Glückshormon wird bei Fettleibigen weniger stark ausgeschüttet: Studie zeigt mögliche Ursache von Übergewicht
VonJuliane Gutmann
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Ein gesunder Erwachsener isst in der Regel so lange, bis sich ein „sattes Wohlgefühl“ einstellt. Fehlt dieses, lässt sich das Gewicht schwerer kontrollieren. Eine Studie zeigt abnormale Gehirnaktivität bei Fettleibigen.
Weiteressen, obwohl man satt ist: Viele kennen diesen Zustand wahrscheinlich. Manchmal schmeckt es einfach zu gut. Doch geht man dieser Gewohnheit häufiger nach, macht sich das auf der Waage bemerkbar. Ein US-amerikanisch-niederländisches Forscherteam hat sich jetzt der Frage angenommen, ob sich die Gehirnaktivität von normal- und übergewichtigen Menschen bei der Nahrungsaufnahme unterscheidet. Tatsächlich zeigten sich Gegensätze.
„Wir fanden heraus, dass Menschen mit Fettleibigkeit weniger Dopamin in einem Bereich des Gehirns freisetzen, der für den motivierenden Aspekt der Nahrungsaufnahme wichtig ist, als Menschen mit einem gesunden Körpergewicht. Dopamin ist an den belohnenden Gefühlen bei der Nahrungsaufnahme beteiligt“, so das Forscherteam um Mireille Serlie, Professorin für Endokrinologie am Universitätsklinikum Amsterdam.
Übergewicht durch Fehlsteuerung im Gehirn: Dopamin spielt eine Rolle
Wer einen BMI von über 30 hat, könnte von einer verringerten oder verzögerten Dopamin-Ausschüttung im Gehirn betroffen sein, so ein Fazit der Forschenden. Infolge würde das Belohnungssystem nicht oder spät anspringen und so das Weiteressen bis über den Sättigungspunkt hinaus gefördert werden.
In der Studie wurden 30 Teilnehmern mit gesundem Körpergewicht und 30 Personen mit Fettleibigkeit bestimmte Nährstoffe direkt in den Magen eingeflößt, während gleichzeitig die Gehirnaktivität mittels MRT und die Dopaminfreisetzung mittels sogenannter SPECT-Scans gemessen wurde. Weiter heißt es in einer Mitteilung des Fachportals Eurekalert, dass die Scans bei Fettleibigen stark abgeschwächte Reaktionen zeigten im Gegensatz zu den Normalgewichtigen.
Auch nachdem adipöse Studienteilnehmenden Gewicht reduziert hatten, zeigten sich keine Unterschiede in Hinblick auf die Gehirnaktivität. Die Studienleiter schlussfolgern, dass im Zusammenhang mit Fettleibigkeit dauerhafte Anpassungen des Gehirns auftreten, die auch nach einer Gewichtsabnahme bestehen bleiben.
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„Die Tatsache, dass diese Reaktionen im Gehirn nach einer Gewichtsabnahme nicht wiederhergestellt werden, könnte erklären, warum die meisten Menschen nach einer anfänglich erfolgreichen Gewichtsabnahme wieder zunehmen“, so Studienautorin Mireille Serlie.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.