Rentenreform

„Wäre ein Wahnsinn“: Erfinder der Aktivrente erklärt, ab welchem Alter es die 2000 Euro mehr wirklich gibt

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Ab 2026 sollen Rentner bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen dürfen. Allerdings gilt das nicht für alle gleichermaßen.

München — Das Bundeskabinett hat die Einführung der Aktivrente beschlossen. Ab dem 1. Januar 2026 sollen Rentner bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen können, sofern sie sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann (rechts) im Gespräch mit Markus Lanz über die Aktivrente.

Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) würden rund 230.000 erwerbstätige Rentnerinnen und Rentner unmittelbar profitieren – vor allem Besserverdienende. .

Aktivrente: Ab welchem Alter gibt es wirklich mehr Geld?

In seiner Talkshow fragte Markus Lanz den CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann am Mittwoch (15. Oktober), warum mit der Aktivrente nicht gleichzeitig die abschlagsfreie Rente mit 63 abgeschafft werde. „Sie laufen doch jetzt Gefahr, dass Leute sich frühverrenten lassen, um dann 2.000 Euro steuerfrei zu erarbeiten“, so der Moderator.

Linnemann, der als zentrale treibende Kraft hinter der Aktivrente gilt, betonte jedoch, dass das nicht möglich sein werde. Wer vorzeitig in Rente gehe, müsse bis zum gesetzlichen Rentenalter warten. Dieses liegt für den Jahrgang 1960 bei 66 Jahren und 4 Monatenund steigt schrittweise bis 2031 an. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt einheitlich das Renteneintrittsalter von 67 Jahren. „Sonst wäre das ja ein Wahnsinn“, so Linnemann.

Mit der Aktivrente will die Bundesregierung einen Anreiz schaffen, länger im Arbeitsleben zu bleiben und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. „Davon profitieren Beschäftigte und Arbeitgeber gleichermaßen“, heißt es auf der Website der Bundesregierung. Eine höhere Erwerbsquote stärke die Wirtschaft und erhöhe die Einnahmen der Sozialversicherungen. Die Aktivrente diene daher auch der Generationen- und Verteilungsgerechtigkeit.

Kritik an der Aktivrente: „Die Politik drückt auf Gas und Bremse zugleich.“

Die Aktivrente stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter, kritisierte laut Tagesschau: „Die Politik drückt auf Gas und Bremse zugleich.“ Während die Aktivrente längeres Arbeiten fördern solle, belohne die abschlagsfreie Frühverrentung gleichzeitig den vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) äußert deutliche Kritik. „Die Regelung kostet Milliarden, löst aber keines der vorhandenen Probleme“, so Vorständin Anja Piel. Wenn Menschen nach ihrem Renteneintritt nicht weiterarbeiteten, liege das meist an ihrer Gesundheit, den Arbeitsbedingungen oder daran, dass Arbeitgeber sie nicht mehr wollten.

Bringt die Aktivrente etwas?: Ab wann sich die Maßnahme lohnt

Ob sich die Maßnahme für den Staat am Ende rechnet, hängt davon ab, wie viele Menschen die Aktivrente tatsächlich nutzen. Das DIW warnt vor sogenannten Mitnahmeeffekten: Rentner, die ohnehin schon arbeiten, könnten zunächst zu Mindereinnahmen von rund 770 Millionen Euro führen. Erst wenn etwa 75.000 zusätzliche Aktivrentnerinnen und -rentner hinzukommen, würde sich der volkswirtschaftliche Effekt ins Positive drehen.

Zudem befürchtet das Institut, dass die Aktivrente soziale Ungleichheiten verstärken könnte – da vor allem Besserverdienende profitieren, während Menschen mit niedrigen Einkommen meist in Minijobs tätig sind und kaum Vorteile hätten. Der Gesetzentwurf wird nun in Bundestag und Bundesrat beraten. Eine Evaluierung der neuen Regelungen ist bereits nach zwei Jahren vorgesehen. (Quellen: DIW; Tagesschau, Markus Lanz, Bundesregierung) (jus)

Rubriklistenbild: © ZDF / Cornelia Lehmann

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