Details veröffentlicht

Große Aldi-Änderung beim Sortiment: „Hat es im Discount noch nie gegeben“

  • schließen

Supermärkte und Discounter setzen immer mehr auf Bio – mit Folgen für die kleinen Bio-Läden. Aldi Süd kooperiert bei seiner neuen Bio-Marke mit Naturland.

Kassel – Die Menschen in Deutschland kaufen immer mehr ökologisch erzeugte Produkte. Trotz erhöhter Lebensmittelpreise nimmt die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln weiter zu. Das haben auch Supermarktketten und Discounter erkannt. Wie die Tagesschau berichtet, finden sich in den Regalen von Supermarktketten wie Rewe und Edeka sowie Discountern wie Aldi Süd Lidl und Co. immer mehr günstige Bio-Lebensmittel. Manche haben ihre Bio-Eigenmarke, andere wie beispielsweise Lidl arbeiten mit Bioland zusammen.

Wer regelmäßig im Biomarkt einkauft, weiß aber, wie viel mehr man dort für Lebensmittelprodukte zahlt. Wie das GfK Marktforschungsinstitut herausfand, weichen Konsumenten zunehmend auf günstigere Bio-Marken von Discountern aus. Die Menschen wollen Bio, aber nicht zu jedem Preis. Laut dem NDR hat eine Studie ergeben, dass Bio-Lebensmittel am häufigsten im Supermarkt gekauft werden, gefolgt vom Discounter. Doch immer mehr billiges Bio beim Discounter, bedeutet immer weniger Umsatz für die kleinen Bio-Läden. Wie das Marktmagazin Mex der ARD berichtet, soll Bio nach eigenen Angaben des Discounters Aldi sogar zum Standard werden.

Aldi Süd baut Bio-Sortiment aus und setzt bei Bio-Eigenmarke auf Naturland

Es scheint, als wäre Bio auf einem unaufhaltsamen Siegeszug und ausgerechnet die Pioniere bleiben dabei auf der Strecke. Wie Aldi Süd in einer Pressemitteilung bekannt gab, wolle der Discounter sein Bio-Sortiment weiter ausbauen. Dazu setzt der Discounter auf die Einführung einer neuen Bio-Marke: „Nur Nur Natur – Bio, das weiter geht“.

In einem Interview mit der Lebensmittelzeitung verspricht der Lebensmittelriese bei seiner Bio-Marke „Fachhandelsqualität zum Aldi-Preis“. Mit der neuen Bio-Marke setze man „Maßstäbe im Lebensmitteleinzelhandel“, glaubt Aldi. „So etwas hat es im Discount noch nie gegeben“, zitiert das Format Erik Döbele, Managing Director Buying & Customer Interaction bei ALDI SÜD aus einer Mitteilung. Wie Aldi Süd auf ihrer Website informiert, ist ein Großteil seines neuen Bio-Produkts Naturland-zertifiziert – erkennbar am Naturland-Zeichen auf der Verpackung. Diese Produkte unterstützen zusätzlich das Förderprogramm „Für mehr Artenvielfalt“. Beim Bioverband Naturland sind bundesweit knapp 5000 landwirtschaftliche Betriebe organisiert. Für die Naturland-zertifizierten Produkte bedeutet das:

  • Strengere Bio-Richtlinien als gesetzlich vorgeschrieben.
  • Weltweit gültiger Naturland Standard.
  • Förderung der Artenvielfalt bei Naturland Betrieben.

„Wir haben die Klimakatastrophe, den dramatischen Verlust von Artenvielfalt, eine Tierhaltung, die in Teilen vollständig inakzeptabel ist. Da ist Bio einfach ein erheblicher Anteil der Lösung für diese Probleme. Und deshalb ist Bio als neues Normal zwingend“, so Steffen Reese, Geschäftsführer von Naturland gegenüber dem Marktmagazin. Aldi kündigte auch an, künftig auf Billigfleisch verzichten zu wollen

Discounter setzen auf Bio: Reformhäuser, Naturkostläden und Bio-Supermärkte kämpfen ums Überleben

Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wie Mex berichtet, hat sich der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland von sieben Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 15 Milliarden Euro im Jahr 2022 mehr als verdoppelt. Die Umsätze der Bio-Supermärkte sind dagegen im vergangenen Jahr drastisch um 10,8 Prozent eingebrochen. Nach Mex-Informationen verzeichneten die Reformhäuser sogar ein Minus von 37,5 Prozent. Anders sieht es hingegen bei den Eigenmarken der Handelsketten aus. Sie haben neun Prozent zugelegt. Die Logos der Bioverbände sorgen für einen Billig-Bio-Boom bei den Discountern. Denn seit Lidl mit Bio-Land zusammenarbeitet, hat sich der Umsatz der Bioprodukte um 44 Prozent gesteigert.

Bei Aldi soll es künftig noch mehr Bio-Produkte geben.

„Ich glaube nicht, dass der Erfolg die Pioniere frisst. Im Discount und Naturkost-Handel haben wir unterschiedliche Zielgruppen. Wenn es uns gelingt über den Discount mehr Biokunden zu erschließen, dann wird der Weg auch hoffentlich wieder andersrum gehen“, so Reese weiter.

Es müssen nicht immer Bio-Siegel sein: Experten empfehlen, auf Regionalität und Saisonalität zu achten

Bio bleibt beliebt, aber die Verbraucher achten mehr auf den Preis und wollen trotzdem umwelt- und gesundheitsbewusst leben. Experten empfehlen deshalb, beim Einkaufen nicht nur auf Bio-Siegel zu achten, sondern Produkte zu kaufen, die in der Region, in der man lebt, hergestellt werden. Folglich soll mehr auf Regionalität und Saisonalität gesetzt werden.

Umweltsiegel gibt es viele, nicht alle bedeuten, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft schreibt, das Gleiche oder erfüllen dieselben Voraussetzungen. Grundsätzlich gilt: Jedes Bio-Siegel bedeutet, dass ein Produkt ohne chemische Zusätze produziert wurde. Insgesamt gesehen sind die Siegel der Anbauverbände von Naturland, Bioland und vor allem Demeter wesentlich strenger, als das EU-Siegel. Wer neben Ökologie auch auf eine artgerechte Haltung achtet, sollte sich für eines dieser Labels entscheiden. (Vivian Werg)

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Imago

Kommentare