Akku-Zukunft

Elektroauto-Batterien: Fünf Trends, die in den kommenden Jahren wichtig werden

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Die Entwicklung der E-Auto-Batterie ist noch lange nicht abgeschlossen. In den kommenden Jahren dürften fünf Trends eine besondere Rolle spielen.

Mehr Reichweite, weniger Kosten: Die E-Auto-Batterie entwickelt sich ständig weiter, denn ob sich Wechselstationen doch noch durchsetzen werden, steht in Sternen. Fünf Trends dürften die kommenden Jahre bestimmen.

Elektroauto-Batterien – Fünf Trends, die in Zukunft eine Rolle spielen dürften: 1. Neuer Mix

Heute setzen die meisten E-Autobauer nickelbasierte Lithium-Ionen-Akkus ein. Die darin verwendeten Stoffe sind knapp, entsprechend teuer und teilweise sozial und ökologisch umstritten. Die Suche nach Alternativen ist also aus verschiedenen Gründen interessant für Forschung und Industrie. So rückt aktuell etwa die Lithium-Eisenphosphat-(LFP)-Technik wieder in den Fokus, die weitgehend auf die kritischen Rohstoffe Nickel und Kobalt verzichten kann. Die aktuell etwa von Tesla und BYD eingesetzten Akkus haben zwar Schwächen bei der Reichweite, gleichen das aber mit diversen anderen Vorteilen aus. Vor allem bei den Kosten, aber auch in Sachen Betriebssicherheit und bei der Dauerhaltbarkeit sind sie Nickel-Akkus überlegen.

Ein Trend der näheren Zukunft könnten Natrium-Ionen-Akkus sein, die nun erstmals in China testweise auf der Straße eingesetzt werden. Statt Lithium nutzen sie in der Elektrode das recht problemlos verfügbare Natrium. Die Energiedichte ist aber noch einmal schlechter als bei Lithium-Nickel- und -Eisenphosphat-Akkus. Trotzdem ist klar: Die Zahl der unterschiedlichen Zell-Chemien wird weiterwachsen, künftig werden mehrere Akku-Varianten nebeneinander bestehen. Allein, um dem hohen Materialbedarf gerecht werden zu können. Der chinesische Autohersteller Aiways etwa rechnet bis zum Jahr 2030 mit einer Steigerung der weltweiten Nachfrage nach Batterien voraussichtlich um etwa 30 Prozent auf 4.500 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr.

Elektroauto-Batterien – Fünf Trends, die in Zukunft eine Rolle spielen dürften: 2. Cleverer packen

Eine gute Zellchemie ist nicht alles. Auch der Aufbau der Akkus bietet jede Menge Optimierungspotenzial. Denn je mehr der Energie speichernden Aktivmaterialien man in die Batterie bekommt, desto größer wird die Reichweite. Die Industrie arbeitet daher mit Hochdruck daran, überflüssiges Material im Akku-Pack loszuwerden und Kabel, Verbindungselemente sowie Kunststoff-Teile einzusparen und durch Energie speichernde Komponenten zu ersetzen. Statt die einzelnen Zellen in Modulgehäuse zu stecken und diese Module dann zur Batterie zusammenzuführen, werden sie mittlerweile direkt in das Batteriegehäuse integriert – „Cell-to-Pack“ heißt das im Fachjargon. Im nächsten Schritt soll auch das äußere Gehäuse wegfallen, die dann Aktivmaterialien direkt in der Karosserie untergebracht werden. Diese „Cell-to-Chassis“-Technik ist allerdings noch Zukunftsmusik – und vor allem für Luxusautos und Sportwagen denkbar.

Elektroauto-Batterien – Fünf Trends, die in Zukunft eine Rolle spielen dürften: 3. Mehr Spannung

Eine normale Starter-Batterie (die im Winter gerne mal schlapp macht) läuft im Pkw mit 12 Volt. Das reicht gerade mal für den Betrieb des kleinen E-Motors, der den großen Verbrenner beim Starten anwirft. Will man ein Auto komplett elektrisch antreiben, sind deutlich höhere Spannungen nötig. Die meisten E-Mobil-Hersteller setzen auf 400 Volt, einige verdoppeln den Wert aber bereits. Das hat – zumindest in der Theorie – einen großen Vorteil. Denn elektrische Leistung ist das Produkt von Spannung (Volt) und Stromstärke (Ampere). Erhöht man die Spannung des E-Auto-Bordsystems, steigt bei konstanter Stromstärke also dessen Leistung. Besonders wichtig ist das nicht nur beim Beschleunigen, sondern auch beim Laden der Batterie: Ein 400-Volt-Auto tankt an einer 500-Ampere-Ladesäule maximal mit 200 kW Ladeleistung. Ein 800-Volt-Auto kommt theoretisch auf den doppelten Wert, ist also auch doppelt so schnell voll. Bislang setzen nur wenige Autohersteller wie Porsche, Hyundai, Audi und Rimac auf 800-Volt-Systeme. Doch mittlerweile arbeiten auch E-Autohersteller wie Renault, Nissan oder die Marken des Stellantis-Konzerns an einer Verdopplung des Spannungsniveaus.

Bei der Entwicklung von Elektroauto-Batterien dürfte sich in den kommenden Jahren noch einiges tun. (Symbolbild)

Elektroauto-Batterien – Fünf Trends, die in Zukunft eine Rolle spielen dürften: 4. Mehr Recycling

Vor allem E-Auto-Skeptiker führen die Recycling-Frage gerne als Argument gegen die Elektrifizierung des Straßenverkehrs ins Feld. Und zeichnen das abschreckende Bild hochgiftiger Batteriemüll-Halden an den zeitlichen Horizont. Doch die wird es wohl kaum geben. Mitte Dezember 2022 hat die EU strenge Recycling-Quoten für Alt-Akkus vorgeschrieben. Nickel und Kobalt etwa müssen ab 2027 zu 90 Prozent wiederverwertet werden, ab 2031 zu 95 Prozent. Neben dem politischen Druck gibt es aber auch einen ökonomischen: Die in Batterien verwendeten Rohstoffe sind knapp und teuer, entsprechend interessant ist ihre Rückgewinnung. Weswegen Forscher auch an neuartigen Batterien tüfteln, die deutlich schneller laden und somit kleiner konzipiert werden können.

Bislang erfolgt das Recycling der Speicher in Deutschland und Europa jedoch nur im kleinen Stil. Spätestens in zehn Jahren, wenn die erste große Welle der E-Autos langsam das Ende ihres Lebenszyklus erreicht, dürfte die Wiederverwertung von Akkus zu einem wichtigen Geschäftsfeld werden. Noch ist allerdings unklar, wer es übernehmen wird – die Autohersteller, die Batterieproduzenten oder spezialisierte Recycling-Unternehmen. Klar ist aber, dass Akkus künftig immer stärker schon bei der Entwicklung auf eine gute Wiederverwertbarkeit optimiert werden – sowohl was den Aufbau als auch was die Inhalte angeht.

Neun Mikro-Elektroautos, die perfekt für die Stadt sind

Opel Rocks-e
Opel Rocks-e: Mancher dürfte sich fragen, ob das überhaupt noch ein vollwertiges Auto ist. Gesetzlich ist er es wie alle Kleinstwagen nicht. Wer ihn fahren will, benötigt lediglich die Führerscheinklasse AM. Somit kann er schon ab 15 Jahren bewegt werden. Der Elektromotor leistet 8 PS und beschleunigt den Mini-Stromer auf 45 km/h. Mehr geht nicht. Die 5,5-kWh-Batterie reicht für eine Reichweite von 75 Kilometern. Danach muss der 2,41 Meter lange Opel Rocks-e für rund vier Stunden an die Steckdose. Kostenpunkt: rund 8.000 Euro © Opel
Renault Twizzy
Renault Twizy: Der kleine Franzose ist so etwas wie der Opa unter den Mikro-Elektroautos. Schon seit 2012 ist der Twizy in der Modellpalette von Renault zu finden. Mit 2,34 ist er etwas größer als Rocks-e und Ami. Statt nebeneinander nehmen die zwei Insassen hintereinander Platz. Seitenscheiben gibt es nur als Zubehör. Preislich geht es ab 11.450 Euro los. Wie die größere Version fahren will, benötigt jedoch einen richtigen Führerschein. Die Reichweite gibt Renault mit 90-100 Kilometern an. © Renault
City Transformer CT1
City Transformer CT1: Auch in Israel hat man die Mikro-Elektroautos für sich entdeckt. Der CT1 vom Start-up City Transformer macht seinem Namen dabei alle Ehre. Denn die Spurweite des Mini-Stromers lässt sich anpassen. Angetrieben wird er von zwei Elektromotoren an der Hinterachse. Das Start-up verspricht bis zu 180 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Wer den CT1 vorbestellt, zahlt 13.000 Euro, später soll er dann 16.000 Euro kosten. © City Transformer
Das Elektroauto e.GO Life
e.Go Life: Mit seinen 3,3 Metern ist der e.Go Life im Vergleich zu den andren Mini-Stromern fast schon ein Riese. Der 77 PS starke Elektromotor ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. In der Stadt soll er bis zu 206 km weit kommen. Kombiniert liegt die Reichweite bei 139 Kilometern. Wegen der Insolvenz von e.Go im Sommer 2020 wurde der Life zeitweise nicht gebaut. Dasd Geschäft wurde aber von der Next.E.Go Mobile SE übernommen. Mit dem e.wave X steht auch schon ein Life-Nachfolger bereit. © Marius Becker/dpa
Microlino 2.0.
Microlino 2.0: Von 1955 bis 1962 baute BMW das Leichtfahrzeug Isetta. Bis heute ist der Kleinstwagen Kult und feiert nun sein Comeback. Zumindest ähnelt der Microlino 2.0 der Isetta sehr. Angeboten wird der Mikro-Stromer in drei Batterieversionen mit 95, 175 und 230 km Reichweite. Der 20 PS starke Elektromotor beschleunigt das nur 450 Kilogramm schwere Mobil auf 90n km/h. Mit 14.990 Euro ist der Microlino jedoch nicht grade billig. © Arnulf Hettrich/Imago
Elaris Pio
Elaris Pio: Mit 2,81 Meter Länge bleibt dieser Elektro-Zwerg noch unter der Drei-Meter-Marke. In diesem Bereich verschwimmen die Grenzen zwischen Mikro-Auto und Pkw. In Sachen Antrieb befindet sich der Pio jedoch bei den Mikro-Stromern. Grade einmal 49 PS leistet der Elektromotor. Der Akku kommt auf 27 kWh und reicht für 225 Kilometer. Preislich liegt der Pio bei 21.900 Euro. © Elaris
FreZE Nikob EV
FreZE Nikob EV: In China ist der Elektro-Zwerg unter dem Namen Wuling Hongguang Mini EV bereits sehr erfolgreich. Damit das auch in Europa der Fall ist, brauchte es neben einem neuen Namen auch mehr Sicherheit und Energieeffizienz. Heißt: ESP, Airbags, neue Räder und eine LED-Beleuchtung. Angeboten wird das Nikob EV mit einer 13,8-kWh-LFP-Zelle mit 200 km Reichweite. Kosten soll das kleine Elektroauto 16.000 Euro. © Wulling
Elektrofrosch Bob Four
Elektrofrosch Bob Four: So ganz weiß man ja nicht, was dieses Gefährt sein möchte. Offiziell handelt es sich bei dem Elektrofrosch Bob Four um einen Kabinenroller. Entsprechend ist bei 45 km/h Schluss. Rund 100 Kilometer soll der Elektrofrosch kommen und das für grade einmal 8.990 Euro. Neben dem Bob Four hat Elektrofrosch noch weitere Mikromobile im Angebot.  © Elektrofrosch
Ari 802
ARI 802: Mit 2,22 fällt der Ari 802 sehr klein aus. Mit 643 Kilogram ist er zudem auch noch sehr leicht. Daher reichen 10 PS auch um den Kleinstwagen auf Tempo 80 zu bringen. In den Versionen 252 und 452 sind nur 25 beziehungsweise 45 km/h drin. Die Reichweite gibt Ari mit 120 bis 250 Kilometern an. Preislich schlägt der Ari 802 mit 10.990 Euro zu Buche.  © Ari

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Elektroauto-Batterien – Fünf Trends, die in Zukunft eine Rolle spielen dürften: 5. Fest statt flüssig

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Der Feststoff-Akku ist der große Hoffnungsträger in der Batterie-Technik. Weil seine Zellen ohne Elektrolyt-Flüssigkeit auskommen, sind sie bei einem Unfall weniger feuergefährdet als aktuelle, zähflüssig gefüllte Energiespeicher. Zudem sind sie einfacher beziehungsweise günstiger herzustellen. Nicht zuletzt erlauben die neuen Akkus größere Reichweiten und kürzere Ladezeiten. Zuletzt hatte Nissan beim Thema Feststoff- oder Festkörpertechnik für Aufsehen gesorgt: Die Japaner haben im April angekündigt, ab 2024 zunächst mit einer Pilotproduktion zu starten, 2028 soll das erste Serienauto da sein. Klar ist aber, dass auch alle anderen großen Autobauer mit Hochdruck an der Super-Batterie forschen. Wann und wie die Technik wirklich auf die Straße kommt, ist schwer abzusehen. Einige Branchenvertreter rechnen mit einem großflächigen Durchbruch, andere sehen die Feststoffspeicher in der Luxus-Nische. (Holger Holzer/SP-X)

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