz ist nach Alzheimer die zweithäufigste Form von Demenz und entsteht meist aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn als Folge mehrerer kleiner Schlaganfälle. In einer Studie des Leipziger Max-Planck-Instituts wurde anhand der Kernspintomografien des Gehirns von mehr als 400 Probanden erkannt, dass selbst Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck schon Veränderungen des Gehirns aufwiesen – die Größe mancher Gehirnareale war reduziert. Je höher der Blutdruck war, desto geringer war die Gehirnmasse. Es bedarf letztlich weiterer Studien, um herauszufinden, ob die sichtbaren strukturellen Veränderungen des Gehirns tatsächlich eine Demenz zur Folge haben werden. © Digitalpress/Imago
Person misst Blutzucker am Finger
Menschen, die an Diabetes erkrankt sind und daher ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig prüfen müssen, sollen ein erhöhtes Risiko für eine Demenzerkrankung haben. Laut „Ärzteblatt“ ist der Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen evident, wobei noch unklar ist, ob und welche Diabetes-Therapie auch den kognitiven Defiziten vorbeugen könnte. Studien zeigen, dass das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, bei Menschen mit Diabetes circa 1,5-fach erhöht ist – insbesondere bei Diabetes Typ 2. Zudem sollen Frauen mit Diabetes ein 2,3-fach und Männer ein 1,7-fach höheres Risiko haben, eine vaskuläre Demenz zu entwickeln. © AllaRudenko/Imago
Person, die raucht
Forschern zufolge, kann Rauchen den Stoffwechsel von Hirnzellen schädigen, wodurch das Risiko für Alzheimer signifikant steigt. Wie hoch das Risiko beim Einzelnen ist, hängt tatsächlich von der Anzahl der gerauchten Zigaretten ab. Wer pro Tag mehr als eine halbe Packung Zigaretten raucht, hat ein um 34 Prozent höheres Risiko, eine Demenz zu entwickeln, wie das Portal „Lungenärzte im Netz“ berichtet. © Digirex/Imago
Mann und Frau stoßen mit Alkohol an
Hoher Alkoholkonsum kann eine frühe Demenz auslösen, wie die „Ärztezeitung“ berichtet. Alkoholmissbrauch ist nach Daten einer französischen Studie mit 32 Millionen Personendaten eine entscheidende Ursache für eine früh beginnende Demenz. Männer, die in jungen Jahren bereits Alkohol konsumierten, entwickelten zu zwei Drittel eine Demenz – und das bereits vor ihrem 65. Lebensjahr. Es zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung bei Menschen, die regelmäßig und viel Alkohol konsumierten, etwa viereinhalbfach höher ist. © William Perugini/Imago
Übergewichtiger Mann mit Fettpolster
Übergewicht kann eine spätere Demenz-Erkrankung begünstigen. Wer im mittleren Alter über­gewichtig oder adipös ist, erkrankt später häufiger an einer Demenz, wie eine Auswertung des Schwedischen Zwillings­registers der Forscherin Weili Xu vom Karolinska Institut in Stockholm bereits 2011 ergab. Personen mit einem BMI 25 bis 30 hätten ein um 71 Prozent erhöhtes Risiko, die mit einem BMI von mehr als 30 wären um ein vierfaches gefährdet, eine Demenz zu entwickeln. © Alfred Hofer/Imago
Mann liegt auf der Couch
Auch mangelnde Bewegung ist einer der Risikofaktoren für Demenz und Alzheimer. Das Fortschreiten der Erkrankung kann hingegen durch Sport verlangsamt werden. Eine Forschergruppe um Mychael V Lourenco fand im Rahmen einer Studie, die im Journal „Nature Medicine“ veröffentlicht wurde, heraus, dass durch körperliche Aktivität und Sport der Botenstoff Irisin aus dem Muskel ins Blut freigesetzt und ins Gehirn transportiert wird. Alzheimer-Patienten weisen erniedrigte Irisin-Spiegel im Hippocampus auf, der „Gedächtniszentrale“ im Gehirn. Die Forscher konnten in ihren tierexperimentellen Arbeiten zeigen, dass eine Steigerung der Irisin-Konzentration zu einer Verbesserung der sogenannten synaptischen Plastizität führt. Diese ist besonders für die Vernetzung von Hirnarealen und Nervenzellen sowie das Lernen und Erinnern wichtig. Noch fehle der Nachweis durch klinische Studien, doch der Irisin-Spiegel könnte einen bedeutenden physiologischen Zusammenhang zwischen Muskeln und Gehirn sowie eine entscheidende Relevanz zur Vorbeugung beziehungsweise zum Herauszögern einer Demenz darstellen. © Westend61/Imago

Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, Sport sowie Hobbys und Reisen ermöglichen es, die Energie trotz Demenz auf sinnvolle Aspekte des Lebens zu konzentrieren. Außerdem können Tipps von Demenzpatienten laut Alzheimer‘s Association helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen.

Leben mit Demenz: Fünf Tipps von Menschen mit Demenz für Menschen mit Demenz

  • 1. Stehen Sie zu sich und Ihrer Diagnose
    Gehen Sie, wo nötig und sinnvoll, offen mit Ihrer Demenz-Diagnose um. Dies kann die Ansichten über Alzheimer und andere Demenz-Formen verändern, auch bei denen, die selbst davon betroffen sind. Wenn es Freunde gibt, die sich von Ihnen durch die Diagnose zurückziehen, konzentrieren Sie sich auf die Menschen, die Sie unterstützen und auf Dinge, die Ihnen Kraft geben.
  • 2. Entwickeln Sie für sich eine Bewältigungsstrategie
    Möglicherweise sind Sie sich bereits der Veränderungen in Ihrer Fähigkeit bewusst, tägliche Aufgaben zu erledigen, die früher für Sie selbstverständlich waren. Die Entwicklung eigener Bewältigungsstrategien muss nicht kompliziert sein. Sie können den Prozess vereinfachen, indem Sie sich auf die drei Schritte „Herausforderungen identifizieren“, „Aufgaben priorisieren“ und „Lösungen finden“, konzentrieren:

    Erstellen Sie eine Liste der Aufgaben, die anspruchsvoller geworden sind und für Sie sowie die Familie eine Herausforderung darstellen. Konzentrieren Sie sich darauf, für diese anspruchsvolleren Aufgaben bestimmte Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Wenn Sie beispielsweise vergessen haben, Ihre Medikamente einzunehmen, sich aber problemlos daran erinnern können, die Wäsche zu waschen, sollten Sie sich zunächst darauf konzentrieren, Strategien zur Medikamentenerinnerung zu entwickeln, beispielsweise durch eine Erinnerungsstütze als Post-it oder Wecker.

    Bestimmen Sie selbst, welche Aufgaben wirklich notwendig sind und was Sie benötigen beziehungsweise was Ihnen dabei hilft, Ihr Ziel zu erreichen. Wenn es für Sie beispielsweise schwieriger geworden ist, Ihre Finanzen zu überblicken und Rechnungen zu überweisen, können Sie eine vertraute Person um Hilfe bitten. Die Hilfe kann so aussehen, dass Sie eine Überweisung mit deren Assistenz ausführen oder die Finanzen gemeinsam in einem Buch bzw. einer Liste festhalten.

    Finden Sie die Lösung, die für Sie am besten funktioniert. Wenn Sie beispielsweise Schwierigkeiten haben, das Abendessen zuzubereiten, versuchen Sie, den Vorgang zu vereinfachen, indem Sie einfache Gerichte wählen, beispielsweise einen Auslauf, und häufig im praktischen Schmortopf zubereiten.
  • 3. Akzeptieren Sie Veränderungen durch die Erkrankung
    Dinge, die Ihnen früher leicht fielen, werden immer schwieriger, etwa einen Zeitplan einzuhalten oder Geld zu verwalten. Manche Menschen versuchen möglicherweise, ihre Schwierigkeiten zu verheimlichen, um sich und ihre Familie vor Peinlichkeiten zu schützen. Oder sie zögern möglicherweise, um Hilfe zu bitten. Der Versuch, gerade in der Anfangsphase der Demenz „Normalität vorzutäuschen“ und Fehler zu vertuschen, kann für Sie ein großer Stressfaktor bedeuten. Wenn Sie Veränderungen in Ihren Fähigkeiten akzeptieren und versuchen, sich neue Bewältigungsstrategien anzueignen, können Sie Ihren Alltag trotz der Erkrankung wieder ins Gleichgewicht bringen.
  • 4. Versuchen Sie Hilfe als etwas Positives von anderen anzunehmen
    Eine häufige Sorge bei Menschen im Frühstadium der Alzheimer-Demenz ist der Verlust der Unabhängigkeit. Möglicherweise haben Sie das Gefühl, dass Sie Ihr Selbstwertgefühl verlieren oder abhängig werden, wenn Sie andere um Hilfe bitten. Während es auf den ersten Blick wie ein Zeichen von Schwäche erscheinen mag, kann es Ihnen helfen, Ihre Unabhängigkeit zu bewahren und die Kontrolle zu behalten, wenn Sie um Hilfe bitten, sobald Sie diese brauchen.
  • 5. Erstellen Sie sich für jeden Tag einen Zeitplan
    Notieren Sie jeden Abend Ihre Vorhaben und Termine mit Zeitangaben für den nächsten Tag. Setzen Sie sich realistische Ziele und konzentrieren Sie sich auf das, was Sie heute tun können. Setzen Sie realistische Erwartungen an sich selbst und nutzen Sie die Fähigkeiten, die Sie benötigen, um Aufgaben erfolgreich zu meistern. Einige Aufgaben können selbst mit Erinnerungshilfen zu schwierig für Sie werden. Reduzieren Sie Stress, indem Sie bei Bedarf Familie oder Freunde um Hilfe bitten.

    Erstellen Sie einen Tagesplan, um den Überblick über die Aufgaben zu behalten, die Sie jeden Tag erledigen möchten und können. Mit einem Zeitplan können Sie weniger Zeit damit verbringen, herauszufinden, was wann erledigt werden muss. Außerdem können Sie Ihre Ziele erfolgreicher erreichen und Fehler reduzieren.

    Gehen Sie eine Aufgabe nach der anderen an und nehmen Sie sich genügend Zeit, um diese zu erledigen. Setzen Sie sich dabei nicht unter Druck. Wenn etwas zu schwierig wird, machen Sie eine Pause und versuchen Sie es später noch einmal.
  • Quelle: Alzheimer‘s Association

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

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