Lebenszyklus-Analyse

Elektroauto: Spätestens nach 60.000 Kilometern ist der CO2-Rucksack abgegolten

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Welcher Antrieb ist der klimafreundlichste? Dieser Frage ist nun der ADAC mit einer sogenannten Lebenszyklus-Analyse nachgegangen.

Die Frage nach dem klimafreundlichsten Antrieb wird heftig diskutiert: Ist es der mit E-Fuels betriebene Verbrennungsmotor? Der Wasserstoff-Antrieb (den viele Deutsche offenbar herbeisehnen)? Das Elektroauto mit Akku? Oder vielleicht doch etwas ganz anderes wie ein Erdgas-Fahrzeug? Oft werden in der Debatte die Produktion sowie das Recycling der Fahrzeuge vernachlässigt. Die sogenannte Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Analyse, LCA) zieht jedoch auch diese Daten mit ein. Auf deren Basis hat der ADAC nun verschiedene Antriebsarten untersucht. Grundlage ist ein Fahrzeug der Kompaktklasse, das vom Jahr 2022 bis 2037 jährlich 15.000 Kilometer abspult – insgesamt in 16 Jahren also 240.000 Kilometer.

Elektroauto: Spätestens nach 60.000 Kilometern ist der CO2-Rucksack abgegolten

Demnach hat das batteriegetriebene Elektroauto bei Nutzung des deutschen Strommixes im Betrieb von 2022 bis 2037 eine gute Treibhausgasbilanz. Nach einer Laufleistung von 45.000 bis 60.000 Kilometern hat das E-Auto einen Klima-Vorteil gegenüber dem Verbrenner. Der größere „Treibhausgas-Rucksack“, der aus der aufwendigen Herstellung der Batterien stammt, kann über diesen Zeitraum amortisiert werden. Werden rein regenerative Energien genutzt, ist der CO₂-Rucksack bereits nach etwa 25.000 bis 30.000 Kilometern abgegolten – und unter diesen Voraussetzungen wäre ein E-Auto auch die treibhausgasfreundlichste Antriebsart über die vollen 240.000 Kilometer.

Wird ein E-Auto aus regenerativen Energien gespeist, zeigt es laut ADAC die beste Treibhausgasbilanz. (Symbolbild)

E-Fuels und Wasserstoff: Primärenergiebedarf schmälert die LCA-Bilanz

Neben dem mit aus regenerativen Energien gespeisten Elektroauto weisen Brennstoffzellenfahrzeuge (betrieben mit Wasserstoff aus regenerativen Quellen) sowie E-Fuels, die der ADAC kürzlich auf Effizienz getestet hat, eine gute LCA-Bilanz auf. Anders sieht es dann wiederum aus, wenn der sogenannte Primärenergiebedarf einer Antriebsart beziehungsweise eines Kraftstoffs mit einbezogen wird. Denn für die Herstellung von E-Fuels beziehungsweise Wasserstoff (in dem beispielsweise der BMW-Chef die Zukunft sieht) muss zum Teil erheblich mehr Energie eingesetzt werden, um die gleiche Gesamtlaufleistung abzudecken.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

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E-Fuels: Schlechterer Wirkungsgrad durch Verluste bei Umwandlungsprozessen

Im Vergleich zu Strom für Elektroautos haben E-Fuels laut ADAC einen schlechteren Wirkungsgrad, der durch Verluste bei Umwandlungsprozessen zustande kommt. Außerdem ist der Bedarf an erneuerbarer Energien in der Produktion höher, weswegen es wichtig ist, E-Fuels in Weltregionen zu erzeugen, in denen Sonne und Wind möglichst dauerhaft und in entsprechender Intensität zur Verfügung stehen. Porsche beispielsweise hat kürzlich mit der Produktion von eFuels in der chilenischen Stadt Punta Arenas begonnen.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

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