VonLara-Sabrina Kiehlschließen
Forscher haben die Mimik von Pferden genauer untersucht. Denn sie sind überzeugt, dass Pferde in ihren Gesichtern Signale senden, die oft noch unerkannt bleiben.
Eine Studie konnte bereits aufzeigen, dass Pferde in der Lage sind, Mikroausdrücke in ihrem Gesicht zu zeigen. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur Menschen, sondern eben auch Tiere die Fähigkeit haben, über unbewusst auftretende Mimik etwas über ihre Gefühlswelt zu verraten. Was genau die unbewusst auftretenden Mikroausdrücke allerdings über ihre Emotionen aussagen, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Eine neue Studie widmete sich nun ebenfalls der Mimik von Pferden. Sie zeigt auf, dass Frustration und Enttäuschung am Gesicht der Pferde abzulesen sind und sich durch bestimmtes Verhalten äußern.
Pferden leben in komplexen Systemen und kommunizieren über visuelle Signale
Pferde sind äußerst soziale Tiere und leben in einem komplexen sozialen System. Hinzu kommt, dass sie über „subtile visuelle Signale mit anderen kommunizieren“, schreiben Claire Ricci-Bonot und Daniel Simon Mills in der Zeitschrift Applied Animal Behavior Science. Gemeint ist damit ihre Körpersprache wie zum Beispiel ihre Ohrenhaltung und ihr Ohrenspiel, ihr Gesichtsausdruck oder ihre Augenrichtung.
Die Forscher nehmen an, dass Pferde in einer ebenso komplexen emotionalen Welt leben und sind sich sicher, dass Pferde immer wieder negative emotionale Zustände zeigen, die häufig unerkannt bleiben. Um mehr Klarheit über Emotionen im Pferdegesicht zu bekommen, wurde eine Studie durchgeführt. 31 Pferde unterschiedlichen Geschlechts im Alter zwischen zwei und 23 Jahren nahmen daran teil. Die Pferde wurden in drei Situationen mit Futter getestet.
Verschiedene Phasen der Studie, die mithilfe von Futtergaben durchgeführt wurde
Zuvor wurden die Pferde in einer standardisierten Stallumgebung darauf trainiert, auf eine Futterbelohnung zu warten. Dafür wurden Pellets in einem Gerät unter einer durchsichtigen Plexiglasscheibe platziert. Nach zehn Sekunden wurde die Abdeckung zurückgeschoben, um dem Pferd Zugang zum Futter zu ermöglichen.
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Sobald sie sich an das Futterprocedere gewöhnt hatten und nach zehn Sekunden mit dem Futter rechneten, wurden sie in diesen drei Situationen, die mit einer Kamera gefilmt wurden, getestet:
- Die Erwartungsphase: Das Wissen, dass eine Belohnung alsbald kommt, wurde als positiver emotionaler Zustand angesehen.
- Die Frustrationsphase: Die Pferde mussten eine Minute lang auf die Futterbelohnung warten.
- Die Enttäuschungsphase: Der Zugang zum Futterbehälter wurde zwar gewährt, jedoch gab es kein Futter. Die beiden letztgenannten Situationen wurden als negative emotionale Zustände gewertet.
Anhaltspunkte, die auf Frustration und Enttäuschung hinweisen
Die Aufnahmen wurden anschließend analysiert und anhand des „Equine Facial Action Coding System“ (EquiFACS) ausgewertet. Dabei konnten keine mit Vorfreude verbundenen Gesichtsmerkmale festgestellt werden. Dafür aber neun Anhaltspunkte, die auf Frustration oder Enttäuschung hindeuten. Lesen Sie hier fünf Tipps, wie Sie die Beziehung zu Ihrem Pferd stärken können.
Anzeichen der getesteten Pferde in der Frustrationsphase:
- Es war mehr Weiß im Auge der Pferde zu sehen.
- Die Ohren wurden stärker gedreht.
- Der Kopf zeigte häufig nach links.
- Die Wahrscheinlichkeit, dass Pferde in den Trog beißen, war höher als bei der Enttäuschung.
Anzeichen der getesteten Pferde in der Enttäuschungsphase:
- Die Pferde blinzelten mehr. In der Studie zeigten Stuten dieses Verhalten wesentlich häufiger als Wallache oder Hengste.
- Die Nüstern wurden mehr gehoben.
- Die Pferde zeigten häufiger die Zunge.
- Es zeigte sich ein verstärktes Kauverhalten.
- Die Pferde begannen zu lecken.
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Die Forscher weisen jedoch darauf hin, „dass unser Ergebnis möglicherweise auf die Futtersituation beschränkt ist und daher weitere Forschung erforderlich ist.“ Außerdem stellt sich noch die Frage, ob die Zeit vor dem Füttern für Pferde ein positives Ereignis sei. Denn Gesichtsausdrücke, die Vorfreude signalisieren, konnten nicht identifiziert werden, so die Wissenschaftler.
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