Für 25.550 Euro

Kompakt, günstig, elektrisch: Dacia Spring Extreme Electric 65 im Test

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Der Dacia Spring Extreme Electric 65 verspricht Elektromobilität für jedermann. Doch kann er im Praxistest überzeugen?

Wer einen günstigen Neuwagen will, der ist bei Dacia an der richtigen Adresse. Seit 2021 hat die rumänische Renault-Tochter mit dem Spring auch ein Elektroauto im Angebot. Und wie sollte es auch anders sein, ist es Deutschlands günstigster Stromer – zumindest in der Version mit 45 PS. In unserem Test waren wir mit dem etwas teureren Dacia Spring Extreme Electric 65 unterwegs.

Optisch unterscheidet sich die Ausführung mit 65 PS kaum von dem günstigen Einsteigermodell. Neu sind lediglich die bronzefarbenen Akzente – darunter die Außenspiegel und der Dacia-Schriftzug am Heck. Auffällig ist, dass der Spring in echt deutlich kleiner wirkt als auf den Bildern.

Dacia Spring bietet Passagieren wenig Platz

Kein Wunder: Der rumänische Stromer ist satte 30 Zentimeter kürzer als der aktuelle VW Polo. Und auch in der Breite hat Dacia den Spring mit 1,58 Meter sehr kompakt gehalten. Das hat zur Folge, dass selbst der Fahrer kaum Platz hat und mit den Schultern an die B-Säule stößt. Wer auf der Rückbank Platz nimmt, hat quasi keine Beinfreiheit. Hier ist ohnehin nur Platz für zwei Menschen. Der vorhandene Kardantunnel erinnert daran, dass der Mini-SUV in China und Indien von Renault und Dongfeng als Verbrenner verkauft wird.

Optisch macht der Dacia Spring schon was her – auch dank der bronzefarbenen Elemente.

Und auch nach oben wird der Raum im Spring schnell knapp. Hier könnte man natürlich die Sitzhöhe verstellen, dazu müsste Dacia diese Option allerdings anbieten. Hier spart die Renault-Tochter jedoch genauso wie an einem verstellbaren Lenkrad. Geiz ist eben geil. Der Platz im Kofferraum ist mit 270 bis 1110 Liter immerhin solide. Das Ladekabel lässt sich in einem kleinen Fach unter dem Laderaumboden verstauen. Auf einen Frunk verzichten die Rumänen indes.

Dacia Springt grüßt mit karger Hartplastik-Wüste

Dass die Rumänen sparsamer sind als so mancher Schwabe, spürt man auch im Innenraum. Hier dominiert vor allem Hartplastik. Für etwas Auflockerung im sonst kargen Fahrgastraum sorgen die bronzenen Akzente sowie Umrandung des Zentraldisplay mit Klavierlack.

Im Innenraum des Dacia Spring dominiert das Hartplastik.

Etwas ungewohnt sind die elektrischen Fensterheber in der Mittelkonsole. In der Ausstattungslinie Extreme gibt diese sogar hinten. Mit einem Drehrad in der Mittelkonsole kann man zwischen den Fahrstufen D, N und R wählen. Nach einem P für Parken sucht man im Dacia Spring allerdings vergebens. Wer das Elektroauto abstellt, muss ganz Old School die Handbremse ziehen. Gestartet wird ebenfalls mit einem klassischen Schlüssel. Key-Less-Go gibt es in dem Mini-SUV nicht. Und auch Becherhalter fehlen in der Mittelkonsole. Die Ablagen in den Türen bieten indes kaum Halt und so rutscht die 0,5-Liter-Flasche fröhlich hin und her. Ebenfalls ärgerlich: Nicht alle Tasten sind beleuchtet oder sie sind gut versteckt.

Die zehn hässlichsten Autos aller Zeiten: Design-Sünden der Hersteller

Die erste Generation der Mercedes A-Klasse.
Platz 10: Mercedes-Benz A-Klasse. Die ersten Generationen der A-Klasse waren alles andere als eine Schönheit. Seit 2012 kann sich der Kompaktwagen jedoch sehen lassen. Dennoch fliegt die A-Klasse bald aus dem Programm. © Mercedes-Benz AG
Audi A2
Platz 9: Audi A2. Natürlich darf auch der A2 in diesem Ranking nicht fehlen. Hier ging der Nutzen klar vor Design. Mit einem cw-Wert von 0,252 kann der Kompaktwagen locker mit modernen Stromern mithalten. Und auch sonst war der Audi A2 seiner Zeit weit voraus. Vermutlich etwas zu weit, denn 2005 wurde die Produktion nach sechs Jahren eingestellt. Inzwischen genießt der Ingolstädter einen Kult-Status. © Heritage Images/Imago
Ein Chrysler PT Cruiser von 2009 auf der San Diego International Auto Show
Platz 8: Chrysler PT Cruiser. Den Kompatkwagen gab es alternativ auch als Cabrio. Optisch erinnert der PT Cruiser durch seine lange Motorhaube etwas an die Autos der 20er oder 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. 2010 war nach zehn Jahren Bauzeit und einem Facelift dann Schluss. © UPI Photo/Imago
Ford Edsel Villager
Platz 7: Ford Edsel Villager. Ende der 1950er-Jahre führte die Ford Motor Company die Tochtermarke Edsel ein. Ab 1958 ging diese unter anderem mit dem Villager auf Kundenfang. Wirklich beliebt waren die Marke und ihre Modelle damals jedoch nicht. Das lag aber viel mehr an dem ungewöhnlich hohen ovalen Kühlergrill, der so manchen Kritiker an einen Toilettensitz erinnerte. Nach drei Jahren war dann Schluss mit Edsel und dem Villager. Für Ford ein teurer Flop, der fast für den Ruin des US-Autogiganten gesorgt hätte. © Chromorange/Imago
Ein Alfa Romeo SZ.
Platz 6: Alfa Romeo SZ. Nicht schön, dafür aber teuer. Der Alfa Romeo SZ kostete Anfang der 1990er-Jahre sagenhafte 100.000 DM (ca. 51.129 Euro). Der Sportwagen war zudem auf 1.000 Exemplare limitiert. Ob die Italiener wussten, dass der Sportwagen nicht besonders gelungen ist? © Alfa Romeo
Pontiac Aztek
Platz 5: Pontiac Aztek. Von 2001 bis 2005 baute Pontiac diese „Schönheit“. Der Crossover-SUV verkaufte sich immerhin rund 1115.000 Mal. Zu besonderem Ruhm kam der Aztek zudem durch die TV-Serie „Breaking Bad“, in der er von der Hauptfigur Walter White gefahren wird. Allerdings wird der SUV in jeder Episode beschädigt. © Daniel Lippitt/AFP
SsangYong Rodius
Platz 4: SsangYong Rodius. Für einen Platz auf dem Podium hat es für den Koreaner nicht ganz gereicht. Gleiches gilt aber auch für ein eigenständiges Design. Der Kühler erinnert etwas an den PT Cruiser, das Heck hingegen hat man sich bei Mercedes geborgt. Eine Idee, die man womöglich erst hatte, als das Auto schon fertig war, denn es wirkt wie nachträglich aufgesetzt. Trotzdem wurde der Van in zwei Generationen von 2004 bis 2019 gebaut. © SsangYong
Nissan S-Cargo
Platz 3: Nissan S-Cargo. Was aussieht wie ein Modellauto für Kinder, wurde von Nissan tatsächlich von 1989 bis 1992 gebaut. Warum genau wissen wohl nur die Designer und Manager des asiatischen Autobauers. © Nissan
Ein Commuter Tango T600.
Platz 2: Nein, das ist keine optische Täuschung. Der Tang T600 von Commuter Cars ist in der Tat nur 99 Zentimeter breit. Was bei der Parkplatzsuche helfen mag, wirkt optisch, als hätte man einen Smart zu heiß gewaschen oder einen Minivan aus der Schrottpresse gerettet. Doch das Design ist nicht das einzige Problem des Tango T600. Für das kleine Elektroauto werden schwindelerregende 121.000 US-Dollar fällig. Dafür bekommt man aber auch 600 kW Leistung.  © Commuter Cars
Fiat Multipla
Platz 1: Fiat Multiple. Der Sieg geht ganz klar an den Italiener. Zwar versuchte Fiat das Modell mit einem Facelift zu retten, doch wirklich schöner wurde der Van dadurch nicht. 2010 wurde der Multipla nach elf Jahren wieder eingestellt. Bleibt die Frage: Wie konnte dieses Design jemals auf die Straße kommen? © Fiat

Dafür gibt es eine Rückfahrkamera, Parksensoren hinten und Apple Car Play respektive Android Auto. Beides geht jedoch nur mit Kabel. Zudem hat der Billig-Stromer aus Rumänien auch einen digitalen Tacho, der aus zwei halbrunden Skalen besteht. Dazwischen befindet sich ein 3,5-Zoll-Zentraldisplay. Auf den drei Anzeigen hat der Fahrer – mehr oder weniger – alle wichtigen Fahr- und Batterieinformationen im Blick: Energieverbrauch, Ladestand des Akkus, Reichweite, Ladezeit und die aktuelle Geschwindigkeit. Den aktuellen Durchschnittsverbrauch haben wir jedoch nicht entdeckt.

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Dacia Spring verbraucht viel und lädt langsam

Im ADAC Ecotest lag dieser inklusive Ladeverluste bei 17,9 kWh, was für ein Auto dieser Größe ziemlich viel ist. Dacia selbst gibt den Verbrauch mit 14,5 kWh an. Die 26,8-kWh-Batterie des Spring ist so relativ schnell leer – insbesondere im Winter. An der Ladesäule ist dann Geduld gefragt. Wer den CCS-Anschluss hat (kostet 800 Euro Aufpreis), lädt mit bis zu 35 kW am Schnelllader. In etwa einer Stunde ist der Akku dann wieder voll. Ansonsten bleiben 3,7 kW beim AC-Laden. Bevor man den Spring aber auf Strom legen kann, steht erst mal eine Yoga-Stunde an. Der Deckel muss nämlich entriegelt werden und der Knopf dafür befindet sich dort, wo man auch die Motorhaube öffnen kann.

Hängt der Dacia Spring am Ladekabel, ist Geduld gefragt. Insbesondere, wenn man mit AC-Strom lädt.

Bei idealen Bedingungen soll der Mini-SUV bis zu 230 Kilometer schaffen. Wer aber auch mal Autobahn fährt, schafft um die 145 Kilometer. Der Spring ist eben ein Stadtauto und nicht für die Autobahn gedacht. Trotz nur 65 PS ist der Rumäne aber flink unterwegs. Schneller als 130 km/h geht Dacias Elektroauto aber nicht. Vermutlich will man auch nicht schneller fahren, da die Lenkung doch sehr weich ist und das Fahrwerk schnell an seine Grenzen kommt. Wer Gas geben will, muss den Spring ohnehin erst davon überzeugen, denn das Gaspedal hat mehr Widerstand als die Lenkung. Trotz allem kommt Fahrspaß auf. Und in der Stadt kann der Dacia Spring seine Stärken ausspielen. Die Parkplatzsuche wird fast zum Kinderspiel.

Trotz Kampfpreis: Dacia Spring überzeugt mit guter Serienausstattung

Bei all der Kritik darf man aber nicht vergessen, dass der Mini-SUV in der Ausführung Extreme Electric 65 bereits ab 24.550 Euro zu haben ist und das Multimediasystem mit Navi sowie Einparkhilfe und Rückfahrkamera bereits Serienausstattungen sind. Zieht man den Elektrobonus von 7.200 Euro ab, landet man bei 17.350 Euro. Ab 2024 sinkt die Förderung auf nur noch 3.000 Euro vom Staat und 1.500 Euro von den Herstellern. Dann liegt der Spring bei 20.050 Euro. Zumindest Stand jetzt, denn 2024 steht auch ein Facelift für den Stromer an. Und auch die Konkurrenz schläft nicht und kommt mit günstigen Modellen um die Ecke. Gut möglich also, dass Deutschlands günstigstes Elektroauto noch günstiger wird.

Rubriklistenbild: © Dacia

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