VonSimon Stockschließen
Hörer des Deutschlandradios müssen sich umstellen. Im Kabelnetz sind drei Programme bald nicht mehr zu empfangen. Das hat mit Geld zu tun. Und indirekt mit dem Aus des Nebenkostenprivilegs.
Hamm - Wer künftig die Programme des öffentlich-rechtlichen Deutschlandradios über Kabel hören möchte, wird enttäuscht. Der Sender stellt ab Ende 2024 die Verbreitung seiner drei Hörfunk-Angebote über die Kabelnetze (DVB-C) ein. Das liegt auch an der Abschaffung des Nebenkostenprivilegs.
- Sender: Deutschlandradio
- Programme: Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova
Deutschlandradio: Programme verschwinden aus dem Kabelnetz
Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova werden nach ihrem Kabel-Aus natürlich weiterhin senden und auch empfangbar sein, etwa via Satellit oder als Internet-Livestream. „Mit IP-Streaming und DAB+ bietet Deutschlandradio seinem Publikum gute Alternativen zum Kabelempfang“, sagte ein Sprecher von Deutschlandradio.
Das Geld, das zur Einspeisung des Kabelempfangs aufgewendet werden musste – etwa 1,6 Millionen Euro für die Jahre 2021 bis 2024 –, sollen nun zur Stärkung der „nicht-linearen Angebote“ wie etwa die Dlf Audiothek App genutzt werden. Die drei Deutschlandradio-Programme wären ab Januar 2025 die einzigen öffentlich-rechtlichen Radioprogramme, die nicht mehr in den Kabelnetzen verbreitet werden.
Der Radiosender riskiert durch das Verschwinden aus den Kabelnetzen Hörerverluste, doch die werden nach Ansicht eines Sprechers nicht allzu hoch ausfallen. „Nach unserer Einschätzung macht der Kabelempfang für Radioprogramme nur einen sehr geringen Anteil an der Gesamtnutzung aus“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur und bestätigte damit einen Bericht des Webportals Cablevision.
Deutschlandradio: Abschied aus dem Kabelnetz spart viel Geld
Mit dem Wegfall des sogenannten Nebenkostenprivilegs werde ein weiterer Rückgang der Kabelnutzung erwartet, erläuterte Deutschlandradio die Motive. Aus diesem Grund sei die Kabelverbreitung für ein auf Audio spezialisiertes Medienhaus nicht mehr wirtschaftlich. Vermieter durften die Kosten für einen Breitband-Kabelanschluss bisher auf ihre Mieter umlegen – ab Juli ist das nicht mehr zulässig. Millionen Mietern droht ein schwarzer Bildschirm.
Im aktuellen Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) findet sich auch die Passage: „Die Verbreitung der Programme von Deutschlandradio über Kabelnetze (DVB-C) wird eingestellt. Somit werden für die kommende Beitragsperiode 2025 bis 2028 keine Kosten mehr für die Kabelverbreitung angemeldet.“ Wo wir bei Rundfunk und Geld sind: In Nordrhein-Westfalen treiben die ersten Städte den Rundfunkbeitrag seit 2024 nicht mehr ein.
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