VonLennart Schwenckschließen
Ab Januar 2024 gibt es eine große Änderung im Gesundheitswesen: Die elektronische Gesundheitskarte der Krankenkassen wird digital ergänzt. Und könnte langfristig sogar vor dem Aus stehen.
Kassel – Nahezu jeder Deutsche hat es im Portemonnaie: Das Krankenkassen-Kärtchen. Seit 2014 hatte die Plastikkarte die 1995 eingeführte Krankenversichertenkarte abgelöst. Doch nun soll auch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) allmählich ihren Dienst verrichtet haben, im Zuge der Digitalisierung in Deutschland. Denn ab dem 1. Januar 2024 erhält mit der sogenannten GesundheitsID die digitale Identität auch in den Arztpraxen Einzug.
Die digitale Krankenversichertenkarte: Das kann die GesundheitsID
Das mit der GesundheitsID verknüpfte digitale Gesundheitskonto funktioniert dabei ähnlich wie das Online-Banking. Die digitale Identität ermöglicht es Versicherten, sich über ihr Smartphone in ihre elektronische Patientenakte (ePA) einzuloggen und E-Rezepte herunterzuladen. Die können dann zum Beispiel in der Apotheke vorgezeigt werden. Der Vorteil: Eine klare Zeitersparnis.
Zusätzliche Arztbesuche, zum Beispiel für die Ausstellung von weiteren Rezepten im laufenden Quartal, werden dadurch überflüssig. Ärzte können Rezepte direkt aufs Smartphone schicken. Das verkürzt für alle die Wartezeiten in der Arztpraxis. So zumindest die Wunschvorstellung der Bundesregierung.
„Digitalisierung in den Praxen gelingt mit einer guten Umsetzung in den Systemen“
„Die entscheidende Größe bei neuen digitalen Anwendungen ist die Implementierung in die Praxisverwaltungssysteme: Das zeigt sich gerade auch wieder bei den Rückmeldungen zum eRezept, die uns erreichen“, erklärt Roland Stahl, Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), gegenüber IPPEN.MEDIA.
Weiter betont er: „Die Anwendungen müssen nutzerfreundlich und möglichst aufwandsarm für die Praxen sein. Teilweise nimmt das Ausstellen eines eRezepts deutlich mehr Zeit in Anspruch als die Bearbeitung für das Papierrezept. Zeit, in der Ärztinnen und Ärzte sich um technische Probleme kümmern müssen, fehlt letztlich für die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten. Das ist angesichts der ohnehin knappen Arztzeit untragbar.“
Die GesundheitsID beinhaltet alle notwendigen persönlichen Informationen für eine Behandlung im deutschen Gesundheitswesen, vergleichbar mit denen auf der elektronischen Gesundheitskarte. Dazu gehören die Krankenversichertennummer, der Name und das Geburtsdatum. Um ab dem 1. Januar 2024 eine GesundheitsID zu erstellen, benötigt es aber ein NFC-fähiges Smartphone. NFC (Near Field Communication) ist eine kontaktlose Übertragungsform von Daten, ähnlich wie bei Bluetooth. Dazu braucht es die Versichertennummer der Krankenkasse sowie den Personalausweis mit freigeschalteter Online-Ausweisfunktion und dem dazugehörigen sechsstelligen Ausweis-PIN.
Die Versichertennummer findet sich auf jedem postalischen Schreiben der eigenen Krankenkassen. Nach 2010 ausgestellte Personalausweise sind ebenfalls NFC-tauglich und verfügen über einen PIN. Sollte der PIN verloren gegangen sein, ist das jedoch kein Problem, denn er kann beim PIN-Rücksetzdienst des Bundesinnenministeriums neu bestellt und postalisch zugesendet werden.
Die Gematik – Nationale Agentur für digitale Medizin
Die Gesellschaft für Telematikanwendungen (kurz Gematik) steht hinter dem Vorhaben, die üblichen Kranken- bzw. Gesundheitskarten von Versicherungen langfristig zu ersetzen. Die Gematik entwirft für Deutschland die digitale Gesundheitsinfrastruktur, um die Digitalisierung weiter voran zutreiben. Die Einführung der GesundheitsID zielt darauf ab, den Zugang zu Online-Gesundheitsanwendungen für alle in Deutschland zu erleichtern und überfüllte Arztpraxen zu verhindern.
Die Nutzung der digitalen Identität ist für Versicherte freiwillig
Nach Erhalt des neuen PINs können die Versicherten ihre Krankenkasse kontaktieren, um den sechsstelligen Code für die GesundheitsID zu erhalten. Die Krankenkassen bieten in der Regel eine eigene App an, über die man Schritt für Schritt die GesundheitsID beantragen kann. So handhaben es auch bekannte Unternehmen wie die AOK, Barmer oder Techniker Krankenkasse.
Doch können durch die Neuerung Nachteile für Versicherte entstehen, die über keine oder sehr wenig digitale Kompetenz verfügen? Die Gematik antwortet: „Nein. Die ePA bietet nur zusätzliche Vorteile. Die Qualität der Behandlung bleibt davon unberührt. Darüber hinaus sind die Anbieter der Akten angehalten, die Lösungen für Laien verständlich und barrierefrei anzubieten.“
Die GesundheitsID wird eine Alternative zur physischen Karte, wobei die elektronische Gesundheitskarte weiterhin gültig bleibt. Ob die eGK irgendwann ganz durch die GesundheitsID ersetzt wird, steht noch nicht fest. Das dürften besonders ältere Menschen, die möglicherweise kein Smartphone besitzen, mit Erleichterung vernehmen. (ls)
Rubriklistenbild: © David Inderlied/dpa/dpa-tmn

