„Dürre-Erdbeeren“ unter Beschuss

„Wir lieben Dürre“: Shitstorm für Edeka-Kampagne – das steckt dahinter

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Edeka rühmt sich mit seinem regionalen Angebot. Doch abgewandelte Werbeplakate vor 60 den Filialen sorgen nun für Aufsehen und Irritation.

Kassel – Wer in dieser Woche bei Edeka einkaufen geht, könnte auf ungewöhnliche Werbeplakate vor den Filialen stoßen. In mehreren deutschen Großstädten wie München, Hamburg und Stuttgart sind von 18. bis 21. Juli sind Plakate mit der Aufschrift „Wir lieben Dürre“ zu sehen. Dahinter steckt eine kritische Kampagne der Organisation Campact, die sich auch gegen Supermärkte wie Lidl, Rewe oder Aldi richtet. Die Früchte des Zorns: Importierte Erdbeeren.

Direkt vor den Edeka-Filialen: Plakate mit „Wir lieben Dürre“ sollen für Aufmerksamkeit sorgen

„Wir lieben Dürre“ – Shitstorm für Edeka-Erdbeeren – das steckt hinter der Kampagne

Hintergrund der Aktion, deren Plakate täuschend nah an die Edeka-hauseigene Kampagne „Wir lieben Lebensmittel“ angelehnt sind: Der Supermarkt, der sich als Anbieter regionaler Lebensmittel positioniert, verkauft wie viele andere Supermärkte mitten in der heimischen Erdbeer-Hochsaison auch Billig-Importware. Diese Tatsache kritisiert Campact schärfstens, weshalb der Verein nun eine abgewandelte Version des Edeka-Claims nutzt, um gegen die Supermarktkette zu ätzen: „Für unsere Erdbeeren trocknet in Spanien ein Nationalpark aus“, steht wenig zweideutig auf den Plakaten.

Was ist der Doñana Nationalpark?

Der Doñana Nationalpark ist ein bedeutendes Naturschutzgebiet in Spanien in der Region Andalusien. Er wurde im Jahr 1994 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von etwa 54.252 Hektar und befindet sich an der Mündung des Flusses Guadalquivir an der Atlantikküste.

Der Doñana Nationalpark zeichnet sich durch eine vielfältige Landschaft aus, die aus Dünen, Feuchtgebieten, Sümpfen, Salinen, Wäldern und Sandstränden besteht. Diese abwechslungsreiche Umgebung bietet einen wichtigen Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.

Er ist besonders bekannt für seine Bedeutung als Brut- und Rastplatz für Zugvögel. Es ist ein wichtiges Gebiet für Watvögel, Stelzenläufer, Enten, Gänse, Kraniche und Flamingos.

Darüber hinaus ist der Nationalpark auch ein Rückzugsgebiet für gefährdete Tierarten: den Iberischen Luchs, den Pardelluchs, den Spanische Kaiseradler, den Habichtsadler, den Mönchsgeier und den Europäischen Stör.

Shitstorm für Edeka: Liebt der Discounter nun Dürre statt Lebensmittel?

Die Kampagne zielt darauf ab, auf den Anbau der Billig-Erdbeeren in Spanien aufmerksam zu machen, der mit einem massiven Wasserverbrauch in der Agrarindustrie verbunden ist, und damit ganze Landstriche ausdörrt. Insbesondere der Doñana-Nationalpark, ein Weltnaturerbe, sei von der Dürre durch das Import-Obst betroffen.

„Nach einer historischen Dürre im Frühjahr belastet ihn die Erdbeer-Saison nun weiter – Lagunen und große Seen drohen auszutrocknen“, so Campact. Lange sei das Weltnaturerbe eine sichere Heimat gewesen für gefährdete Tiere wie den Kaiseradler oder den Luchs. „Damit könnte es bald vorbei sein. Deshalb fordert Campact nun von Edeka und Co, keine Erdbeeren mehr in den Verkauf zu bringen, die aus dürregefährdeten Regionen stammen.“

Lidl, Aldi, Edeka und Co. – das steckt hinter den Abkürzungen der Namen

Eine Filiale von Aldi Süd
Der Supermarkt Aldi wurde von den Albrecht Brüdern gegründet– „Aldi“ steht als Abkürzung für „Albrecht Discount“.  © Christoph Hardt/Future Image/Imago
Rewe Logo
Auch der Supermarkt REWE hat eine lange, oft ungeahnte Bedeutung und ist eine Abkürzung. Die lange Version lautet: „Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften“. Ein Verband, zu dem sich 1927 insgesamt 17 Einkaufsgenossenschaften zusammenschlossen.  © Political-Moments/Imago
Das Logo vom Einzelhändler Edeka
Im Jahr 1898 wurde die sogenannte „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler“ gegründet. Den meisten Menschen ist Edeka jedoch eher ein Begriff, dessen Name letztendlich 1911 richtig entstand und ebenfalls eine Abkürzung ist. © Jens Kalaene/dpa
Das Lidl-Logo
In Neckarsulm wird die Lidl & Schwarz KG als Lebensmittel-Sortimentsgroßhandlung im Jahr 1930 gegründet. 1973 gibt es die erste „Lidl“-Filiale in Ludwigshafen-Mundenheim. Der Name des Lebensmittelriesen Lidl auf den Nachnamen Ludwig zurückzuführen, einem Verwandten des Gründers. Dieter Schwarz kaufte die Namensrechte vom pensionierten Berufsschullehrer und Kunstmaler Ludwig Lidl. © Imago
Norma-Markt
Norma ist die Abkürzung von Noricum-Markt . „Noricum“ ist der lateinische Name für Nürnberg. 1964. Dort wurde die erste Filiale eröffnet. © Schörner
Eine Netto-Filiale
1929 wurde das Unternehmen als Lebensmittel-Großhandel in Regensburg gegründet. 1990 wurde die erste Filiale eröffnet, damals noch unter dem Namen „SuDi“ der für „SuperDiscount“ steht. Später wurden die Filialen in „Netto Marken-Discount“ umbenannt. Eine Erklärung, wofür „Netto“ konkret steht, ist nicht zu finden.  © marina13/Imago
Penny Discounter
1973 öffnete der erste Penny-Markt in Limburg an der Lahn. Penny entwickelte schnell zu einer wachsenden Discount-Kette. Die Herkunft und Bedeutung des Namens sind nicht festgehalten, könnte aber mit Geld zu tun haben – zu einem Cent wird auch häufig „Penny“ gesagt, womit Kunden assoziieren, dass es im Penny-Markt wohl „billig“ sein muss. © APress/Imago
Alnatura
Das Unternehmen Alnatura wurde 1984 gegründet und gehört der Bio-Lebensmittel-Branche an. Hier werden vor allem ökologisch produzierte Lebensmittel verkauft. „Natura“ bedeutet „Natur“.  © Daniel Reinhardt/dpa

Campact verschärft Kampagne gegen Edeka: Appell gegen Dürre-Erdbeeren aus Spanien

Campact informiert auf seiner Website gemeinsam mit der Organisation Foodwatch über die Problematik und ruft Verbraucherinnen und Verbraucher dazu auf, den Appell „Kein Wasserraub für Erdbeeren“ zu unterzeichnen. Bisher wurden mehr als 250.000 Unterschriften für einen vorläufigen Verkaufsstopp gesammelt (Stand 20. Juli 2023). Um nachhaltig einzukaufen, empfehlen Campact und Foodwatch, die einem beliebten Produkt gerade einen Schmähpreis verliehen, den Verbrauchern, regionale Erdbeeren zur Saison von Mai bis Juli zu kaufen.

„Distanzieren uns von der Kampagne“: Edeka weist Vorwürfe gegen Dürre-Erdbeeren zurück

In einer Stellungnahme gegenüber dem Fachmagazin Lebensmittel Praxis wehrt sich nun der Supermarkt. Edeka betont, einer der größten Anbieter von regionalen Produkten zu sein: „Uns wundert es daher sehr, dass wir im Fokus der aktuellen Campact-Kampagne stehen. So sind neben der Zusammenarbeit mit regionalen Erdbeer-Erzeugern auch Themen wie das Wassermanagement bei uns zentral.“

Der Discounter behalte die Entwicklungen in Südspanien genau im Blick. „Hier haben wir bereits im vergangenen Jahr die Initiative des WWF unterstützt, die sich für den Erhalt des Doñana Naturschutzgebiets und damit auch für die Zukunft der lokalen Landwirtschaft einsetzt“. Laut Lebensmittel Praxis stehe der Lebensmittelreise „im kontinuierlichen Austausch“ mit relevanten Vertretern etwa aus Landwirtschaft und Politik, „um eine nachhaltige Wassernutzung auch in Spanien zu sichern.“ „Wir distanzieren uns daher von der aktuellen Campact-Kampagne“, teilt Edeka mit.

Rubriklistenbild: © Campact

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