VonSebastian Oppenheimerschließen
Die EU sieht die heimische Wirtschaft durch chinesische Billig-E-Autos in Gefahr. Nun wird mit Strafzöllen gedroht. Die deutschen Autobauer sind wenig begeistert.
Schon seit einiger Zeit war darüber spekuliert worden – nun hat die EU tatsächlich angekündigt, hohe Extra-Zölle von bis zu 38,1 Prozent auf Elektroautos aus China erheben zu wollen. Hintergrund: Man befürchtet einen wirtschaftlichen Schaden durch billige Stromer aus dem Reich der Mitte. Die Hersteller dort profitierten von „unfairen“ staatlichen Subventionen. Noch handelt es sich bei den Strafzöllen nur um eine Drohung, sollten die Chinesen aber in Gesprächen nicht einlenken, sind ab 4. Juli 2024 Extra-Zölle auf chinesische E-Autos die Folge. Sowohl die deutsche als auch die europäische Autoindustrie hat sich derweil klar gegen die Strafzölle ausgesprochen.
Unterschiedliche Strafzölle für verschiedene chinesische Hersteller
Lange Zeit waren chinesische Autos in Europa kaum ernst zunehmende Gegner: Die Fahrzeuge fielen in Crashtests krachend durch, auf Messen fanden sich teils dreiste Plagiate etablierter Autobauer – und wenn das Design doch aus eigener Feder kam, wirkte es für europäische Augen eher skurril. Doch das hat sich längst geändert: Zwar wird auch heute noch gelegentlich abgekupfert, wie etwa ein chinesischer Cybertruck-Klon oder auch die VW-Käfer-Kopie Ora Ballet Cat zeigen – aber aktuelle E-Autos von Marken wie Nio oder BYD sind durchaus konkurrenzfähig – und unterbieten die hiesigen Hersteller teils beim Preis. Das soll sich mit der Strafzoll-Androhung nun ändern. Allerdings sollen nicht auf alle Marken chinesischer Hersteller gleich hohe Strafzölle erhoben werden. Folgende Prozentsätze sind unter anderem aktuell angedacht:
- BYD: 17,4 Prozent
- Geely: 20 Prozent
- SAIC: 38,1 Prozent
Für andere chinesische Hersteller sind 21 Prozent vorgesehen – für Autobauer, die bei der Untersuchung wegen der Subventionsvorwürfe nicht kooperiert hatten, würde ein Zoll in Höhe von 38,1 Prozent fällig.
Branchenverband VDA: Strafzölle kein Instrument, um Wettbewerbsfähigkeit zu stärken
Die Autobranche ist von diesem Schritt der EU alles andere als begeistert. So erklärte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, dass die angekündigten Maßnahmen die Herausforderungen für die europäische und deutsche Automobilindustrie „nicht lösen“ würden. Zum einen seien solche Zölle nicht dazu geeignet, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie zu stärken.
Vor allem befürchten die Hersteller, dass die Chinesen sich revanchieren – in welcher Form auch immer. Das Problem: Vor allem die deutschen Autobauer verdienen in China noch immer gutes Geld. Durch die geplanten Strafzölle wachse die Gefahr eines globalen Handelskonflikts, betonte Müller. Auch der europäische Branchenverband ACEA äußert sich ähnlich und plädiert für einen „freien und fairen“ Handel.
BMW-Chef Oliver Zipse warnt vor Zoll-Spirale
Auch BMW-Chef Oliver Zipse kritisierte gegenüber der dpa die Strafzölle: Dies sei „der falsche Weg“. Protektionismus könne eine Spirale in Gang setzen, Zölle führten zu neuen Zöllen und Abschottung. Inzwischen hat China auch bereits mit Gegenmaßnahmen gedroht. „Aus Sicht der BMW Group tragen protektionistische Maßnahmen wie die Einführung von Importzöllen nicht dazu bei, im Wettbewerb auf internationalen Märkten zu bestehen.“
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So verkaufen sich chinesische Elektroautos bislang in Deutschland
Zumindest in Deutschland stellen die chinesischen Marken aber bislang noch wenig Konkurrenz dar. Laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) wurden von Januar bis Mai 2024 beispielsweise 8.444 Fahrzeuge von MG zugelassen – damit ist der chinesische Hersteller der erfolgreichste, kommt aber gerade einmal auf einen Marktanteil von 0,7 Prozent. BYD verkaufte in diesem Zeitraum lediglich 777 Fahrzeuge (Marktanteil: 0,1 Prozent), bei XPeng waren es gar nur 12 Fahrzeuge. Zwar sind die chinesischen E-Autos oft günstiger als europäische Marken, doch das gilt nicht immer und teils ist der preisliche Abstand auch nicht extrem, wie ein Vergleich des ADAC im vergangenen Jahr zeigte.
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