PWC-Studie

Totgesagte leben länger: Deutsche Hersteller holen beim E-Auto-Absatz auf

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Laut einer Studie holen die deutschen Autobauer bei den Elektroautos auf. Das soll auch 2024 so weitergehen. Auf dem heimischen Markt wird es aber schwerer.

Geht es um das Thema Elektroauto, denken viele als Erstes an Tesla. Kein Wunder: Immerhin ist der US-Autobauer einer der Pioniere auf dem Feld der Elektromobilität. Doch auch aus China kommen immer mehr Hersteller, die Marktanteile beanspruchen. So hat BYD auf dem heimischen Markt Volkswagen längst den Rang angelaufen. So mancher hat die deutsche Autoindustrie daher schon verbal zu Grabe getragen. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger. Das gilt auch für VW, BMW, Audi und Co.

Laut Auswertung der Unternehmensberatung PwC wuchs ihr Absatz in den ersten neun Monaten des Jahres fast doppelt so schnell wie der Weltmarkt. Weltweit steigerten die deutschen Hersteller die Verkäufe ihrer reinen Batterieautos (BEV) gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 63 Prozent. Der Gesamtmarkt legte um 33 Prozent zu. In China verbesserten sich die deutschen Hersteller laut Studie um 39 Prozent, während der chinesische BEV-Markt um 26 Prozent wuchs.

PwC prognostiziert auch für 2024 wachsende Elektroauto-Absätze: 40 Prozent Zuwachs für deutsche Hersteller

Damit hätten deutsche Autobauer die Herausforderung angenommen und „melden sich mit mutigen und technisch exzellenten Modellen zurück“, sagte PwC-Branchenexperte Felix Kuhnert. Der Abstand auf die Marktführer ist aber immer noch immens. Von Januar bis September verkaufte Tesla das Model Y in China fast 280.000 Mal. Die deutschen Hersteller kamen zusammen auf 200.000 Elektroautos.

Mit dem i5 möchte BMW seinen Elektroauto-Absatz weiter ankurbeln.

Für 2024 rechnen die Branchenexperten von PwC weiterhin mit einem weltweiten Absatzplus für die Stromer. Die deutschen Autobauer sollen demnach um 40 Prozent zu legen, die Konkurrenz aus China um 31 Prozent.

Umweltbonus sinkt 2024 erneut

In Deutschland befürchtet EY derweil einen Einbruch der Elektroauto-Absätze. Seit dem 1. September gibt es für elektrische Dienstwagen keine Förderung mehr. Die Folge: Ein Absatzminus von 28,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Hybride werden bereits seit Ende 2022 nicht mehr vom Staat gefördert.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Eine Entwicklung, die sich in den kommenden Monaten fortsetzen könnte. Irgendwann ist der Fördertopf für die Stromer erschöpft. Hinzukommt, dass die Prämien im kommenden Jahr erneut sinken. Für Batterieelektrische Fahrzeuge mit einem Nettolistenpreis bis zu 45.000 Euro gibt es ab dem 1. Januar nur noch mit 3.000 Euro vom Bund. Zusätzlich gibt es 1.500 Euro von den Herstellern. Schon 2023 gab es weniger Geld für Käufer. Die aktuelle Förderrichtlinie läuft zum 31. Dezember 2024 aus.

Ampel-Regierung plant keine Umweltbonus-Verlängerung

Eine Verlängerung darüber hinaus ist offenbar aber nicht geplant. „Ich sehe da die Hersteller in der Pflicht, günstigere Autos anzubieten“, betonte der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Bernd Reuther im Gespräch mit dem Handelsblatt. Seiner Meinung nach würden die Preise mit dauerhafter Förderung nie sinken. Auch der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar, fordert die Hersteller auf, die eigenen Preise zu senken. Wichtig sei es, dass „nicht mehr nur große Pkw, sondern eben auch kleine und mittlere Pkw zu günstigen Preisen produziert werden“.

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Trotz dem absehbaren Ende des Umweltbonus hält die Ampel-Koalition aber an dem Ziel fest, dass bis 2030 15 Millionen Elektroautos in Deutschland fahren sollen. Geplant sind zudem eine Million Ladepunkte. Dabei soll auch das Deutschlandnetz helfen. Und auch die Tankstellen sollen beim Aufbau der Infrastruktur in die Pflicht genommen werden. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Daniel Kraus/BMW

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