Robust und günstig

Elektroauto sei dank: Trommelbremse feiert Comeback

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Zuletzt war die Trommelbremse fast nur noch in Kleinwagen zu finden. Die E-Mobilität sorgt nun für ein Comeback der so robusten wie günstigen Technik.

Ein E-Auto bremst nicht einfach, es rekuperiert. Statt der klassischen Reibungsbremse sorgt die meiste Zeit der Elektromotor für Verzögerung und gewinnt dabei auch noch Strom. Die mechanische Bremse wird zum Teilzeitarbeiter zurückgestuft – und greift auf neue alte Konzepte zurück.

Das Elektroauto bremst im Alltag überwiegend mit dem E-Motor. Der fungiert beim Verzögern als Generator und wandelt die Bewegungsenergie in elektrische Energie um, die dann in der Batterie gespeichert wird. Strom für bis zu 17 Prozent Zusatzreichweite kommt dabei im Schnitt zusammen. Die Reibungsbremse hat eine solche Ausbeute nicht zu bieten – sie lässt die Bewegungsenergie in Form von Wärme verpuffen. Entsprechend selten soll sie zum Einsatz kommen. 

Elektroauto sei dank: Trommelbremse feiert Comeback

„Aktuell erleben wir ein Comeback der Trommelbremse“, erläutert Manfred Meyer, Leiter Entwicklung Brems- und Lenkungssysteme beim Technologiekonzern ZF. Lange Jahre war diese Bauform vor allem bei kostengünstigen Kleinst- und Kleinwagen zu finden. In den letzten Jahren zieht sie aber auch wieder in größere Modelle ein – zumindest, wenn diese elektrisch angetrieben sind. Warum das so ist, erklärt sich aus der neuen Rolle, die die sogenannte Reibungsbremse im E-Mobil einnimmt. 

Die Trommelbremse kam zuletzt fast nur noch bei Kleinwagen zum Einsatz. Nun verhilft ihr die Elektromobilität zum Comeback. (Symbolbild)

„Wir nutzen die Reibungsbremse nur noch für die letzten Augenblicke vor dem Fahrzeugstillstand, bei sehr hohem Verzögerungsbedarf und bei einer vollen Batterie“, erklärt Meyer und nennt auch das daraus resultierende Problem. „Wird die Bremse nicht benutzt, korrodiert sie mit der Zeit.“ Ein Phänomen, dass man in Form von Flugrost auch von den Bremsscheiben länger abgestellter Autos kennt. Das ist vor allem optisch nicht schön, kann auf lange Sicht aber auch zu schlechteren Bremsleistungen führen. 

Elektroauto sei dank: Trommelbremse günstiger als Scheibe

Die Trommelbremse an der weniger belasteten Hinterachse kann da eine Lösung sein. Bei ihr sind die korrosionsgefährdeten Teile in einem Gehäuse verpackt, das Schmutz sowie Feuchtigkeit fernhält und gleichzeitig den eigenen Abrieb bei sich behält. Zudem sind Trommelbremsen gegenüber Scheibenbremsen bei den Kosten etwas günstiger – bei den eh schon eher teuren Elektroautos ist das ein wichtiger Vorteil.

Elektroautos: Die zehn beliebtesten Modelle in Deutschland

BMW i3
Platz 10: BMW i3. Schon seit 2013 auf dem Markt, und immer noch recht beliebt: 12.178 BMW i3 wurden 2021 neu zugelassen. Trotzdem läuft die Produktion des City-Stromers mit knapp 300 Kilometern Reichweite nach insgesamt 250.000 Einheiten dieses Jahr ohne Nachfolger aus. Preis: ab 39.000 Euro. © BMW
Fiat 500
Platz 9: Fiat 500. Das aktuelle Modell des Kleinstwagens, auch als Fiat 500e oder Fiat 500 Elektro bezeichnet, wird ausschließlich als E-Auto angeboten. 2021 fand er 12.516 Kunden. Je nach Akku-Größe schafft der kleine, aber charakterstarke Cityflitzer aus dem Stellantis-Konzern 190 bis über 300 Kilometer. Preis: ab 26.790 Euro. © Fiat/Stellantis
VW ID.5
Platz 8: VW ID.4. Die Crossover-Variante des braven Grundmodells ID.3 mit größerem Innenraum und etwas Off-Road-Fähigkeit wurde im vergangenen Jahr 12.734 mal zugelassen. Die Reichweite der Top-Version gibt VW reichlich optimistisch mit 518 Kilometern an. Preis: Ab 46.515 Euro. © Ingo Barenschee/VW
Skoda Enyaq iV
Platz 7: Škoda Enyaq iV. Der technische Ableger des VW ID.3 und ID.4 auf der MEB-Plattform ist mit 4,65 Metern etwas länger, und erfüllt somit das übliche Marken-Image als Alternative für die Familie. 13.026 Käufer und Leasingnehmer überzeugte das E-SUV mit offiziell bis zu 500 Kilometern Reichweite. Preis: ab 46.515 Euro. © Skoda Auto a.s.
Hyundai Kona Elektro
Platz 6: Hyundai Kona Elektro. Im Gegensatz zum neuen Ioniq 5 bietet Hyundai den seit Kona mit verschiedenen Antriebsversionen an, das seit 2018 verkaufte Elektroauto brachte es auf 17.240 Neuzulassungen. Die Motoren leisten 136 oder 204 PS, die Reichweite beträgt maximal 484 Kilometer. Preis: ab 35.650 Euro.  © Hyundai
Smart EQ fortwo Edition Bluedawn smart EQ fortwo edition bluedawn: stylish and electrifying eye-catcher
Platz 5: Smart EQ Fortwo. Wie beim BMW i3 ist auch das Ende des Elektrozwergs besiegelt. Künftig kommen die Elektroautos aus China und als größere SUV daher. Das Original fand trotz seiner mickerigen Reichweite von offiziell 153 Kilometer noch 17.413 Abnehmer. Preis: ab 21.940 Euro. © Mercedes-Benz AG
Renault Zoe
Platz 4: Renault Zoe. Beim Crashtest versagte die aktuelle Version des französischen City-Stromers (null Sterne!), aber mit 24.736 Neuzulassungen war er hierzulande durchaus beliebt. Dank bis zu 395 Kilometern maximaler Reichweite eignet er sich auch für längere Trips. Preis: ab 33.140 Euro. © Renault
VW ID.3
Platz 3: VW ID.3. Das Grundmodell des „Modularen E-Antriebs-Baukastens“ des VW-Konzerns gilt längst als elektrischer VW Golf, auch wenn sich manch Stromer-Fan einen etwas aufregenderen Auftritt gewünscht hätte. Europaweit brachte es der ID.3 mit seinen offiziell bis zu 553 Kilometern Reichweite schon auf über 100.000 Verkäufe, auf Deutschland entfielen 26.693 Zulassungen. Preis: ab 36.960 Euro. © VW
VW e-Up
Platz 2: VW e-Up. Seine große Beliebtheit führt zu seinem größten Nachteil: Immer wieder ist der kleine, 30.797 mal zugelassene Stromer ausverkauft, was letztendlich auch zu einer kräftigen Preissteigerung führte. Bis zu 260 Kilometer Reichweite gehen für diese Größe ok. Preis: ab 26.895 Euro. © VW
Tesla Model 3
Platz 1: Tesla Model 3. Das Einstiegsmodell des Elektroauto-Pioniers sicherte sich mit 35.262 Neuzulassungen klar die Pole-Position, und schaffe es wochenweise sogar an die Spitze der Gesamt-Charts aller Pkw. Die Reichweite beträgt laut Werksangabe bis zu 547 Kilometer. Preis: ab 52.965 Euro. © Tesla

Eine klassische Schwäche spielt beim E-Mobil zudem eine geringe Rolle: die höhere Geräuschentwicklung. Da die Reibungsbremse dank der Rekuperation weniger beansprucht wird, entsteht der unangenehme Effekt, das sogenannte Rubbeln, meist erst gar nicht. 

Elektroauto sei dank: Trommel-Comeback nicht das Aus für die Scheibenbremse

Als Lösung für alle Fälle sieht ZF-Experte Meyer die Trommel aber nicht. „Die Scheibenbremse hat einige prinzipielle Vorteile, die sie auch für das E-Auto weiterhin interessant machen“, erläutert der Entwickler. So ist sie thermisch belastbarer, kann die entstehende Wärme durch ihre offenliegende Bauweise besser abführen, was vor allem bei sehr schweren Autos oder bei sportlicher Fahrweise interessant ist. In letzterem Fall kann sie auch mit ihrer höheren Agilität punkten – sie verzögert einfach schneller als eine Trommelbremse. 

Um die Scheiben vor Korrosion zu schützen, gehen Autohersteller und Zulieferer daher neue Wege. Meyer etwa setzt auf den sogenannten „Scheibenwischer“. Die Softwarefunktion lässt die Bremsbeläge in regelmäßigen Abständen kurz zugreifen, um die Scheibe freizurubbeln. „Der Fahrer merkt davon nichts, da wir das in der Regel in einem Beschleunigungsvorgang verstecken“, sagt Meyer. Andere Ansätze sind neue, weniger rostanfällige Materialien. Doch Edelstahl oder Carbon sind deutlich teurer als der normale Grauguss – und wohl nur für sehr hochwertige Fahrzeuge vorstellbar.

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Scheibenbremsen werden also auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Wenn auch in einer auf die E-Mobilität optimierten Variante. Einen speziellen Ansatz hat dabei der Zulieferer Continental, der durch Leichtbau an der Bremse die Reichweite der Fahrzeuge erhöhen will. Die „Green Calliper“ genannten Modelle sollen ein geringeres Restschleifmoment haben als herkömmliche Bremssättel und zudem leichter sein. Möglich ist das unter anderem dadurch, dass Gewicht bei der Wärmeabführungstechnik gespart werden konnte, weil im Elektroauto der E-Motor den Hauptteil der Verzögerungsarbeit verrichtet. Unterm Strich verspricht der Zulieferer einen Reichweitengewinn von rund einem Prozent. Bei den üblichen 400 Kilometern entspricht das einem Plus von 4 Kilometern pro Akkufüllung. (Holger Holzer/SP-X)

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