Noch im Tarn-Look

Elektro-Rebell aus Martorell: Erste Ausfahrt im ID.Polo-Bruder Cupra Raval

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Die Volkswagen-Tochter Cupra prescht vor. Der neue elektrische Raval soll das Kleinwagen-Segment aufmischen. Mit Preisen ab 26.000 Euro. Erster Fahrtest.

Barcelona – Raval heißt so viel wie Vorstadt. Das gleichnamige Arbeiterviertel von Barcelona lag früher nämlich außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern. Kann man sich heute nicht mehr vorstellen, weil das trendige und hippe Revier gleich bei den Ramblas anfängt, also mitten im Zentrum der katalanischen Hauptstadt. Raval – so heißt auch der neue Elektro-Flitzer von Cupra. Der Raval ist in zweierlei Hinsicht ein Rebell. Erstens basiert er optisch auf der Studie „Urban Rebel“ und zweitens revolutioniert er eine eiserne Regel im Volkswagen-Konzern. Auf einer neuen technischen Plattform, wie etwa dem Elektro-Baukasten MEB+, debütiert normalerweise die Hauptmarke. Dieses Mal ist alles anders: Cupra hat die Entwicklungshoheit und darf deshalb dem VW-Konzern kurzfristig die Schau stehlen. Noch vor dem ebenfalls im Kleinwagen-Segment antretenden ID.Polo und den SUV-Varianten ID.Cross und dem Epiq der tschechischen Tochter Skoda rollt er zur Kundschaft. Gebaut und entwickelt im katalanischen Werk Martorell. Dort, wo auch der elektrische Polo vom Band laufen wird. Die anderen Mitglieder der „Electric Urban Car Family“ werden in Pamplona produziert.

Kurvenräuber mit Frontantrieb. Der Cupra Raval VZ hat ein Sperrdifferenzial an der Vorderachse, das den elektrischen Kleinwagen extrem wendig macht.

Hier in Martorell, nur wenige Kilometer entfernt von Barcelona, stehen auch die vier folierten Cupras für eine erste Ausfahrt. Vorserienmodelle, die trotz Tarnung schon ziemlich rebellisch aussehen. Mächtige Powerdomes auf der Motorhaube, das Tagfahrlicht erinnert an die halb geöffneten Augen eines Krokodils und auch das Heck verrät: Der Cupra Raval ist einer für den großen Auftritt. Kantig, motzig, mit zwei Aero-Henkeln als Dachspoiler. Das an ein Tribal erinnernde Cupra-Logo ist allgegenwärtig und leuchtet in kräftigem Rot. Überhaupt das Licht! Darauf haben die Spanier viel Wert gelegt. In einem abgedunkelten Raum der Entwicklungsabteilung zeigen sie uns die Lightshow, die immer beim Auf- und Absperren des Fahrzeugs läuft. Alles in der Cupra typischen Triangel-Optik. Ziemlich cool. So wie die neuen Plasma-Lackierungen, die wie ein Chamäleon die Farbe ändern können. Allerdings nicht so dramatisch wie bei den Flip-Flop-Lacken, sondern dezent und vornehm.

Tiefer und breiter – das unterscheidet den Raval VZ Extreme vom Standard-Modell

Das Aussehen steht bei Cupra ja immer an erster Stelle. Stylisch, markant, anders. So hat es die jüngste Marke im VW-Konzern innerhalb von sieben Jahren zu sechs Modellen gebracht, darunter der letzte Neuzugang Terramar. Außerdem wurden eine Million Fahrzeuge verkauft. Die zweite Grundeigenschaft eines Cupras ist die Fahrdynamik. Ein Cupra muss sich feurig fahren. Und deshalb sitzen wir im künftigen Spitzenmodell des Raval. Dem VZ Extreme. VZ steht für das spanische veloz also für schnell. Das VW-Pendant dazu wird der ID.Polo GTI sein. Unser 4,05 Meter großer Spanier hat jedenfalls schon mal Feuer unter der Haube. 166 kW / 226 PS treiben den Kleinwagen über die Vorderräder an – perfekt im Zaum gehalten von einem elektronische Sperrdifferenzial mit Drehmomentverteilung. Die Karosserie liegt um 15 Millimeter niedriger als bei den anderen Modellen, und auch die Spur ist um 10 mm breiter. Dazu passt das adaptive VW-Fahrwerk DCC, das natürlich deutlich steifer interpretiert wird als bei dem Schwestermodell ID.Polo. Hart aber herzlich, das ist genau unser Geschmack – so müssen Federn und Dämpfer arbeiten.

Kaum zu sehen: Diese 10 Automarken sind echte Exoten in Deutschland

Lucid Air auf Kies
Platz 10 – Lucid (USA): Schick sieht er ja schon aus der Air. Und mit rund 800 Kilometern Reichweite ist das Elektroauto auch absolut langstreckentauglich. In Deutschland ist das Luxusmobil aber noch ein absoluter Geheimtipp © Lucid Motors
Luicid Air
Grade einmal 392 Neuzulassungen gab es 2024 in Deutschland. Das dürfte auch an dem Preis liegen. Der Lucid Air kostet in der Basisversion Pure bereits stolze 85.000 Euro. Wer den Luxus-Strom voll ausgestattet haben will, muss für den Air Sapphire sogar 250.000 Euro auf den Tisch legen. © Lucid Motors
Lotus Emeya
Platz 9 – Lotus (China): Hier trifft Tradition auf Moderne. Oder britisches Understatement auf chinesische Technologie. Denn wie MG gehört auch diese britische Ikone längst zu einem chinesischen Konzern. © Lotus Cars
Lotus Eltere
Doch anders als MG tut sich Lotus auf dem deutschen Markt noch schwer. Lediglich 365 Autos wurden 2024 verkauft. Das dürfte auch dem Wandel zur Elektromobilität geschuldet sein. © Lotus
Rolls-Royce Cullinan
Platz 8 – Rolls-Royce (Großbritannien): Wenn es um Luxusautos geht, führ kein Weg an Rolls-Royce vorbei. Die Briten stehen für Handarbeit, opulente Materialien und absolute Exklusivität. Ein echtes Statussymbol eben. © Rolls-Royce
Rolls-Royce Cullinan
Das hat natürlich seinen Preis und den können nur wenige zahlen. Wer Rolls-Royce fährt, gehört zu einem sehr exklusiven Kreis. Das zeigt sich auch bei den Neuzulassungen: Grade einmal 360 Fahrzeuge gingen 2024 an die gutbetuchte Kundschaft. © Rolls-Royce
Leapmotor T03
Platz 7 -Leapmotor (China): Ein weiterer Geheimtipp, der sich aber vermutlich nicht mehr lange auf dieser Liste finden dürfte. Denn Leapmotor gehört zum Stellantis-Konzern und greift mit dem günstigen T03 in Europa an. © Leapmotor
Leapmotor C10
Bisher sind die Zulassungszahlen aber noch sehr übersichtlich. 2024 wurde grade einmal 178 Autos bestellt. © Leapmotor
Cadillac Lyriq
Platz 5 – Cadillac (USA): Normal sind es die USA eher gewohnt, die Welt anzuführen. Oder wie Donald Trump sagen würde: America first! Im Falle von Cadillac klappt das jedoch nicht so wirklich gut. © Weigl/Cadillac
Cadillac Lyriq
2024 setzten die Amerikaner lediglich 175 Einheiten des Elektroautos Lyriq ab. Der E-SUV ist derzeit das einzige Modell das Cadillac hierzulande anbietet. © Simon Rainer/Cadillac
VinFast VF 6
Platz 5 – Vinfast (Vietnam): Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Das gilt auch für das Ranking der seltensten Automarken. Und so teilen sich Vinfast und Cadillac den fünften Rang. © Pond5 Images/Imago
Vinfast VF8
Denn auch Vinfast setzte im Jahr 2024 lediglich 175 Elektroautos in Deutschland ab. Das erste Auto wurde im Mai 2024 übergeben und das, obwohl man eigentlich schon 2022 auf den hiesigen Markt expandieren wollte. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Platz 4 – Fisker (USA): Ein saubere Zukunft für alle. Das versprach Fisker. Möglich machen sollten das nachhaltige Materialien. Doch da Projekt scheiterte krachend. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Statt sauberen Meeren gab es finanzielle Probleme. Die 134 Autos, die in Deutschland verkauft wurden, waren da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Sommer 2024 meldete Fisker schließlich Insolvenz an. © Pond5 Images/Imago
Maxus EUNIQ 6
Platz 3 - Maxus (China): Die Strategie mit der Maxus nach Europa kam, unterscheidet sich von den zahlreichen anderen Marken aus Fernost. Neben Elektroautos hat Maxus auch Transporter im Angebot. © Maxus
Maxus e-Delivery
Trotzdem spielt die Marke in Deutschland keine wirkliche Rolle. Lediglich 70 Fahrzeuge wurden 2024 neuzugelassen. © Maxus
Lynk & Co. 02
Platz 2 – Lynk & Co. (China): Auch Lynk & Co. geht in Deutschland mit einem ungewöhnlichen Konzept an den Start. Die Autos gibt es lediglich im Abo, aber nicht zu kaufen. © Lynk & Co.
Lynk & Co. 01
Wirklich erfolgreich ist das Konzept in Deutschland aber nicht. Grade einmal 68 Abos wurde 2024 abgeschlossen. © Lynk & Co.
Zwei Autos von Aiways
Platz 1 – Aiways (China): Noch seltener erblickt man in Deutschland nur die Autos von Aiways. Und das obwohl der Hersteller bereits seit 2020 in Deutschland aktiv ist. © Aiways
Aiways U6 SUV-Coupé
Wirklich erfolgreich war man seitdem jedoch nicht. 2024 lief für den chinesischen Hersteller aber besonders schlecht. Nur 27 Autos wurden verkauft – das sind nicht einmal zwei pro Monat.  © Aiways

Auf Wunsch macht der Raval ziemlich Krawall

Zusammen mit der Progressivlenkung fährt sich der Raval zackig und kernig um die Kurven. Selbst im Grenzbereich gibt es kein Untersteuern. Die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC) lässt ziemlich viel zu, was mit dem ein oder anderen Hüftschwung auch belohnt wird. Man könnte das ESC auch komplett abschalten, aber schließlich sind wir auf öffentlichen Straßen unterwegs und außerdem unter der Aufsicht eines Entwicklungsingenieurs auf dem Beifahrersitz. Bei der Beschleunigung merkt man die Vorteile eines E-Antriebs. Kompromisslos haut die Maschine das Drehmoment von 290 Nm auf einen Schlag heraus – das ist Emotion pur. Bei höheren Geschwindigkeiten geht unserem Testfahrzeug ein wenig die Luft aus. Da hilft auch der viele Krawall nicht, den der Raval elektronisch über die Lautsprecher einspielt. Muss man mögen, kann man aber auch abschalten. Vom abgedeckten Cockpit sieht man noch nicht viel, nur das klassische Sport-Lenkrad und natürlich das digitale Kombi-Instrument mit der Cupra-Grafik. Platz haben wir ausreichend in dem Wagen, der Radstand von 2,60 Meter bietet auch Fondpassagieren ausreichend Sitzkomfort. Das ist ein großer Pluspunkt von Elektroautos, die dank der kleineren Technik auf der gleichen Grundfläche mehr Platz bieten. Damit schlagen Raval & Co auch solche Verbrenner-Klassiker wie Seat Ibiza oder Arona.

Die Lichtgrafik am Heck des neuen Cupra Raval lässt das an ein Tribal erinnernde Logo rot leuchten.

Elektro-Reichweiten maximal bis 450 Kilometer

Was die elektrischen Basisdaten angeht, zeigt man sich noch zugeknöpft in Martorell. Beim VZ spricht man von einer 400 Kilometer großen Reichweite, die beiden anderen Sondermodelle, die beim Marktstart im nächsten Jahr angeboten werden, heißen Dynamic Plus und Dynamic haben nur 155 kW / 210 PS, dafür aber sollen sie 450 Kilometer weit kommen. Eingesetzt wird hier wohl eine 56 kWh große Batterie. Das Einstiegsmodell dürfte einen 38 kWh-Akku erhalten und damit eine deutlich geringere Reichweite von rund 300 km aufweisen. Über die Ladegeschwindigkeiten schweigt man sich bei Cupra noch aus. 11 kW bei AC dürften jedoch gesetzt sein. Bei Gleichstrom sollen es, einzelnen Quellen zufolge, 130 bis 150 kW sein. Auch bei den Preisen herrscht noch Unklarheit. Bekannt ist bislang nur, dass das Basismodell 26.000 Euro kosten wird.

Testfahrten im getarnten Cupra Raval: Unser Autor Rudolf Bögel durfte das erste Familienmitglied der „Electric Urban Car Family“ von VW schon mal kennenlernen.

Unser Fazit zum Cupra Raval VZ

Mit dem Cupra Raval VZ haben wir das extremste Mitglied der neuen Kleinwagen-Elektro-Familie von VW kennengelernt. Auch wenn die anderen Modelle zahmer sein werden, lässt sich doch schon erahnen, dass ID.Polo, Cross & Co die Messlatte nach oben legen werden. Komfortabel beim Fahren, großzügig bei den Platzverhältnissen, zeitgemäß bei der Technik – wenn jetzt noch der Preis stimmt, und man bei den angekündigten 20.000 Euro landet, dann kann VW nun auch der große Wurf bei den kompakten Elektroautos gelingen. Die Konkurrenz jedenfalls ist groß und zahlreich – vom Renault 5 E-Tech, über den Opel Corsa Electric bis hin zum Hyundai Inster oder BYD Dolphin. Rudolf Bögel

Rubriklistenbild: © Cupra

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